Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Und weils so schön ist…

Hier findet man einen Link zu den Reden der aktuellen Stunde und der Fragerunde im deutschen Bundestag.

Ich empfehle besonders die Rede des Herrn Uhl. Seines Zeichens von der CSU. DAS allerdings wird jedem klar, der die Rede hört.

Denn SO merkbefreit und phrasendreschend KANN nur die CSU sein.

So ungefähr bei Minute 2:30 gibt es eine Liste der Innenminister der Länder, die sich einen Scheißdreck nicht um das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes scheren.

Gut zu wissen, denke ich. Leider nicht überraschend.

Bei 4:05 wirds lustig. „Der Computerclub hat überhaupt nichts aufgedeckt“.

Na, das ist ja mal lustig. Der CCC hat vor allem mal aufgedeckt, daß der Staatstrojaner mehr kann als er darf.

„Ich habe denn Verdacht, daß herauskommt, daß kein Beamter sich rechtswidrig verhalten hat“.

(In Bezug auf den Bayerischen Trojaner)

Jo, Herr Uhl. Dummerweise ist das schon widerlegt. Der bayerische Trojaner HAT nachgewiesener Maßen Screenshots gemacht. Das ist illegal. Alle Minute einen. IIRC liegt die Zahl bei 60.000. SECHZIGTAUSEND.

Damit HABEN sich die Beamten rechtswidrig verhalten. Den Beamten selbst würde ich da nicht mal einen Strick daraus drehen. Die können da nicht mal was dafür.

4:40: „[Es wird herauskommen, daß] die Software kann viel mehr als sie darf, aber sie wurde nicht so angewandt“.

Jo, Herr Uhl. GENAU das verbietet das Bundesverfassungsgericht. Schön, daß Ihnen das egal ist.

Das besondere Schmankerl kommt bei 5:04: „Das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet“

gefolgt von (das sollte man nicht verschweigen: „die sehr kontrolliert, sehr sorgfältig, sehr behutsam mit dem Instrument der Quellen-TKÜ umgeht und so soll es auch sein“.

Das sieht man ja auch daran, wie die Quellen-TKÜ eingesetzt wird.

Also bitte, Herr Uhl. Da kann man sich ja die Fälle mal ansehen, in denen diese Quellen-TKÜ bis jetzt eingesetzt worden ist.

Ich hab da bis jetzt nur irgendwelchen (zwar strafbaren, aber nicht dramatischen) Firlefanz im Kopf.

Dafür, daß es eigentlich nur schwere und schwerste Straftaten betreffen soll, haben die „kontrollierten, sorgfältigen und behutsamen“ Beamten aber gewaltig daneben gegriffen.

Steuerbetrug wegen Zigarettenhandel?

Die anderen Fälle sind nicht weniger… naja… dramatisch.

Herr Uhl: Thema verfehlt. Setzen. Sechs.

20. Oktober 2011 Posted by | Politik | , | 2 Kommentare

Und sowas ist Innenminister

Wie heißts so schön? Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Über unseren Herrn Friedrich – seines Zeichens Bundesinnenminister – hatte ich ja schon mal geschrieben. Aber der Mann will ja im Gespräch bleiben und legt immer mal wieder eine Schippe nach.

Es geht (wie könnte es anders sein?) um den Bundestrojaner. Oder Staatstrojaner. Oder wegen mir auch den Bayerntrojaner.

Und dabei haben sich in den vergangenen Tagen so einige Leute nicht eben mit Ruhm bekleckert.

Zunächstmal hat im Februar 2011 das Bundesverfassungsgericht ziemlich klar gesagt, daß dieses Ding nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden darf.

Die bayerische Version hatte auch das Landgericht Landshut verurteilt. Und das ist witzigerweise in dem Zusammenhang das höchste zuständige Gericht.

Interessiert das unseren Bundesinnenminister? Zur Erinnerung: Der Mann hat einen Eid auf die Verfassung geschworen.

Nicht so wirklich, wie es scheint.

Das Landgericht Landshut hat zu den Möglichkeiten der Quellen-Telekommunikationsüberwachung eine andere Rechtsauffassung vertreten als die bayerische Staatsregierung.

Das darf die Bayerische Staatsregierung ja sogar tun. Was die Bayerische Staatsregierung aber NICHT darf ist sich darüber hinwegsetzen, als wären die Entscheidungen der höchsten Gerichte nicht zu beachten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte recht klar gesagt, daß es sichergestellt sein muß, daß der Trojaner nur dazu fähig sein darf Internettelefonie abzuhören. Da kann man sich darüber streiten, aber das läßt sich ja irgendwie sogar begründen.

Der vom CCC analysierte Trojaner kann aber deutlich mehr als das. Er kann sozusagen alles ausser Kaffeekochen. Er kann nämlich, selbst wenn es ursprünglich nicht dabei war, Software nachladen. Was er aber laut BVerfG nicht darf.

Und wieder: Interessiert das unseren Bundesinnenminister?

Nein, wieder nicht.

Wir brauchen diese Nachladefunktion, um uns den normalen Updates auf dem Zielcomputer anpassen zu können.

Dann outet sich auch noch ein anderer Innenminister, der Herr Herrmann, als merkbefreit uns stellt eine etwas dämliche Frage:

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu der Sonntagszeitung: „Es scheint mir die Frage zu sein: Was versteht man unter nachladbar?

Na was schon, Herr Herrmann?

Dazu muß man allerdings sagen, daß der „Trojaner“ das zwar kann, aber nicht nachgewiesen ist, daß er das auch tat. Das ist allerdings nicht wirklich relevant, weil er das schon vom Start weg nicht darf. Und vielleicht sogar noch mehr nicht darf: Nämlich benutzt werden.

Wir haben hier also zwei Innenminister, einmal des Bundes und einmal des Landes Bayern, denen es offenbar egal ist was die Verfassung und die höchsten Gerichte sagen.

Entweder das, oder beide verstehen nicht wirklich um was es geht.

Gegen einen davon (Herrn Herrmann) hat vorgestern die Piratenpartei Bayern Strafanzeige gestellt.

Zeit wirds.

(Quellen überwiegend bei Fefe gefunden.)

 

19. Oktober 2011 Posted by | Politik | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Stich ins Hornissennest

Irgendwas habe ich getroffen.

Mein Blog wird ja nun nicht besonders viel gelesen. Die Zahlen finde ich zwar nett (wenn ich mal nachsehe, was eher selten der Fall ist), aber sie sagen mir nichts. Mal sinds 300, mal sinds 150 Klicks pro Tag. Ist das viel? Woher soll ich das wissen?

Interessiert mich auch nicht. Ich schreibe zum Teil um mir was von der Seele zu reden, manchmal um mir Luft zu machen und manchmal einfach nur, um irgendwas zu schreiben.

Manchmal fange ich an, schreibe irgendwas, lösche es wieder weil mir was ganz anderes einfiel, haue das in die Entwürfe, schreibe noch was anderes, und poste das dann. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Großartig interessieren tut das ein paar Leute die mitlesen. Aber von weltbewegender Bedeutung ist das alles nicht. Ist eben ein Weblog.

Manchmal „triggert“ ein Artikel woanders einen von mir. Manchmal komme ich darüber auf wieder eine andere Idee. Und schreibe darüber. Oder auch nicht.

Literarisch wertvoll ist das alles sicher nicht. Journalistisch höchstens im allerweitesten Sinne. Kann jeder lesen, aber niemand muß.

Ich erhebe keinen Anspruch auf „gut geschrieben“ oder „Thema interessant“ (ausser für mich, sonst würde ich es nicht schreiben) oder „wichtige Information“.

Ich schreibe über was ich denke, was ich erlebe. Was meine Erfahrungen sind.

Es wäre zwar schön, wenn die alle positiv wären und ich alle anderen Menschen – egal welchen Berufes – in höchsten Tönen loben könnte (von meiner Warte aus), aber dem ist nun mal nicht so.

Ich habe meinen Ärger mit Verwaltungen (mittlerweile kaum noch), mit dem Finanzamt, mit den Versicherungen, mit Kollegen, mit Ärzten und (ja auch das, aber selten) dem Rettungsdienst. Mit den Nachbarn (da hab ich allerdings echtes Glück), mit dem Milchmann (als ob ich Milch trinken würde), mit der Tussi an der Kasse, dem Müllmann, der deutschen Post, meinem Telefonanbieter, meinem Internetprovider, dem Hoster meiner Homepage (den ich nur wärmstens empfehlen kann… wenn ich mal wieder was an der Homepage basteln will), dem Typen der hier in der Anwohnerstraße parkt aber aus Kleinsonstwo kommt und keine Genehmigung hat, mir aber den Parkplatz nimmt) und mit der Bedienung in der Kneipe, die Stunden braucht für ein pupsiges Bier.

Nicht immer, aber manchmal macht mir jeder davon das Leben schwer.

Und? So what? Das ist das Leben. So ist es nun mal.

Und so ist es auch im Beruf.

In jedem Beruf.

In diesem Fall habe ich allerdings einigen Leuten auf den Schlips getreten.

Ich habe auch schon meinen Senf zu anderen Fachrichtungen abgegeben. Und die über mich und meine Fachrichtung. Schenkt sich nichts, denke ich.

Nur eine Fachrichtung hat bisher Zeter-und-Mordio geschrien. Man möchte meinen, ich hätte sie alle als Brandschatzer und anderweitig fragwürdige Gestalten betitelt.

Manch einer verlor dabei die Kontenance und sprach sich in gekränktem Stolz gleich gegen die schreiberischen Fähigkeiten aus (man mag ja nicht unbedingt Feuer ins Öl giessen, aber so recht inhaltsvoll finde ich den betreffenden Blog nun auch nicht…). Kann ja sein, den Anspruch auf literarische Edelsteine erhebe ich auch nicht.

Das Sprichwort geht: Der getroffene Hund bellt.

Persönlich finde ich, daß dieser spezielle Hund schon recht laut gebellt hat.

An anderer Stelle ist man auch schon über meine Lieblingsfachrichtung hergezogen.

Ein Widerspruch dagegen verbietet sich mittlerweile. Leider.

Nicht, weil ich nichts mehr dagegen sagen kann, sondern weil mir Premiumpatientin fehlt. Dieser unser medizingetränkter Teil der Blogsphäre ist ärmer ohne sie.

Widerspruch gegen diesen Post wäre auch aus einem anderen Grunde sinnlos:

Er betrifft mich nur in kleinen Teilen. Und die Teile, die mich betreffen, gebe ich freimütig zu. Ja, die sind so (Teile von Punkt 2, erster Teil von Punkt 3).

Also könnte ich mich aufregen über Teile, die mich nicht betreffen (was dämlich wäre) oder über Teile die stimmen und die ich sogar zugebe. Ohne mir irgendwas aus irgendeiner Krone zu brechen. Was noch dämlicher wäre.

Natürlich kann ich nicht für alle Notärzte sprechen. Woher auch? Das höchste der Gefühle ist mal ein LNA, aber sonst erlebe ich andere Notärzte nicht bei der Arbeit.

Ich kann aber über Erlebnisse mit den ärztlichen Kollegen sprechen, die an den Schnittstellen zur Primärversorgung stehen. Manche davon gut (oder in meinen Augen gut), andere nicht so gut (auch in meinen Augen).

Eine spezielle Fachrichtung an der Schnittstelle zur Primärmedizin (oder zumindest ein oder zwei der darin Tätigen) fühlte sich allerdings augenscheinlich bemüßigt, dagegen aus der unteren Schublade heraus zu wettern.

Ist recht, vielleicht gab es da schlechte Erfahrungen der Vergangenheit. Notärzte sind nicht der Nabel der Welt.

Wir haben ein ziemlich kleines Gebiet (eines der Kleinsten überhaupt), sind nicht zwingend Facharzt. Viele sind es, viele nicht.

Wenn ich einen Blogpost lese, der mich betrifft (meine Fachrichtung), dann gebe ich meinen Senf dazu, dann sage ich, was wo nicht stimmt, meiner Meinung nach.

Und jetzt bin ich mal arrogant: Ich lasse mich nicht dazu herab, den jeweiligen Schreiber als ansonsten unfähig oder seine Schreibkunst als schlecht zu beschreiben: Denn das ist nun wirklich unter meiner Würde. Auf dieses Niveau begebe ich mich vielleicht mal in hitzigen Forumsdebatten, aber NICHT bei Blogs.

9. Dezember 2010 Posted by | Allerlei, Notarzt | , , , , | 9 Kommentare

Big Apple is watching you

Hört sich an wie 1984… und das ist immerhin 26 Jahre her.

Der gute Orwell scheint sich ein bißchen verschätzt zu haben, was die Zeit betrifft.

Gut, noch sind es nur Ideen, die sich Apple da ausdenkt, aber irgendwie passt es recht gut ins Bild.

Jedenfalls baut Apple an einem Patent, mit dem ein iPhone ganz ungefragt und unbenachrichtigt mal eben Bilder vom Benutzer und der Umgebung machen kann, Stimmen und Umgebungsgeräusche aufzeichnen kann, sogar der Herzschlag ist dabei. Natürlich auch der Speicher wird dabei geprüft.

Der „Deckmantel“ ist, daß Apple damit feststellen kann, ob das Ding geklaut worden ist.

Sagt Apple wenigstens.

Na, ich weiß ja nicht…

Eine Theorie ist, daß Apple damit gegen die ungeliebten Jail-Breaks vorgehen will.

Gut, ich habe kein iPhone. Und jetzt will ich auch keins mehr.

(Gefunden bei Netzpolitik.org)

24. August 2010 Posted by | Allerlei, Fundstück | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Geschüttelter Fettnapf

Meine Fresse, was erzählt der denn da?

Das Honorararzt-Unwesen ist der Feind einer qualitativ hochwertigen Medizin.

Einfach mal so dahingesagt. Nett. Vom Chef der DGAI erwarte ich schon etwas mehr als eine bloße Behauptung. Vor allem, wenn er einen Teil seines eigenen Berufsstandes niedermacht.

Aber andererseits verwundert es nicht besonders. Prof. Jürgen Schüttler ist schließlich Chef. Und als solcher natürlich nicht sonderlich erpicht auf uns Honorarärzte, möchte ich mal behaupten.

Ich unterstelle auch mal, daß er nicht sonderlich auf uns scharf ist, weil er eben über uns keine Macht hat.

Daß er uns nicht mag (wobei ich bezweifle, daß die Uni Erlangen größere Personalprobleme hat) geht schon in Ordnung. Aber daß er deshalb uns einfach mal als „Feinde der qualitativ hochwertigen Medizin“ betitelt, finde ich schon *ohne Worte*.

Wer den Mund so voll nimmt, sollte das dann doch auch belegen. Und ich bezweifle, daß er das kann.

Und dann:

Viele Krankenhäuser kämpfen deshalb darum, diese Entwicklung wieder rückgängig zu machen.

Na logisch wollen sie das! Wir SIND teurer. Bei ehrlicher Rechnung und rund ums Jahr zwar „nur“ 30% teurer, aber mal Tacheles geredet: Wenn ein Krankenhaus Honorarärzte rund ums Jahr braucht, dann hat es ein strukturelles Problem.

Denn wie hält man seine Leute? Die Antwort ist ebenso simpel wie sie übersehen wird: Indem ich eine vernünftige Weiterbildung biete, indem ich die Rahmenbedingungen so ändere, daß die Leute bleiben wollen!

Zu den Rahmenbedingungen gehört natürlich auch die Bezahlung.

Jeder in diesem Beruf kennt es. Wenn man Irgendjemandem von den Angestelltengehältern berichtet, erntet man nur Unglauben.

Das Grundgehalt ist schon ein Witz. Und nur über teilweise unglaubliche Stundenzahlen (unter Mißachtung des Arbeitszeitgesetzes) kommt man auf ein Gehalt, das halbwegs der Verantwortung und Ausbildung gerecht wird.

Prof. Schüttler erkennt das Problem sogar, er benennt es:

Krankenhäuser sind traditionell sehr hierarchisch organisiert, Teamarbeit ist nicht immer gefragt. Das müssen wir ändern. Die Krankenhäuser haben aber auch zu lange zugesehen, wie die Arbeitsbelastung der Mediziner immer weiter gestiegen ist, auch weil sie viele Verwaltungsaufgaben aufgebürdet bekamen und die Kommerzialisierung der Medizin in den Vordergrund gerückt ist. Der eigentliche Daseinszweck des Arztes, die Arbeit mit Patienten, ist in den Hintergrund getreten.

Warum er dann trotzdem auf das dünne Eis geht und das den Honorarärzten ankreidet bleibt der Fantasie überlassen.

Denn das Problem ist nicht neu. Die beiden Grundregeln der Medizin in Deutschland sind in Stein gemeißelt:

  • Das ist halt so
  • Das war schon immer so

Es sind gerade wir Honorarärzte, die dieses Problem endlich endlich so ins Bewußtsein und in die öffentliche Wahrnehmung bringen, daß es nicht mehr ignoriert werden kann.

Irgendwann wird auch der letzte Chef und Verwaltungsmensch merken, daß er für Erdnüße nicht einmal mehr Affen bekommt.

Und das alle Polemisierung und Demagogik das Problem nicht lösen wird.

Prof. Schüttler hat einen Punkt, den es ernsthaft zu bedenken gilt:

Neue Studien zeigen jedoch, dass mittlerweile jeder 10 000. Patient im Anschluss an eine Narkose stirbt.

Er hat aber auch zugleich diese Aussage relativiert:

Die Studien werten deshalb die Sterbehäufigkeit über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach einem Eingriff unter Anästhesie aus – und sie ist heute eben wesentlich höher als früher.

Sechs bis zwölf Monate nach Narkose? Es wird aus dem Interview nicht ganz klar, ob der Zeitraum von sechs bis zwölf Monate nach Narkose betrachtet wird (also diese sechs Monate) oder ob je nach Studie sechs oder zwölf Monate herangezogen werden. Logisch vermute ich Letzteres.

Bei diesen Zeitrahmen drängt sich die Frage nach dem Kausalen Zusammenhang zur Narkose auf.

Aber selbst wenn die Zahlen stimmen und die Kausalität geklärt ist, liefert Herr Schüttler die Erklärung nach:

Die Patienten auf dem OP-Tisch sind heute älter, kränker und damit anfälliger.

Warum er dann den Eindruck entstehen läßt, das hätte etwas mit den Honorarärzten zu tun, erschließt sich mir nicht.

Es dürfte nun keine überraschende Neuigkeit sein, daß die Medien Interviews sehr selektiv bearbeiten und Aussagen auch gerne aus dem Kontext ziehen.

Prof. Schüttler bekommt also (trotz recht eindeutiger Aussagen) „the benefit of the doubt“.

Aber ohne berichtigenden Kommentar von seiner Seite muß ich seine Aussagen für bare Münze nehmen und seinen Angriff auf die Anästhesie im Allgemeinen und uns Honorarärzte im Speziellen mit sehr hochgezogenen Augenbrauen bewerten.

Ganz schöner Fettnapf. Rückwärts eingesprungen.

25. Juni 2010 Posted by | Politik | , , , , , | 3 Kommentare

Legoeisenbahn mit „Äkdschn“!

12. Juni 2010 Posted by | Allerlei | , , , , | 6 Kommentare

Nee, oder?

Eigentlich soll das hier ja ein medizinischer Blog sein.

Aber in dem Fall…

Von der Leyen? Nee, oder?

Nachricht hier bei Netzpolitik.

2. Juni 2010 Posted by | Politik | , , , | 1 Kommentar

Und für sowas zahl ich GEZ…

Am 18.5.2010 brachte die ARD in Plus-Minus eine Sendung über Honorarärzte.

Ich muß sagen, ich habe selten einen so tendenziösen und reisserischen Mist gesehen.

Entweder die Jungs und Mädels bei der ARD haben schlampig recherchiert oder absichtlich Halbwahrheiten erzählt.

Doch zurück auf Anfang:

Der Beitrag vergleicht Äpfel mit Birnen. Hier im Speziellen das auf den ersten Blick wahnsinnig hohe Stundenhonorar eines Honorararztes mit dem Stundenlohn eines Oberarztes.

Dabei wird völlig vergessen zu sagen, daß man die beiden Zahlen nicht vergleichen kann.

Denn der Stundenlohn eines Arbeitnehmers wird im Urlaub weiter bezahlt, bei Krankheit, es gibt (manchmal jedenfalls noch) Urlaubs- und Weihnachtsgeld, manchmal ein 13tes Monatsgehalt. Es gibt einen Arbeitgeberanteil zur Renten- und Krankenversicherung, es gibt die Berufsgenossenschaft, es gibt zum Teil bezahlte Fortbildungen.

All das hat ein Honorararzt nicht. Kein bezahlter Urlaub, keine Arbeitgeberanteile zur Renten- und Krankenversicherung, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Berufshaftpflicht ist deutlich teurer, die Fahrtkosten exorbitant höher. Es gibt keine bezahlten Fortbildungen.

Und da rede ich noch garnicht davon, daß wir Honorarärzte ja auch einen ziemlichen Teil unserer Zeit am heimischen Schreibtisch verbringen und tun, was ein Freiberufler nun mal tut.

Dazu noch ein gewisses unternehmerisches Risiko. Denn es gibt durchaus Zeiten, in denen die Angebote rar sind und wir eben nichts verdienen können.

Die beiden Zahlen so direkt mit einander zu vergleichen grenzt also ein wenig an Böswilligkeit und ist unehrlich.

Natürlich verdienen wir nicht schlecht. Den Hut muß man für uns nicht herumgehen lassen.

Das liegt aber weniger daran, daß wir so viel verdienen, sondern daran, daß ein angestellter Arzt so wenig verdient.

Daß der interviewte Oberarzt uns nicht sonderlich mag ist nachvollziehbar.

Denn uns kann man nicht einfach so verplanen. „Sie müßen dann und dann Dienst machen“ geht bei uns nicht. Das versetzt einen Vorgesetzen im Krankenhaus natürlich in eine für ihn ungewohnte Position: Er ist plötzlich Bittsteller.

Jahrelang haben wir für bessere Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern gekämpft und sind jedesmal abgeschmettert worden. Jahrelang waren wir wie Don Quichotte gegen Windmühlen unterwegs.

Hat das etwas genutzt? Nicht viel. Die „Gutsherrenmentalität“ so mancher Vorgesetzer ist immer noch da, die Hierarchie vorhanden wie eh und je. In den Nachtdiensten wird im Krankenhaus immer noch schlecht bezahlt. Zweijahresverträge sind immer noch die Regel und immer noch ein – scheinbares – Druckmittel.

Gut, es sind keine 36 Stundendienste mehr. Aber das ist auch schon alles.

Also haben viele getan, was uns übrig blieb: Wir haben der Festanstellung den Rücken gekehrt.

Wir waren es leid, für wenig Geld und keine Anerkennung zahllose Nachtdienste zu machen. Wir waren es leid, uns mit den kryptischen Gehaltsabrechnungen (die oft falsch und immer zu unseren Ungunsten) herumzuschlagen. Wir waren es leid, im letzten Moment den Urlaub gestrichen zu bekommen. Wir waren es leid, unbezahlte oder schlecht bezahlte Überstunden zu machen.

Alles hat seine Schattenseiten.

Wir arbeiten nicht an einem Fleck. Wir müßen flexibel sein, sehen unsere Familien manchmal wochenlang nicht. Wir müßen uns selbst um Arbeit kümmern. Geräteeinweisungen und Arbeitsmedizinische Untersuchungen sind unser eigenes Bier. Oft kennen wir das Personal in den Krankenhäusern nicht, die Gegebenheiten sind uns oft fremd. Aber wir lernen schnell.

Warum der Obrarzt in dem Beitrag so gegen uns lamentierte kann glaube ich mit einem Satz beschrieben werden: „Ihr habt keine Macht mehr über uns!“

Übrigens: Welcher von den beiden dargestellten Ärzten in dem Beitrag sah zufriedener aus?

22. Mai 2010 Posted by | Politik | , , , , , | 4 Kommentare