Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Failsafe

Wir sind alle nur Menschen. Und Menschen machen Fehler.

Der Trick besteht nun darin, diese Fehler zu vermeiden.

In meiner „Karriere“ als Notarzt ist es mir nur ein paar Mal passiert, daß ich ein falsches Medikament in die Hand gedrückt bekommen habe.

Aber es passiert.

Natürlich könnte man sich nun darauf ausruhen und sagen „der da hat das falsche Kraut aufgezogen“.

Ist aber Blödsinn. Das ist die „Schuldfrage“.

Klar, die mag vor Gericht vielleicht mal relevant sein. Aber in der Praxis ist sie das nicht.

Die Praxis muß sich darum kümmern, wie man das Problem reduziert, wenn nicht sogar ganz ausschliesst. Wer Schuld ist, ist Lutscher. Am Ende sowieso der Notarzt…

Also, Jungs und Mädels, Rettungsdienstler und Notärzte: Zeigt die Ampulle vor! Schaut sie euch an!

Nicht, weil der eine dem anderen nicht vertraut. Sondern weil Fehler passieren.

Und den Fehler mit der falschen Ampulle kann man minimieren, wenn man die Pulle noch mal hochhält und sie sich auch noch mal anschaut!

Klopf auf Holz! Bis jetzt wars immer nicht so wild.

Gut, eine Pulle Morphin statt MCP (war einfach falsche Reihenfolge) mal eben reinjagen macht den Patienten blümerant, aber schadet ihm erst mal nicht (hätte er sowieso bekommen).

Eine Pulle Novalgin schnell i.v. ist nicht der Brüller… Aber bringt ihn nicht um.

Eine Pulle Cordarex (Amiodaron) statt Beloc vielleicht schon.

Von Katecholaminen wollen wir mal gar nicht reden.

 

Und das wars noch nicht: Ich stecke auch gerne Spritzen in Jackentaschen. Bis jetzt habe ich die immer hinterher entsorgt… aber laß da mal drei unterschiedliche Medikamente in der Tasche rumoxidieren: Mal ab von irgendwelchen Haltbarkeiten: wenn man sich die falsche Spritze aus der Jackentasche puhlt und den Patienten gibt, kann das ganz schön scheisse sein.

„Normalerweise“ ist beispielsweise Succinylcholin in 100 mg Ampullen. Aber es gibt auch 500 mg Trockensubstanzen. Da bleibt was über… und landet vielleicht in einer Tasche.

Wenn man nun statt – sagen wir mal – Ketanest mal eben 400 mg Succi spritzt (weil der Rest noch in der Tasche rumlag), dann freut das den Patienten eher nicht.

Und die Berufshaftpflicht auch nicht. Oder doch: Weil da braucht sie gar nix machen. Der Arzt ist aber möglicherweise seine Approbation los….

(Ist nicht mir passiert und war der Geschichte nach auch anders: Ketanest statt irgendwas anderem… was auch nicht so schlimm war, denn Ketanest hilft auch gegen Asthma….)

 

Aber das muß alles nicht sein. Durch so simple Kisten wie „Ampulle zeigen und angucken“ und „keine halben Spritzen in Taschen stecken“.

 

 

14. April 2016 Posted by | Daily Buisness, Notarzt, Notfall | , , , , | 1 Kommentar

Schnittstellen des Rettungsdienstes

Ich habe mich ja an einer Stelle schon mal über die eine Schnittstelle ausgelassen. Wo der Rettungsdienst der „Empfänger“ ist: Der Empfänger des Patienten. Gut, da fühlte sich gleich einer auf den Schlips getreten. So im Nachhinein würde ich mal sagen: Trocknertheorie.

Egal. Das ist natürlich nicht die einzige „Eingangsschnittstelle“ für den Rettungsdienst und den Notarzt. Gibt ja noch mehr abstruse Geschichten, wo wir so unsere Patienten herbekommen. Dazu an andere Stelle vielleicht mehr.

Aber so sehr wir uns auch um unsere Patienten kümmern, wir behalten sie ja nicht ewig. Wenn wir sie nicht gerade zu Hause lassen (Klassiker: Hypoglykämie bei bekanntem insulinpflichtigem Diabetes mellitus), landen sie fast immer im Krankenhaus.

Und da sind wir dann bei der nächsten Schnittstelle: Der Notaufnahme. Jedenfalls meistens.

Normalerweise läuft da recht gut. Mit den üblichen Haken und Ösen. Denn oft ist erstmal kein ärztlicher Kollege da und muß erst gerufen werden. Macht ja nix, ist ja ok so, vor Allem nachts. Dann gibts einen kurzen Abriß für die diensthabenden Schwestern und Pfleger. Die sollten meiner Meinung nach ja auch wissen, was ich denen da vor die Tür lege…

Am Tage sind öfters auch Ärzte in den Ambulanzen. Wie gesagt: Das soll keine Kritik sein. In den meisten kleinen Häusern ist ja nicht ein Arzt permanent in der Ambulanz, sondern hat im Haus auch noch anderes zu tun.

Dann ist das Problem allerdings, den Richtigen zu finden. Bei glasklaren Fällen ist das kein Thema… aber es passiert mir auch immer mal wieder, daß ich mein Sprüchlein beginne aufzusagen und dann aber zum Chirurgen weiter verwiesen werden. Oder zum Neurologen. Oder welche Fachrichtung auch immer. Was lustigerweise auch wechselt, je nach Tageszeit. In manchen Häusern gibt es am Tage einen Neurologen (für die TIAs, Schlaganfälle und Konsortien), nachts machen das aber die Internisten mit. Und wenn man nicht immer die genaue Uhrzeit auf dem Schirm hat und auch nicht so genau die Wechselzeiten kennt, kann es schon mal passieren, daß man sein Gedicht dem Falschen aufsagt.

Je nachdem, was denn der Patient hat, macht es trotz der verschiedenen Systeme durchaus Sinn zusätzlich auch selbst noch mal einfach dort anzurufen. Schlicht um das „Stille-Post“-Phänomen zu minimieren: Ich sags dem Rettungsassistenten (-Sanitäter, bzw. Notfallsanitäter), der sagts der Leitstelle, die sagts dann der Pflegekraft, die in der Ambulanz gerade ans Telefon geht („Schülerin Bettina, Ambulanz Krankenhaus Trallala, guten Abend“), die sagts dann irgendjemand in der Ambulanz, die sagts dem Arzt… was dazwischen aus Diagnosen alles werden kann, ist wirklich witzig.

Oh, wieder keine Kritik gemeint. Aber was durch soviel Köpfe durchgeht, verändert sich einfach.

Wenn ich also den für Blinde sichtbaren Hebungsinfarkt habe (also nicht ich sondern der Patient), macht es Sinn, mindestens noch mal selbst in der Ambulanz oder noch besser, gleich im Herzkatheder anzurufen („Glüht die Kiste schon mal vor“). Oder beim Apoplex im Zeitfenster gleich den Neurologen zu nerven.

Wenn ich in der Ambulanz bestimmte Dinge brauche, macht es auch Sinn, das direkt zu machen.

Wenn ich also einen instabilen Patienten auf der Trage habe, dann ists meiner Erfahrung nach keine blöde Idee, selber anzurufen und den/einen Schockraum klar zu machen. Sonst kann es passieren, daß man da steht und mit dem Patienten nirgends hin kann.

Selbst wenn es ein lustiges System gibt, daß diese Information auf einen Bildschirm projiziert.

Den meiner Erfahrung nach ohnehin oftmals keiner beachtet. Egal, was man anmeldet. Manchmal  ist dieser Bildschirm auch so in einer Ecke untergebracht, daß man – selbst wenn man vom Personal her darauf achten würde – ihn gar nicht im Blick hat.

 

Aber da ist jetzt das Problem: Denn manchmal geht das nicht. Manchmal kann man nicht anrufen.

Der Motorradfahrer, der zwei Straßen vom Krankenhaus entfernt in ein Auto kracht.

Wenn man entsprechend ITLS/ATLS handelt (Kurzfassung: Mach hinne! Draussen nur, was absolut notwendig ist – Stichwort: Lebensrettende Sofortmaßnahmen – alles andere später. Da fällt der venöse Zugang schon unter „geht auf der Fahrt“), dann ist man am Unfallort schnell wieder weg und drei Minuten später auch schon in der Ambulanz. Und – wie das immer so ist – hat die orientierende Grobuntersuchung beim Einfahren in die Fahrzeughalle gerade mal so eben fertig.

Natürlich wäre es wünschenswert, irgendwo die Zeit zu finden, doch mal der Ambulanz Bescheid zu geben.

Dummerweise ist dieses System Notarzt->Rettungsassistent->Leitstelle->Monitor in der Ambulanz langsamer als die drei Minuten Anfahrt. (Fakt: Fünf Minuten nach Ankunft in der Notaufnahme kam die Meldung auf dem Monitor…)

Mit dem Resultat, daß man da steht, erstmal Hektik ausbricht weil ich frecherweise einen Schockraum will, der aber belegt ist und das Gefühl hat, dem diensthabenden Chirurgen erstmal zu erklären, was eigentlich Sache ist. Wenn man dann noch an einen von der Sorte gerät hat man Spaß.

Wenn man dann noch von irgendeiner Seite den Kommentar bekommt „nächstes Mal anrufen“ möchte man sich eine Tischplatte suchen, in die man beissen kann.

Ich sehe das Problem.

Und bin dann wieder bei meiner Philosophie, daß der Praktikant an Allem Schuld ist.

Irgendeinen Praktikanten gibts immer. Und der kann eh nix dafür, aber die Schuldfrage ist geklärt.

Und man kann sich um die Lösung des Problems kümmern.

Fünf Mal sagen „ihr habt nicht angerufen“ ist kontraproduktiv, verschwendete Zeit und löst in keinster Weise das Problem: Nämlich den Traumapatienten durch die Diagnostikmühle zu drehen und entsprechend zu handeln.

 

 

Um das klarzustellen: Wenn ich die Zeit habe, rufe ich auch an.

Und um das auch zu sagen: Die betroffene Ambulanz hat dann schon geschaltet. Ziemlich schnell war das entsprechende Schockraumteam da. Zeitverlust war gefühlt keiner.

Und gerade in so einem Fall, wo ich bestenfalls vor der Notaufnahme eine Minute hätte warten können um anzurufen, warte ich doch lieber die Minute im Schockraum mit mehr Platz und mehr Personal.

Das soll also keine Kritik an dieser Notaufnahme sein. Denn die war – wenn man mal vom mehrfachen „warum hast du nicht angerufen“ absieht – schnell und kompetent.

 

 

P.S.: Wen es interessiert: Der Moppedfahrer hatte Dusel. Nicht unverletzt, aber auch nichts Dramatisches.

 

 

 

12. April 2016 Posted by | Daily Buisness, Klinik, Notarzt | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ach, DASS wars…

Nachdem in den Kommentaren ja letzt der Punk abging, habe ich mir meinen Artikel noch mehrere Male durchgelesen.

Ich glaube gefunden zu haben, was den Kollegen Hausarzt so auf die Palme brachte.

Und zwar muß es der Satz mit dem „Facharzt für leicht erkennbare Krankheiten“ gewesen sein, der da offenbar einen Nerv getroffen hat. Denn der Rest meines Posts kann beim besten Willen nicht als Angriff auf die Hausärzte gewertet werden.

Und? Gynäkologen sind „Höhlenforscher“ oder „Fruchtwasserkapitäne“, Chirurgen sind „Handwerker“, Unfallchirurgen machen „Lego für Erwachsene“, Kardiologen sind „Pumpenspezialisten“, Proktologen schweissen am Auspuff rum, Urologen sind Klemptner.

Und Anästhesisten? „Holzhammerschwinger“, „Schnarchabteilung“, „Beutelquetscher“ oder generell am Schlafen.

Notärzte? „Straßengrabenmedizin“, „Blaulichtgeil“ oder ähnliches.

So what?

Von derartigen Begriffen gibt es viele. Kein Grund zur Aufregung.

Nur hat sich dieser Kollege dadurch wohl in seiner Ehre getroffen gefühlt. Das war nicht meine Absicht.

Mein Artikel war nicht an alle Hausärzte gerichtet, ebensowenig, wie ich über alle Chirurgen in einem anderen Artikel hergezogen bin.

Manche Notärzte machen Unsinn, manche Chirurgen denken nur an die OP, manche Gynäkologen fragen zig Mal, ob denn nun 120.000 Thrombos für einen PDK nun reichen und manchen Hausärzte (oder überhaupt Ärzte) haben nicht viel Ahnung von Notfallmedizin. Und ich habe keine große Ahnung von Antibiotika oder der Therapie von gynäkologischen Erkrankungen.

Und? Ich versuche einem Gynäkologen nicht seinen Job zu erklären und er versucht nicht, mir die Akutmedizin oder die Akutschmerztherapie zu erklären. Oder ich erkläre nicht meinem Schwipp-Schwager, wie er Möbel zu bauen hat.

In diesem Fall hat wohl der Eingangssatz den Kollegen davon abgehalten, den Rest des Artikels objektiv zu sehen. Kommt ja vor. Alles kein Drama.

Was ich allerdings dann doch etwas daneben fand war ein teilweise eher persönlicher Angriff.

Nun gut, auch das kommt vor. Hitzige Unterhaltungen oder Debatten können schon mal ausarten. Liegt in der Natur der Sache.

Allerdings sollte man schon sachlich bleiben. Was meiner Meinung nach dem (bewußt ungenannten) Kollegen wohl nicht so recht gelungen ist.

Thema abgeschlossen.

3. Dezember 2010 Posted by | Allerlei, Notarzt | , , , | 1 Kommentar

Arbeitsbedingungen

Da Josephines Brötchengeber ihr gerade die WordPress-Seite dicht gemacht hat, hab ich mir mal wieder Gedanken über Arbeitsbedingungen generell gemacht.

In der momentanen Arbeitsmarktsituation bei den Medizinmännern und -Frauen kommt es ja darauf an, die Leute die ich habe zu halten und nach Möglichkeit neue zu bekommen, die dann auch bleiben.

Oder ich muß für teures Geld Freelancer wie mich heuern. Und selbst das wird zunehmen schwierig.

Wir haben einen handfesten Ärztemangel. Und wir „Freelancer“ kommen ja nicht wie die Karnikel aus dem Zylinder.

Wir kommen aus dem selben Pool wie alle anderen auch. Mehr noch, denn um Freelancer zu sein, braucht man eine Zulassung für die ganze Republik. Die Kollegen aus dem Kongo scheiden also schon mal aus.

Wie gesagt, eigentlich liegt es im Interesse des Arbeitgebers, seine Leute zu halten.

Selbst jemand mit geistiger Grundkonfiguration sollte klar sein, wie das geht: Durch die Arbeitsbedingungen.

Die sind in der Medizin schon mal systembedingt nicht so rosig.

Nachtdienste, Wochenenden, Notdienste sind einfach da, müßen gemacht werden und lassen sich auch nicht wegorganisieren.

Andere Probleme sind änderbar. Die vielbemängelte Hierarchie könnte man abbauen. Die Bezahlung ist einfach nicht eben rosig. Die Weiterbildung ist oft nicht berauschend.

Manche Häuser beweisen, daß das geht. Ich weiß von einigen jungen Kollegen, daß sie bei Vorstellungsgesprächen zum Teil einen wirklich durchdachten Plan für ihre Facharztausbildung angeboten bekamen und praktisch garantiert bekamen, daß sie alles, was sie für den Katalog brauchten in der erforderlichen Zeit auch schaffen.

Ein anderer Teil der Arbeitsbedingungen ist weit schwerer zu beeinflussen. Nämlich das Klima in der jeweiligen Abteilung.

Denn da spielen viele Faktoren hinein. Sei es die Dienstbelastung oder wie schwer einem die Verwaltung den Job macht.

Es macht einfach nicht besonders viel Spaß, JEDEN Gehaltszettel nachprüfen zu müßen. WIE oft hab ich darauf Fehler gefunden. Und IMMER zu meinen Ungunsten. Nie umgekehrt.

Was habe ich da schon für Geschichten gehört. Da wurde versucht beim Ausscheiden Überstunden zu einem lächerlichen Satz auszubezahlen.

Da wurde versucht, für Minusstunden Urlaubstage zu verrechnen.

Da wurden Dienste manchmal einfach NICHT bezahlt.

Auch die Geschichte von Josephine geht in diese Richtung. Natürlich gibt es Dienste. Geht ja auch gar nicht anders. So ist nun mal der Job.

Es macht aber einfach Unmut, wenn die ohnehin schon schlechten Rahmenbedingungen, die nun mal nicht zu ändern sind, weiter verschlechtert werden.

Ich habe schon Dienstzimmer erlebt, die – gelinde gesagt – unter aller Sau waren. Und zwar nicht, weil der Vorgänger so ein Ferkel war, sondern weil die Einrichtung (die ja nun wirklich nichts Wildes sein muß) aussah, als käme sie vom Flohmarkt. Oder vom Sperrmüll. Durchgelegene Matrazen, versiffte Bettwäsche.

Die Spanne der Dienstzimmer ist riesig.

Und da ein Bereitschaftsdienst nun mal ein Bereitschaftsdienst ist und eben keine „Vollarbeit“ und wir nun mal qua definition eigentlich die Hälfte der Zeit in diesen Zimmern verbringen sollen, schlagen manche Bruchbuden echt aufs Gemüt.

Fernseher hats es mittlerweile überall. Wenigstens das. Aber auch hier ist die Spanne riesig. Das reicht vom Breitbild-Plasma-Superteil bis zum 12-Zoll-Mini-Ding, bei dem man eigentlich nur zwei Schneemänner im Schneetreiben sehen kann, wenn man mit der Lupe nachsieht.

Gut, für das Programm kann der Arbeitgeber nichts. Da muß ich nichts dazu sagen…

Und natürlich das Internet. Wir sind im 21sten Jahrhundert.

Natürlich darf ich während der Arbeitszeit nicht privat im Internet surfen. Oder bloggen. Oder eMails abrufen. Oder Nachrichten lesen.

Aber im Bereitschaftsdienst? Klar, formal darf der Arbeitgeber das Internet einschränken. Auch im Dienst, er bezahlt ja schliesslich den Zugang.

Aber wenn ich im Nachtdienst nicht mal mehr im Netz unterwegs sein darf, dann verschlechtert das die Arbeitsbedingungen. Und wieder steigt die Unmut und wieder ist das Klima etwas schlechter.

Mich selbst als Freelancer betrifft das alles nicht mehr. Ich schlage mich nicht mehr mit Verwaltungen rum. Ich schreibe eine Rechnung, wenn nach der gegebenen Zeit kein Geld da ist, gibt es eine Zahlungserinnerung mit Frist, wenn die verstreicht, gibt es eine Mahnung mit Gebühr.

Hat bis jetzt immer geklappt. Eine Stelle war mal böse überrascht. „Wie, sie wollen nach zwei Wochen schon Geld? Normal dauert das drei Monate!“

Nee, Lady, dauert es nicht. Solche Gimicks könnt ihr vielleicht mit Angestellten treiben, aber nicht mit Freelancern.

Über die Unterkünfte debattiere ich auch auch nicht. Ich habe momentan ein Geschichte am Laufen, die wollten mich in ein Wohnheim packen, mit Dusche auf dem Flur. Ja nee ist klar. Überlegt euch besser etwas anderes…

Denn für Wohnheimgeschichten bin ich zu alt. Mal einen Tag oder zwei. Klar, man ist ja flexibel. Vielleicht mal eine Woche. Aber da gehts nicht um eine Woche.

Ums Internet kümmere ich mich selbst. Ein Netbook, ein UMTS-Stick, das wars. Manchmal wird ein WLan angeboten, vor allem bei Notarztdiensten.

So muß ich mich nicht auf Diskussionen einlassen. Und bin autark.

Ich habe also meinen Weg gefunden, mir meine Arbeitsbedingungen nicht erkämpfen zu müßen.

Aber darum geht es: Warum mußte ich früher erfolglos versuchen, sie zu erkämpfen? Warum muß sich Josephine mit sowas rumschlagen?

Es muß doch jedem Arbeitgeber, der mehr als zwei IQ-Punkte hat klar sein, daß er dafür sorgen muß, daß die Leute GERNE bei ihm bleiben, wenn der Markt eben so ist, wie er nun mal ist. Natürlich KANN er das Internet beschränken. Er kann auch den Fernseher ausbauen. Und das Mobiliar vom Sperrmüll holen.

Aber dann muß er sich damit abfinden, daß der Unmut steigt und Leute eher wieder gehen und wo anders anfangen, wo die Bedingungen besser sind.

Und auch für einen Freelancer muß er dann tiefer in die Tasche greifen. Ich KANN in irgendwelchen Bruchbuden übernachten, WENN man mir das entsprechend versüßt. Aber für den Standard-Satz mache ich das nicht.

Ich glaube, der Markt wird sich bei uns noch eine ganze Weile eher verschärfen als entschärfen. Angebote unter Par klicke ich direkt weg. Mag schon sein, daß es vor drei Jahren noch ging, für 40 Euronen einen Honorararzt zu kriegen. Heute? Sicher nicht.

Irgendwann werden es auch die noch Angestellten merken: Leute, ihr sitzt am langen Hebel! Wenn euch ein bestimmter Teil für den Facharzt fehlt, setzt dem Arbeitgeber freundlich aber bestimmt die Pistole auf die Brust. Denn das Krankenhaus am anderen Ende der Stadt bietet euch vielleicht genau das an. Und nimmt euch mit Kußhand. Denn offene Stellen haben mittlerweile eigentlich ALLE.

So, daß war mal wieder ein „Rant“… 😉

6. Oktober 2010 Posted by | Allerlei, Honorararzt, Klinik | , , , | 12 Kommentare

Die lieben Kollegen…

…aller Fachabteilungen.

Ich glaube, jede Fachrichtung kann davon ein Lied singen.

Die Chirurgen verstehen die Anästhesisten nicht, die Anästhesisten wissen nicht genau, was Internisten so tun und die Radiologen versteht sowieso niemand.

Nachdem ich gestern Nacht im Zuge einer akuten Insomnia eine Art „Ranthier von mir gegeben habe, hatte ich etwas Zeit darüber nachzudenken.

Der Post, auf den ich mich dabei bezog, zeigt viele der Dinge, die Chirurgen bei Anästhesisten nicht verstehen.

Natürlich gibt es Ausnahmen und Abteilungen, bei denen wirklich Hopfen und Malz verloren ist.

Aber im Normalfall sitzen Anästhesisten nicht einfach nur rum und popeln in der Nase. Man sieht uns nur selten arbeiten.

Und mal ehrlich: Wer will schon einen Anästhesisten wirklich ARBEITEN sehen? Denn das bedeutet meistens, daß es einem Patienten nicht besonders gut geht. Die Fälle, in denen ich einen Kollegen habe rennen sehen endeten immer mit einem Totenschein.

Natürlich gibt es auch Dinge, die ich an Chirurgen nicht verstehe. Das kleine Filmchen hier ist leider nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen, wie man hoffen würde.

Da werden gefühlt absichtlich Fakten verschwiegen, weil dann der jeweilige Anästhesist vielleicht nicht „mal eben so“ Narkose macht.

Eine Asystolie ist zwar übertrieben, aber ich habe mittlerweile gelernt, daß man alles, was einem ein Chirurg (oder eine andere operative Fachabteilung, was das betrifft) über einen Patienten erzählt mit Vorsicht zu geniessen ist.

„Nüchtern“ scheint für Operateure etwas anderes zu bedeuten als für einen Gasmann.

„EKs sind bestellt“ kann durchaus bedeuten, daß der Anforderungsschein vor zehn Minuten gefaxt wurde. UND die Tüten auf Abruf in einer entfernten Blutbank liegen.

Ein gesunder Patient kann durchaus mal die klassischen Risiken für eine Maligne Hyperthermie haben.

Und mehr als einmal hat man durch die Blume gesagt bekommen: „Ich hab es dir nicht gesagt, weil du sonst die OP verschiebst.“

Ja, verdammt! Natürlich verschiebe ich sie. Ich setze sie vielleicht ab. Oder treffe Vorbereitungen, wenn es ein Notfall ist, plane ein I-Bett, bestelle ein paar Tüten mehr, bestücke den Patienten mehr.

Oder kläre den Patienten darüber auf, daß die geplante Operation ein knackiges Narkoserisiko hat. Wie es mein Job ist. Auch schon passiert, alles schon erlebt. Woraufhin der Patient lieber doch keine OP wollte. Und der Orthopäde rotglühend vor mir stand.

Sorry, Kumpel. Der Patient ist eben ein bißchen mehr als nur sein Knie.

Egal wie gerne du das operieren möchtest.

Auch immer wieder gerne gehört, wenn aus einer elektiven OP eine Notfall-OP wird, damit sie im Dienst operiert werden kann.

Oder bei einem PDK, für den in diesem Haus die Bedingung „Thrombos mindestens 130.000“ lautet, DREIMAL in einer Nacht gefragt wird, ob denn 110.000 reichen würden. Weil es wären ja nicht mehr die 95.000 von der letzten Messung.

Es KANN sein, daß es völlig unschuldige Begründungen für so eine Vorgehensweise gibt. Mir fällt nur keine ein.

Wir setzen ja nicht zum Spaß OPs ab oder um. Wir verlangen ja nicht aus Jux und Dollerei Herzechos und Lungenfunktionen.

Wir blockieren keine OPs, weil wir die Operateure ärgern wollen. Oder weil uns die Nase nicht passt. Wir sind Profis. Es ist egal, ob ich den Aufschneider mag oder nicht.

Es geht nicht um uns. Es geht um die Patienten.

Das wird allerdings auch gerne ausgenutzt. Da wird der OP-Plan so vollgeknallt, daß die letzten Patienten gar nicht mehr im Tagdienst operiert werden können. Und das weiß man morgens um 8:00 Uhr schon.

Aber „der Arme Patient mußte den ganzen Tag warten“. Tja. Dann erklär ihm mal, warum du es nicht geschafft hast, ein machbares OP-Programm zu schreiben.

Es gibt aber auch andere Kollegen. Für die es überhaupt keine Frage ist, daß ein Patient für einen OP, die zwar dringlich, aber kein Notfall ist, nüchtern sein muß. Die sich ausgiebig entschuldigen, daß die OP noch ein bißchen warten muß, weil mal selbst verschwitzt hat, das Kreuzblut abzunehmen.

Die anrufen, den Fall schildern, nach bestem Wissen und Gewissen die bekannten Probleme ansprechen. Und dann fragen ob und wann man den Patienten den operieren könnte, nüchtern wäre er um X Uhr.

Die morgens schon Zweifel am OP-Programm haben. Die in Rücksprache die Lage mittags neu beurteilen und dem „armen“ Patienten schon mal was zu essen geben, weil sie wissen, daß es nichts mehr wird, werden kann.

Mit solchen macht es Spaß zu arbeiten. Und wenn die dann wirklich mal kommen und fragen, ob man nicht vielleicht doch noch die eine OP beginnen könnte, ausnahmsweise, auch wenns vielleicht ein bißchen in den Dienst geht, dann haben sie ganz gute Karten, daß man ja sagt.

Aber die erklären dann auch genau, warum. Am ersten Tag abgesetzt, weil zu spät. Am zweiten Tag kamen Notfälle dazwischen. Am dritten wieder. Und jetzt wäre der vierte Tag. Ob man nicht vielleicht könnte? Man habe der Patientin versprochen, es zu versuchen…

Solche sind selten. Aber es gibt sie. Die ein bißchen über den Tellerrand sehen und den Patienten im Focus haben. Und NICHT nur ihre OP.

Bezeichnend für diese Sorte Operateur ist durchgängig, daß „das Knie von Zimmer Elf“ Frau Müller heißt. Und es auch nicht heißt „können wir das Knie noch operieren?“ sondern „können wir das Knie von Frau Müller noch operieren?“

Da müßen wir uns als Gasmänner aber auch an der eigenen Nase fassen.

13. August 2010 Posted by | Honorararzt, Klinik, OP | , , , , , | 2 Kommentare

Learn from my fail: Was Chirurgen so erzählen

Idee kommt von hier und schadet niemand, wenn er mal seine eigenen Bockschüße ausbreitet.

Fange ich mal mit dieser Geschichte an.

Auf dem OP-Plan stand ein Hüft-TEP-Wechsel.

Für die nicht medizinisch Bewanderten: Das bedeutet, daß eine Hüftprothese mit roher Gewalt aus dem Oberschenkel und/oder dem Beckenknochen herausgedroschen werden muß. Was normalerweise nicht mit eben wenig Blutverlust zu machen ist.

Normalerweise bekommt der Patient vorher also eine ziemlich „große“ Bestückung, soll heißen, große Zugänge (und NEIN, eine Rosanüle gehört definitiv NICHT dazu), ZVK, vielleicht Arterie. Blutkonserven in der Hinterhand, vielleicht (je nach Klinik) einen PDK. Cell-Saver stehen ab und an auch mal rum. Also schon etwas „größeres“ Kino. Nichts wirklich wildes, nichts dramatisches, aber man muß schon was tun für sein Geld.

Man weiß, was kommt und ist darauf vorbereitet.

Tja, nur hatte ich vorher den Aufschneider gefragt. Es sollte nur der Hüftkopf gewechselt werden.

Wieder für die Nicht-Mediziner: Zwischen der künstlichen Pfanne und dem Ersatz des Schenkelhalses erfüllt eine Keramikkugel die Funktion des Hüftkopfes und wird eigentlich nur aufgesteckt (bißchen fest gedroschen, aber nicht mit aller Gewalt).

Und das Ding sollte getauscht werden. Es fällt also alles weg, was normal großartig bluten kann: Es wird nicht am Knochen gesägt, es wird nicht im Knochenmark rumgebohrt.

Alles in allem also eine ziemlich „popelige“ OP. Sollte man meinen.

Ich bin ja nun nicht völlig debil. Wenn an der Hüfte rumgeschraubt wird, stecke ich gerne mal einen Zugang mehr rein. Aber Arterie und ZVK habe ich erstmal gelassen.

Wozu auch? Aufmachen, Keramikding raus, neues rein, zunähen. In der Theorie könnte das in 20 Minuten über die Bühne sein. Und weder Arterie noch ZVK sind komplikationsarme Prozeduren (soll heißen: Wenn da was schiefgeht, kanns das in sich haben).

Also dachte ich, ich komme mit ein paar dicken (16er aufwärts) Zugängen aus, für den Fall, daß da doch was passiert.

OP geht also los, ganz entspannt… Nur irgendwann fällt mein Blick auf den sich schnell füllenden Sauger. Und direkt in dem Augenblick HATTE der Patient auch mal einen Druck gehabt.

Also Druck aufgepumpt (Kaffee aus der Tube), Infusionen aufgedreht, einen Hasen reinlaufen lassen, schnell im Reflex eine Arterie gelegt… und WUPS, war der Druck wieder weg.

Blut bestellt, zwei direkt und nachkreuzen sollen sie auch…

Arterenol angeworfen um ein bißchen Zeit rauszuholen. ZVK gelegt.

Nach und nach stabilisiert sich die Lage. Zweites EK hängt und läuft über Druckbeutel.

JETZT trudelt die BGA ein, die in dem Laden lustigerweise tatsächlich über das Labor laufen. Ist also auch schon wieder eine halbe Stunde alt und DAS heißt in anästhesiologischen Zeiten: „Aus dem letzten Jahrhundert“

HB da noch bei Neun Komma irgendwas. Daß das längst nicht mehr stimmt ist klar. Also rein forensisch noch eine abgenommen. Was da rauskommt hilft mir JETZT nichts. Weil muß ja erst ins Labor und bis ich da eine Antwort habe ist NOCH ein Jahrhundert ins Land gegangen.

Kreislauf kriegt sich wieder ein, Arterenol kann wieder abgedreht werden, Blutkonserven sind beim Einlaufen oder auf dem Weg.

WAS war da also passiert? Gute Frage. Fragen wir doch einfach mal den Operateur vor Ort:

„Passiert? Nix….“

Wortloses deuten auf den Sauger, der die Drei-Liter-Marke gut hinter sich hat…

„Ups…“

Ups? Du machst mir Spaß…

Ich weiß bis heute nicht, WAS da so geblutet hat. Es BLIEB nämlich beim Wechsel des Kopfes. Die einzementierten Teile, die einen HEP-Wechsel zum Blutbad machen können, blieben wo sie waren.

Der Aufschneider hat es also irgendwie geschafft, Narbengewebe SO bluten zu lassen, daß der Patient auf der Intensivstation (wohin ich ihn dann verfrachtet habe) als ersten HB trotz zwei EKs nur noch eine „Acht“ bot und auch noch so nachblutete, daß eine Stunde später eine „Sechs“ vorne stand und eine kleine Zahl dahinter…

Also: Hier mein „Learn from my Fail“: Wenn der Chirurg irgendwas von „Och, wird nichts Großes“ blubbert, sollte man hellhörig werden.

Wenn schon „TEP-Wechsel“ draufsteht, NUTZE die Gelegenheit, den Menschen so zu bestücken, daß er aussieht wie der Verteilerkopf in einem Achtzylinder.

Egal, was der Chirurg sagt.

11. Juni 2010 Posted by | Klinik, Learn from my Fail, Notfall, OP | , , , , | 4 Kommentare

Buisness as usual

Heute wars ein entspannender Tag im OP. ASA I und II, das meiste Stand-By.

Auch mal wieder nett.

Und wie das immer so ist, man kommt natürlich nicht mit jedem aus.

Mit manchen Leuten hat man einfach ein gespanntes Verhältnis, kann sich von Anfang an nicht riechen. Das kann der Arzt sein, der sich benimmt wie Rotz am Stil (hatte ich heute auch, aber nicht mir gegenüber und auch eine andere Richtung), daß kann die Pflegekraft sein, die mir meinen Job erklären will und bei jeder Intubation „Paß auf die Zähne auf“ von sich gibt…

Gut, aber heute wars (trotz der Aversion) eher positiv. Denn wir beide haben es geschafft – trotz gegenseitigem „Nicht-leiden-könnens“ – Profis zu sein.

Ich muß mit der Person nicht in den Biergarten gehen und umgekehrt sie nicht mit mir. Aber wir sind Profis und bei der Arbeit geht es nicht um uns.

Also haben wir beide den Ärger heruntergeschluckt und gut zusammen gearbeitet. Natürlich machts mehr Spaß, wenn man dabei ein paar Witze reissen kann, aber so gehts auch.

Insgesamt also ein geruhsamer Tag, leider keine Anekdoten. Aber die will in dem Zusammenhang auch keiner hören…

21. Mai 2010 Posted by | OP | , , , | Hinterlasse einen Kommentar