Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Don’t touch a running system

Dies ist eine der großen Prämissen im Notarztdienst.

Im Krankenhaus ist es zwar auch nicht falsch, aber da auch nicht immer richtig.

Nur im Rettungsdienst sollte sich den Satz jeder Notarzt aufs Kissen sticken.

Ich MUSS keine Rhythmusstörung behandeln, die den Patienten subjektiv nicht stört und die grundsätzliche Hämodynamik nicht beeinträchtig.

Natürlich tut der alten Oma die Frequenz von 140 nicht auf Dauer gut. Und ewig macht die alte Pumpe das auch nicht mit. Aber wenn sie die Beschwerden schon „seit zwei Wochen“ hat, muß ich nicht mit meiner kleinen Ausrüstung draussen die Frequenz auf Teufel komm raus runterprügeln.

Damit schaffe ich mir möglicherweise nur neue Komplikationen, die nicht sein müßten und die im Krankenhaus viel besser behandelt werden könnten.

Ebenso MUSS ich eine OSG-Luxation (mit V.a. Fraktur) draussen nicht reponieren (wieder hinbiegen), wenn die Durchblutung, Sensibilität und die Motorik völlig normal ist und die Schmerzen sich im Rahmen halten. Ich bin kein Chirurg. Ich hab das zwar schon mal gemacht, aber warum es nicht den Knochenbrecher machen lassen, der das schon ZIG mal gemacht hat?

Erstens müßte ich dem Patienten dafür erstmal abschiessen (in Narkose packen), was ja auch schon – draussen ist NIEMAND nüchtern – Probleme machen kann. Zweitens ist die Reposition auch nicht immer ohne.

Also warum? Warum Probleme schaffen, die nicht sein müßen?

Klar, einen ausgerenkten Knöchel, der irgendwo taub wird oder blaß… den MUSS ich wieder hindrehen. Aber erst dann.

Im Rettungswagen geht viel. Erstaunlich viel. FAST alles. Aber eben nicht so gut, wie es im Krankenhaus ginge.

Also: Wenns läuft, der Patient nicht vital gefährdet ist oder dauerhafte Schäden entstehen können:

FINGER WEG!

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9. September 2010 Posted by | Notarzt | , , , | Hinterlasse einen Kommentar