Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Ein Wort zur Pflege

Weil mir in meinem letzten Post der Satz „wenn die Pflege was kann“ (so in etwa) im Kopf rumrumort ist, hier ein paar Worte dazu.

Ohne Euch wären wir angeschmiert.

Einmal natürlich generell. Auf den Stationen liefe ohne Euch nichts. Ihr kennt die Patienten besser als wir, ihr seht sie öfter, ihr verbringt mehr Zeit mit ihnen.

In meiner chirurgischen Vergangenheit, dereinst im AiP und auch später wäre ich ohne Euch wirklich verlassen gewesen.

Gut, mittlerweile mache ich den Job auch schon ein paar Tage, aber damals? Wenn ich es so genau betrachte, habe ich das Meiste von Euch gelernt.

Stichwort Nadeln legen. War am Anfang ein echtes Problem für mich. Ging so halbseiden. Bis ein Pfleger mal zusah. Und sofort meinen Fehler sah.

Meinen Dank rückwirkend und unbekannterweise. Ich weiß nicht mehr, wie du hießt, aber von dir habe ich das gelernt.

Oder Stichwort nächtlicher Hausdienst, als ich noch bei der schneidenden Zunft war und auf Stationen rumhampelte.

Denn das lernt man schnell und sollte sich jeder Anfänger in dem Job hinter die Ohren schreiben:

Wenn eine Schwester, die schon lange im Job ist, dir sagt, daß ihr der Patient nicht gefällt, dann SIEH in dir an! Da reden im Extremfall 40 Jahre Berufserfahrung. Und du hast wieviel? Eins? Zwei?

Die riechen, wenn da was faul ist. Lange bevor irgendein Laborparameter oder ein Ultraschall irgendwas zeigen würde.

Gut, bei mir sinds nun zehn Jahre. Aber ich habe das beibehalten. Ich rieche mittlerweile auch was. Aber die Pflege riechts schneller.

Noch extremer natürlich auf der Intensiven.

Im OP ist das auch nicht anders. Ohne Euch ginge keine Einleitung. Nicht sinnvoll, nicht gut. Einmal einfach weils zwei Hände zuwenig sind.

Und zum anderen, weil Ihr den Job auch schon lange macht. Und so ganz unscheinbar die Frage „Willst du da eine Arterie legen?“ mir mehr als einmal den Arsch gerettet hat. Weil ich es mir dann überlegt habe. Und dann „Hm… du hast recht. Laß uns mal machen.“

Und prompt einer einkracht bei der Einleitung. Und wenn der Druck erstmal weg ist, legt sich so eine Arterie ausgesprochen sch…..e.

Die Ausleitung… na gut. Wenn alles glatt geht, kein Problem. Krieg ich auch mal alleine hin. Aber WENN was nicht wie geplant läuft, gehen einem GANZ schnell die Hände aus. Und wenn die Hände dann auch noch wissen, was sie tun, ist schon beinahe alles gewonnen.

Natürlich gibt es auch in der Pflege Anfänger. Kein Problem.

Es gibt auch Faule und Unfähige. Aber nicht viele. Faul wüßte ich aus dem Stand nur einen. Und DER hat sich meinen Anranzer (der mir hinterher wirklich leid tat) zu Herzen genommen. Und denkt mittlerweile mit.

Unfähige? Keine. Ich wüßte niemand. Wirklich. Aber die Theorie sagt, daß es die auch gibt.

Natürlich ist gerade bei mir das für die Pflege nicht ganz einfach. Man kennt mich nicht, man weiß nicht, was ich kann, was ich wie mache oder machen will.

Ich persönlich halte mich da für pflegeleicht. Ich erfinde nicht das Rad neu, muß nicht in einem Krankenhaus das ich nicht kenne, unbedingt meine Sorte der Narkose durchsetzen. Ich muß nicht unbedingt irgendwas so machen, wie ich das will, nur weil ich es so gewohnt bin.

Ich nehme, was da ist. Wenn die TIVA gerichtet ist, nehme ich die TIVA. Ich bin zwar kein besonders großer Fan davon (ausser es gibt echte Gründe dafür), aber deshalb muß ich nicht alles umnudeln. Ich kann die auch.

Wenn man mich fragt, was ich denn gerne hätte, ist das was anderes.

Aber ich hatte erst einmal wirklich ein Problem mit der Pflege. Und das Krankenhaus sieht mich auch nie wieder. Weil das Problem da nicht die Pflege selbst war, sondern die ganze Art.

Wobei mir der Pfleger schon auf den Senkel ging.

Ich hatte mich erdreistet, die Alarmgrenze für Desflurane bei einem jungen Patienten von völlig unsinnigen 6 höher zu stellen.

„Das machen wir hier nicht so.“

Kann ja sein, aber da machts keinen Sinn.

„Das machen wir hier aber nicht so!“

Sagtest du schon. Der MAC ist aber höher. Und der brauchts auch.

„Ja, aber das machen wir hier nicht so!!“

Gibts dafür auch einen Grund?

„Wir machen das nicht so und ich mache den Job schon 30 Jahre!einself!“

Ah ja. Ok. Aber ich machs.

Das ging dann noch eine Weile so weiter. Vernünftigen Grund gab es keinen. Lachgas war auch nicht dabei (falls ein Fachmann fragt). Gift gabs auch reichlich. PONV gabs keine. Der MAC von Desflurane war in dem Fall irgendwo bei 7,5.

Ich bin ja dumm, aber lernfähig. Ich hatte auch schon mal „Das macht man nicht mehr, weil…“

Wenn es eine Begründung gegeben hätte, wäre ich der Letzte, der nicht dazulernt.

Gab es da aber nicht.

Gut, da gab es noch andere Probleme. Und die muß ich mir nicht antun. Ich weiß, daß wir Honorarärzte manchmal schwer einzuschätzen sind. Und gebe mir Mühe, die Probleme so klein wie möglich zu halten.

Bei Kritik überdenke ich auch schnell mal mein Handeln. War auch in diesem Falle so. Der MAC für das Gas IST nunmal wo er ist.

Um das klarzustellen: DAS war die absolute Ausnahme. Die einzige Ausnahme.

Also:

Liebe Pflege: Ohne Euch kann ich einpacken. Ohne Euch geht NICHTS.

Und ich weiß das.

Danke.

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1. Mai 2011 Posted by | Honorararzt | , , , , | 5 Kommentare

Geschüttelter Fettnapf

Meine Fresse, was erzählt der denn da?

Das Honorararzt-Unwesen ist der Feind einer qualitativ hochwertigen Medizin.

Einfach mal so dahingesagt. Nett. Vom Chef der DGAI erwarte ich schon etwas mehr als eine bloße Behauptung. Vor allem, wenn er einen Teil seines eigenen Berufsstandes niedermacht.

Aber andererseits verwundert es nicht besonders. Prof. Jürgen Schüttler ist schließlich Chef. Und als solcher natürlich nicht sonderlich erpicht auf uns Honorarärzte, möchte ich mal behaupten.

Ich unterstelle auch mal, daß er nicht sonderlich auf uns scharf ist, weil er eben über uns keine Macht hat.

Daß er uns nicht mag (wobei ich bezweifle, daß die Uni Erlangen größere Personalprobleme hat) geht schon in Ordnung. Aber daß er deshalb uns einfach mal als „Feinde der qualitativ hochwertigen Medizin“ betitelt, finde ich schon *ohne Worte*.

Wer den Mund so voll nimmt, sollte das dann doch auch belegen. Und ich bezweifle, daß er das kann.

Und dann:

Viele Krankenhäuser kämpfen deshalb darum, diese Entwicklung wieder rückgängig zu machen.

Na logisch wollen sie das! Wir SIND teurer. Bei ehrlicher Rechnung und rund ums Jahr zwar „nur“ 30% teurer, aber mal Tacheles geredet: Wenn ein Krankenhaus Honorarärzte rund ums Jahr braucht, dann hat es ein strukturelles Problem.

Denn wie hält man seine Leute? Die Antwort ist ebenso simpel wie sie übersehen wird: Indem ich eine vernünftige Weiterbildung biete, indem ich die Rahmenbedingungen so ändere, daß die Leute bleiben wollen!

Zu den Rahmenbedingungen gehört natürlich auch die Bezahlung.

Jeder in diesem Beruf kennt es. Wenn man Irgendjemandem von den Angestelltengehältern berichtet, erntet man nur Unglauben.

Das Grundgehalt ist schon ein Witz. Und nur über teilweise unglaubliche Stundenzahlen (unter Mißachtung des Arbeitszeitgesetzes) kommt man auf ein Gehalt, das halbwegs der Verantwortung und Ausbildung gerecht wird.

Prof. Schüttler erkennt das Problem sogar, er benennt es:

Krankenhäuser sind traditionell sehr hierarchisch organisiert, Teamarbeit ist nicht immer gefragt. Das müssen wir ändern. Die Krankenhäuser haben aber auch zu lange zugesehen, wie die Arbeitsbelastung der Mediziner immer weiter gestiegen ist, auch weil sie viele Verwaltungsaufgaben aufgebürdet bekamen und die Kommerzialisierung der Medizin in den Vordergrund gerückt ist. Der eigentliche Daseinszweck des Arztes, die Arbeit mit Patienten, ist in den Hintergrund getreten.

Warum er dann trotzdem auf das dünne Eis geht und das den Honorarärzten ankreidet bleibt der Fantasie überlassen.

Denn das Problem ist nicht neu. Die beiden Grundregeln der Medizin in Deutschland sind in Stein gemeißelt:

  • Das ist halt so
  • Das war schon immer so

Es sind gerade wir Honorarärzte, die dieses Problem endlich endlich so ins Bewußtsein und in die öffentliche Wahrnehmung bringen, daß es nicht mehr ignoriert werden kann.

Irgendwann wird auch der letzte Chef und Verwaltungsmensch merken, daß er für Erdnüße nicht einmal mehr Affen bekommt.

Und das alle Polemisierung und Demagogik das Problem nicht lösen wird.

Prof. Schüttler hat einen Punkt, den es ernsthaft zu bedenken gilt:

Neue Studien zeigen jedoch, dass mittlerweile jeder 10 000. Patient im Anschluss an eine Narkose stirbt.

Er hat aber auch zugleich diese Aussage relativiert:

Die Studien werten deshalb die Sterbehäufigkeit über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach einem Eingriff unter Anästhesie aus – und sie ist heute eben wesentlich höher als früher.

Sechs bis zwölf Monate nach Narkose? Es wird aus dem Interview nicht ganz klar, ob der Zeitraum von sechs bis zwölf Monate nach Narkose betrachtet wird (also diese sechs Monate) oder ob je nach Studie sechs oder zwölf Monate herangezogen werden. Logisch vermute ich Letzteres.

Bei diesen Zeitrahmen drängt sich die Frage nach dem Kausalen Zusammenhang zur Narkose auf.

Aber selbst wenn die Zahlen stimmen und die Kausalität geklärt ist, liefert Herr Schüttler die Erklärung nach:

Die Patienten auf dem OP-Tisch sind heute älter, kränker und damit anfälliger.

Warum er dann den Eindruck entstehen läßt, das hätte etwas mit den Honorarärzten zu tun, erschließt sich mir nicht.

Es dürfte nun keine überraschende Neuigkeit sein, daß die Medien Interviews sehr selektiv bearbeiten und Aussagen auch gerne aus dem Kontext ziehen.

Prof. Schüttler bekommt also (trotz recht eindeutiger Aussagen) „the benefit of the doubt“.

Aber ohne berichtigenden Kommentar von seiner Seite muß ich seine Aussagen für bare Münze nehmen und seinen Angriff auf die Anästhesie im Allgemeinen und uns Honorarärzte im Speziellen mit sehr hochgezogenen Augenbrauen bewerten.

Ganz schöner Fettnapf. Rückwärts eingesprungen.

25. Juni 2010 Posted by | Politik | , , , , , | 3 Kommentare

Fels in der Brandung

Es gibt Menschen die stechen aus der Masse. Auch in der Anästhesie.

Vor ewigen Zeiten, als ich noch nicht wußte, was ich machen soll mit meinem frisch-gebackenen Halbexamen (vorläufige Approbation hieß das damals) traf ich einen.

Damals liebäugelte ich noch mit der Chirurgie und verbrachte meine AiP-Zeit in einer chirurgischen Ambulanz, Poliklinik und Schockraum.

Es kam der Tag, als im normalen Tagesgeschäft (also nichts wildes) plötzlich ein Sanitäter vor mir stand: „Wir reaninimieren draussen“.

Fall war folgender: Ein niedergelassener HNO-Schrauber hatte das Pech einen Patienten mit einer anatomischen Anomalie die Nasenscheidewand richten zu wollen. In diesem Fall verlief die A.carotis interna nicht – wie sie sollte – IM Sphenoid sondern oben drauf. Und genau da hatte er hineingeschnitzt.

Hektik, Panik, Chaos… all das versiegte mit Eintreffen des Anästhesisten. Souverän und koordiniert schüttete er dem armen Mann Blutkonserven hinein (am Ende waren es über 20 Null Negativ, IIRC) schneller als er bluten konnte.

Um ihn herum tobte das Chaos, Menschen schrien, Dinge flogen durch die Luft. Nichts brachte ihn aus der Ruhe. Er ordnete und koordinierte, wich nie vom Kopf des Patienten um dessen Leben wir da kämpften. Und wir kämpften! Mein (kleiner) Job war es damals, die Blutkonserven halbwegs zu sortieren und sie auszupressen. Mit den Händen, denn es gab nichts anderes.

Innerhalb kürzester Zeit war der Kreislauf stabil (Einfuhr gleich oder besser als Blutung), der HNO-Chef wurschtelte in der Nase, die Pfleger rannten, ich drückte Konserven…

Und hinter dem Kopf ein Mensch, der die Ruhe in Person war, der das Chaos zu einem machbaren Notfall machte, der zwar nicht schlußendlich heilen konnte, aber der wertvolle Zeit verschaffen konnte… und TAT.

Aus „er stirbt!“ wurde „wie stillen wir die Blutung?“ und dann „wir haben einen Plan“ und schließlich „wir habens!“

Ende vom Lied war hier ein Patient, der unterwegs wegen Volumenmangel reanimationspflichtig war, ganz am Ende sogar die Carotis interna unterbunden bekam (weil alle Patches nicht hielten) und ganz am Ende OHNE neurologische Ausfälle entlassen werden konnte.

Schockraum AT ITS BEST. Und das kann man nicht zuletzt dem Ruhepol zuordnen, der den Operateuren die Zeit verschafft hat, eine Lösung zu finden, der es durch seine Ruhe  geschafft hat, ein totales Chaos in einer eigentlich aussichtslosen Situation in eine „normale“ Notfallsituation zu verwandeln.

Aus „Chaos“ wurde „Hektik“ und aus „Hektik“ wurde „Eilig“.

Und „Eilig“ ist machbar.

Erwähnen sollte man noch, daß im Rettungswagen noch eine Schwester zwei Null Negativ hineinwarf, daß aus dem Stand volle Manpower am Arbeiten war, daß der Schockraum in gefühlten .2 Sekunden von Null auf Hundert lief.

Meiner Meinung nach hat der souveräne Gasmann die Situation von „er stirbt“ zu „wir kriegen das Problem gelöst“ gebracht.

Nicht durch die „Heilung“. Nicht durch blinden Aktionismus. Sondern einfach durch die Ruhe und dadurch, daß er aus einer aussichtslosen Situtation eine Machbare gemacht hat.

Namen möchte ich keine nennen. Aber vor diesem Menschen ziehe ich meinen Hut. Und nehme ihn als Vorbild.

We salute You!

5. Juni 2010 Posted by | Notfall | , , | 7 Kommentare

Fruchtwasserkapitäne

Ein besonderes Schmankerl in der Anästhesie sind die Gynäkologen.

Gefühlt hat jedes noch so kleine Kreiskrankenhaus eine eigene gynäkologische Abteilung inklusive Geburtshilfe.

Das ist an und für sich ja nichts dramatisches. Wenn, ja, wenn…

Nachts halb drei, der Piepser tut was Piepser tun, aber nicht sollen: Er piepst.

Am anderen Ende einen Gynäkologen, der versucht mir im Halbtran direkt aus der Tiefschlafphase geweckt irgendwas von „CTG“ und irgendwelchen Beschleunigungen zu erzählen, irgendwelche Zentimeterangaben.

Ich höre im Hinterkopf Benether brüllen: „Wat WILLST du eigentlich von mir?“

Auf die etwas freundlichere (aber verschlafene) Umformulierung der Frage beginnt der Sermon von neuem.

Ehrlich, der Gynäkophage könnte auch Vogelgezwitscher von sich geben, es würde mir genauso viel sagen. Aber es ist gar nicht so leicht, das Vogelgezwitscher die medizinische Erklärung des Problems zu unterbrechen.

Und ich weiß immer noch nicht, was der Mensch da nachts um halb drei von mir will. Jede Unterbrechung seines Redeflußes läßt ihn nur von vorne starten.

Erst die Drohnung aufzulegen, wenn er mir nicht STAT sagt, was er von mir will, bringt ihn dazu, das Wort „Sectio“ zu äussern. Warum nicht gleich so?

Aber damit ist das Problem noch nicht erledigt. Denn Gynäkologen können durchaus unterschiedliche Vorstellung von „Not-Sectio“ haben. Auf die Frage wie dringend beginnt das Vogelgezwitscher von Neuem.

Das will ich doch alles gar nicht wissen!

Ich unterbreche etwas angefressen und formuliere die Frage um: Habe ich Zeit, alle Knöpfe meiner Hose zuzumachen und mir eine Handvoll Wasser ins Gesicht zu klatschen, oder reicht die Zeit nur für einen Knopf und kein Wasser?

Wäre die Uhrzeit besser, hätte ich es mir selbst denken können (die ‚echte‘ Notsectio klingt so: „Sectio JETZT!“) aber direkt aus der Tiefschlafphase ist mein Deduktionsvermögen in etwa so gut wie meine Laune.

Aha. Eine „dringliche Sectio“. Also irgendwas mit 20 Minuten Zeit, bis die Show am Laufen sein soll. Warum nennt der Kasper das dann „Notsectio“?

Etwas später, die Sectio läuft, mehr oder minder zügig. Und dabei hört man dann Dinge, die einem den Rest der Nacht den Schlaf rauben werden. Nämlich von anderen Schwangeren, die noch im Orbit sind. Mit diesem oder jenem Problem. Vorzugsweise welche, denen man gegen Mitternacht noch einen PDK reingepfriemelt hat (was bei gefühlten 20 cm Speck über der Wirbelsäule etwas von Blindflug hatte).

Das ist der Grund, warum ich in Nachtdiensten grundsätzlich nicht im Kreißsaal vorbeischaue. Ich will schlicht nicht wissen, was da alles sein könnte. Der Piepser wird mich schon wecken und es schläft sich bis zum Piepsen deutlich entspannter, wenn man nicht darauf wartet.

Wenn ich aber weiß, daß da noch drei Schwangere mit irgendwas im CTG rumliegen und die vielleicht, vielleicht auch nicht noch eine Sectio kriegen, dann schlafe ich nicht gut.

Und genauso auch jetzt. Die Information, daß die Schwangere vielleicht, vielleicht auch nicht auch noch eine Sectio bekommen soll hindert mich am Schlafen… und so mische ich meine verschiedenen Erfahrungen mit dieser Abteilung und schreibe (etwas übernächtigt) diesen Eintrag.

Update: Benether-Link aktualisiert. JETZT isses der Richtige

5. Juni 2010 Posted by | Klinik | , , , , , , | 6 Kommentare

Streiks an kommunalen Krankenhäusern

Ab Montag streiken die kommunalen Krankenhäuser.

Für mich als Honorarknecht bedeutet das zunächst mal nicht viel.

Nur, daß es mehr Angebote geben wird. Die ich natürlich nicht annehmen werde.

Durch uns Honorarärzte bekommt ärztliche Arbeit einen höheren Wert. Früher oder später werden die Krankenhäuser (bzw. die Träger) verstehen müßen, daß man mittlerweile für Erdnüße eben nicht mal mehr Affen bekommt.

Es steht natürlich ausser Frage für mich (und ich denke auch für die anderen Honorarärzte) diese Streiks zu behindern.

Wir sind keine Streikbrecher.

Wir haben die Festanstellung in den Krankenhäusern aufgegeben, weil uns die Hierarchie auf den Senkel ging, weil wir keine unbezahlten Überstunden mehr machen wollten, weil uns die ewigen Dienste, die uns am Ende nicht mal Anerkennung brachten nicht mehr schmeckten.

Ich mache jetzt auch noch Überstunden, ich mache immer noch (und sogar gern) Dienste.

Aber was ich sicher nie tun werde ist den angestellten Kollegen den Arbeitskampf versauen.

Die Forderungen sind berechtigt und nach wie vor überfällig. Und ich unterstütze den Arbeitskampf, wo ich kann. Auch wenn das in meinem Fall eben heißt NICHTS zu tun.

16. Mai 2010 Posted by | Klinik | , , | 1 Kommentar