Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Buchtipp

Und zwar diesmal das hier: „Schauen sie sich mal diese Sauerei an„.

Bin erst mal beim Lesen, aber sind schon so ein paar Schmankerl aus unserem Arbeitsgebiet drin.

Literarisch sicher nichts für Reich-Ranicki, aber wenn der ein Buch empfiehlt, ist es für mich eher ein Grund es nicht zu lesen.

21. November 2010 Posted by | Fundstück, Notarzt | , , | 1 Kommentar

Der Puls

Wenn ich mir recht entsinne, hatte ich dazu schon einmal etwas geschrieben.

Die erste Maßnahme im Notfall: Den eigenen Puls fühlen.

Zwei Gründe:

– DU bist nicht der Kranke hier

– Keep calm

Der erste Punkt ist nicht so hart, wie er sich anhört. Natürlich bist nicht DU der Patient. Aber DU bist der Kasper, der dem Patienten helfen soll. DENK daran. Deine Animositäten oder Launen sind in dem Moment nicht relevant. Du stehst nicht im Mittelpunkt. Da ist ein Mensch, der ein Problem hat und von dir Hilfe erwartet.

Du mußt bei niemandem Eindruck schinden, niemandem etwas beweisen.

Der zweite Punkt dient dazu, den ersten so gut wie möglich zu machen. Dein Adrenalin mag unter der Decke sein, deine Stimme mag brechen, du willst alles schnell und sofort und auf der Stelle und du willst es richtig machen.

Ich sage gerne: Machs lieber langsam und richtig als zweimal.

Das habe ich mal von einem Kollegen gelernt. Das sah so lahmarschig aus, so langsam, so bedächtig… BIS man eben genau hingesehen hat. Denn DANN merkte man, daß jeder Handgriff saß, keine überflüssige Bewegung dabei war, ruhig und besonnen ohne Hektik ohne Firlefanz einfach getan wurde, was anstand.

Dieser „lahmarschige“ Kollege war dreimal schneller als jeder andere. Sah nur nicht so aus.

Ich suche mir meine Vorbilder mit Bedacht. Und er war einer davon.

Was diese Vorbilder gemeinsam haben ist die Ruhe.

Einen davon habe ich schon einmal beschrieben.

Und alle meine Vorbilder haben noch etwas gemeinsam: Alle wußten, daß sie die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hatten.

Ich kann drei aufzählen, die ich bewußt als Vorbilder habe:

Zwei davon Anästhesie, einer Chirurgie.

Der „Fels“ und der „Lahmarsch“ aus der Anästhesie. Aus ähnlichen Gründen beide. Da kann die Kuh fliegen, aber mit Hektik gewinnst du keinen Blumentopf.

Und mein alter Oberarzt, aus der chirurgischen Vergangenheit. Erstens brachte ihn nichts aus der Ruhe und zweitens hörte er jedem zu.

Ich weiß noch, daß ein Famulant ein Zebra anbrachte. Ober schaut mich an, ich schau Ober an. Ober sagt: „Liegt hier ein Fachbuch rum?“

Wir schauen nach: JA, es ist ein Zebra. Würde aber passen. Ober sagt: „Ordnen sie die Untersuchung mal an.“

Ja, gut, wars dann nicht. Irgendwas Abstruses, aber nicht so selten, daß man es völlig ausschliessen kann. IIRC irgendeine Porphyrie.

Aber was ich mir auf Kissen gestickt habe: Egal, wer die Idee mal hatte und egal, ob derjenige ganz unten auf der Leiter steht, denk mal drüber nach.

In meiner Erfahrung haben viele Ärzte diese Krankheit: „Ich Arzt, du keine Ahnung“.

Da ist es dann wieder: Ich Arzt, Ich beweisen muß, daß Ich besser weiß als da wie du.

Was natürlich Bullenscheisse Männliche-Bovine-Exkremente ist.

Ich muß niemand beweisen, daß ich es besser weiß.

Womit wir wieder beim Anfang sind:

Der Patient steht im Mittelpunkt. Um den gehts.

Im Notfall gehts nicht um meine Profilneurose. Oder um mein Geltungsbewußtsein.

Es geht um den Patienten.

Ich bin ja nun in der „glücklichen“ Lage, nicht mir anderen Notärzten zusammen zuarbeiten. Gibt der Job einfach nicht her.

Mir kommen Geschichten zu Ohren, da wirds mir anders. Es muß da draussen Notärzte geben, die den Beruf verfehlt haben.

Es gibt Gute. Und sehr Gute. Denen ich das Wasser nicht reichen kann.

Es gibt aber auch Pfeifen. Kann man nicht anders sagen. Sorry.

Deswegen ging der Text heute auch runter wie Öl: „Wie, du bist morgen den letzten Tag da? Schade. Solche wie dich brauchen wir mehr.“

Ich habe keinen Vergleich, ich weiß nicht, wie andere Notärzte arbeiten.

Aber anscheinend mach ich irgendwas richtig.

18. November 2010 Posted by | Notarzt | , | 1 Kommentar

Medizin und Recht, sonst nichts?

Kommt das eigentlich nur mir so vor?

Es scheint so, als würden zwei Themen die Hauptsendezeiten des Fernsehens bestimmen:

Medizinsendungen wie Scrubs, Greys Anatomy, Private Practise und was für Spin-Offs es da sonst noch gibt. Gar nicht zu reden von den etwas – gelinde gesagt – lausigen deutschen Remakes.

Und im weitesten Sinne juristische Geschichten. Ewige Gerichtssendungen, die mit der Realität so viel zu tun haben, wie die Schwarzwaldklinik mit einem echten Krankenhaus, seltsame Aufklärungsendungen wie „Einpruch“, und noch mehr Gerichtssendungen.

Dazwischen ein paar Krimis und ein paar Schnulzen.

Aber gefühlt ist das meiste entweder Medizin oder Jura oder beides.

Alles scheint auf einen Zug aufzuspringen.

Die Gerichtsdinger gingen irgendwann einmal los mit einer gar nicht mal so doofen Sendung im Öffentlich-Rechtlichen: „Streit um Drei“ hieß die und es waren sogar Fälle die irgendwie noch eine Relevanz hatten und nicht auf Einschaltquoten abzielte.

Dann aber kamen so Dinger wie Holt oder Salesch, die zwar irgendwie spannend waren, aber selbst einem Laien wie mir ziemlich an den Haaren herbeigezogen erschienen. Die Faszination eines Verkehrsunfalls, bei dem man nicht wegschauen kann.

Genauso bei den medizinischen Dingern. Wer erinnert sich schon noch an „Notruf California“? Oder die frühen Folgen von „Emergency Room“? Da stimmte wenigstens die Medizin so halbwegs. (Ok, den „zweiseitigen Milzriß“ lass ich mal beiseite, der kam auch mehr als einmal)

Ich habe noch einen Fernseher und ich zahle auch noch GEZ, aber meistens pack ich eine DVD aus.

Wirklich die Glotze anmachen tue ich nur noch im Nachtdienst. Und da der Notarztdienst nun mal rund um die Uhr läuft, schaut mal sich dann entweder grauenvoll zusammengeschnittene Spielfilme oder die Xte Wiederholung einer Gerichts- oder Medizinsendung an.

Oder die 324ste Wiederholung des Untergangs der Bismarck.

19. August 2010 Posted by | Allerlei | , , , , | 4 Kommentare

Zuerst den eigenen Puls fühlen

Beim Stöbern in anderen Blogs ist mir dann doch mal wieder eine Erwähnung des „House of God“ untergekommen.

Und das ich vor ein paar Wochen einem Zivi, der bei etwas hektischeren Einsätzen schnell mal die Kontenance verliert eines der Gesetze empfohlen hatte.

Nämlich die Nummer 3: „Bei Herzstillstand zuerst den eigenen Puls fühlen.“

Jeder kennt das. So ist der Job. Du fährst zum Einsatz, keine Ahnung, was dich erwartet, bist nervös.

Die gute Nachricht: Das verwächst sich. Die schlechte: Nie ganz.

Natürlich ist der Herzinfarkt in Notarztdienst eigentlich eher „harmlos“. Schmerzen in der Brust sind ganz grob gesprochen erstmal bis zum Beweis des Gegenteils (und das geht draussen eben nicht) ein Herzinfarkt (vorausgesetzt, der Rest passt dazu).

Und dann gehts grob nach Schema: MONA greets all patients. Morphin, Sauerstoff, Nitrat, Aspisol. Vielleicht noch ein bisschen am Blutdruck spielen, einen Betablocker, wenn es die Frequenz zuläßt und ab der Fisch.

Für den Notarzt meistens eine dankbare Aufgabe, nur immer mal wieder mit dem Problem behaftet, daß die Patienten nach ordentlichen Morphingaben schmerzfrei sind und manchmal nicht mehr so recht verstehen, warum sie denn nun ins Krankenhaus müßen.

Andere Einsätze sind da weit weniger übersichtlich und so leicht zu lösen.

Aber – auch das ein Gesetz – machs lieber etwas langsamer, aber dafür richtig.

14. Mai 2010 Posted by | Notarzt | , | Hinterlasse einen Kommentar