Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Ein Wort zur Pflege

Weil mir in meinem letzten Post der Satz „wenn die Pflege was kann“ (so in etwa) im Kopf rumrumort ist, hier ein paar Worte dazu.

Ohne Euch wären wir angeschmiert.

Einmal natürlich generell. Auf den Stationen liefe ohne Euch nichts. Ihr kennt die Patienten besser als wir, ihr seht sie öfter, ihr verbringt mehr Zeit mit ihnen.

In meiner chirurgischen Vergangenheit, dereinst im AiP und auch später wäre ich ohne Euch wirklich verlassen gewesen.

Gut, mittlerweile mache ich den Job auch schon ein paar Tage, aber damals? Wenn ich es so genau betrachte, habe ich das Meiste von Euch gelernt.

Stichwort Nadeln legen. War am Anfang ein echtes Problem für mich. Ging so halbseiden. Bis ein Pfleger mal zusah. Und sofort meinen Fehler sah.

Meinen Dank rückwirkend und unbekannterweise. Ich weiß nicht mehr, wie du hießt, aber von dir habe ich das gelernt.

Oder Stichwort nächtlicher Hausdienst, als ich noch bei der schneidenden Zunft war und auf Stationen rumhampelte.

Denn das lernt man schnell und sollte sich jeder Anfänger in dem Job hinter die Ohren schreiben:

Wenn eine Schwester, die schon lange im Job ist, dir sagt, daß ihr der Patient nicht gefällt, dann SIEH in dir an! Da reden im Extremfall 40 Jahre Berufserfahrung. Und du hast wieviel? Eins? Zwei?

Die riechen, wenn da was faul ist. Lange bevor irgendein Laborparameter oder ein Ultraschall irgendwas zeigen würde.

Gut, bei mir sinds nun zehn Jahre. Aber ich habe das beibehalten. Ich rieche mittlerweile auch was. Aber die Pflege riechts schneller.

Noch extremer natürlich auf der Intensiven.

Im OP ist das auch nicht anders. Ohne Euch ginge keine Einleitung. Nicht sinnvoll, nicht gut. Einmal einfach weils zwei Hände zuwenig sind.

Und zum anderen, weil Ihr den Job auch schon lange macht. Und so ganz unscheinbar die Frage „Willst du da eine Arterie legen?“ mir mehr als einmal den Arsch gerettet hat. Weil ich es mir dann überlegt habe. Und dann „Hm… du hast recht. Laß uns mal machen.“

Und prompt einer einkracht bei der Einleitung. Und wenn der Druck erstmal weg ist, legt sich so eine Arterie ausgesprochen sch…..e.

Die Ausleitung… na gut. Wenn alles glatt geht, kein Problem. Krieg ich auch mal alleine hin. Aber WENN was nicht wie geplant läuft, gehen einem GANZ schnell die Hände aus. Und wenn die Hände dann auch noch wissen, was sie tun, ist schon beinahe alles gewonnen.

Natürlich gibt es auch in der Pflege Anfänger. Kein Problem.

Es gibt auch Faule und Unfähige. Aber nicht viele. Faul wüßte ich aus dem Stand nur einen. Und DER hat sich meinen Anranzer (der mir hinterher wirklich leid tat) zu Herzen genommen. Und denkt mittlerweile mit.

Unfähige? Keine. Ich wüßte niemand. Wirklich. Aber die Theorie sagt, daß es die auch gibt.

Natürlich ist gerade bei mir das für die Pflege nicht ganz einfach. Man kennt mich nicht, man weiß nicht, was ich kann, was ich wie mache oder machen will.

Ich persönlich halte mich da für pflegeleicht. Ich erfinde nicht das Rad neu, muß nicht in einem Krankenhaus das ich nicht kenne, unbedingt meine Sorte der Narkose durchsetzen. Ich muß nicht unbedingt irgendwas so machen, wie ich das will, nur weil ich es so gewohnt bin.

Ich nehme, was da ist. Wenn die TIVA gerichtet ist, nehme ich die TIVA. Ich bin zwar kein besonders großer Fan davon (ausser es gibt echte Gründe dafür), aber deshalb muß ich nicht alles umnudeln. Ich kann die auch.

Wenn man mich fragt, was ich denn gerne hätte, ist das was anderes.

Aber ich hatte erst einmal wirklich ein Problem mit der Pflege. Und das Krankenhaus sieht mich auch nie wieder. Weil das Problem da nicht die Pflege selbst war, sondern die ganze Art.

Wobei mir der Pfleger schon auf den Senkel ging.

Ich hatte mich erdreistet, die Alarmgrenze für Desflurane bei einem jungen Patienten von völlig unsinnigen 6 höher zu stellen.

„Das machen wir hier nicht so.“

Kann ja sein, aber da machts keinen Sinn.

„Das machen wir hier aber nicht so!“

Sagtest du schon. Der MAC ist aber höher. Und der brauchts auch.

„Ja, aber das machen wir hier nicht so!!“

Gibts dafür auch einen Grund?

„Wir machen das nicht so und ich mache den Job schon 30 Jahre!einself!“

Ah ja. Ok. Aber ich machs.

Das ging dann noch eine Weile so weiter. Vernünftigen Grund gab es keinen. Lachgas war auch nicht dabei (falls ein Fachmann fragt). Gift gabs auch reichlich. PONV gabs keine. Der MAC von Desflurane war in dem Fall irgendwo bei 7,5.

Ich bin ja dumm, aber lernfähig. Ich hatte auch schon mal „Das macht man nicht mehr, weil…“

Wenn es eine Begründung gegeben hätte, wäre ich der Letzte, der nicht dazulernt.

Gab es da aber nicht.

Gut, da gab es noch andere Probleme. Und die muß ich mir nicht antun. Ich weiß, daß wir Honorarärzte manchmal schwer einzuschätzen sind. Und gebe mir Mühe, die Probleme so klein wie möglich zu halten.

Bei Kritik überdenke ich auch schnell mal mein Handeln. War auch in diesem Falle so. Der MAC für das Gas IST nunmal wo er ist.

Um das klarzustellen: DAS war die absolute Ausnahme. Die einzige Ausnahme.

Also:

Liebe Pflege: Ohne Euch kann ich einpacken. Ohne Euch geht NICHTS.

Und ich weiß das.

Danke.

1. Mai 2011 Posted by | Honorararzt | , , , , | 5 Kommentare

*Rant* – Ein bißchen was von allem

Im Prinzip ist Anästhesie, wenn alles glatt läuft und man die ASA I-II Patienten (ASA III wird schon spannender, meistens aber auch nicht) hat, so aufregend wie Gras beim Wachsen zu zusehen.

Ein wenig Arbeit bei der Einleitung und bei der Ausleitung und ansonsten sich einen Dekubitus am Hintern holen. Mit ein wenig Glück hat man eine Pflegekraft, die:

A.) Was kann und

B.) Einen hin und wieder mal für ein paar Minuten rausläßt.

Zum einen gibts in vielen OPs so eine Art Frühstück, lustigerweise meistens eine Suppe und zum anderen tut bei Narkosen mit hohem Somniferenzrisiko der Kaffee zwischendrin ganz gut.

Für uns Suchtkrüppel leider die schlechte Nachricht: Wirklich rausgehen und mal eine rauchen fällt flach. Zu weit weg.

Solche Minipausen würden also nur zwischen den OPs gehen. Aber genau da geht es nicht, weil das normalerweise die Überleitungszeit ist und jede Minute, die man da mit so was verbringt, nicht vertretbar ist.

Manchmal geht’s trotzdem. Patient noch nicht da (Erstes Mangold’sches Gesetz: „Ein Patient der nicht da ist, kriegt keine Narkose“), oder irgendwo anders personelle Engpäße, so daß man eh grad nichts zu tun hat.

Wobei diese ewige Kiste mit dem Rumgemecker über die Überleitungszeiten, die ach so oft der Anästhesie angekreidet werden.

Stand vor zwei Wochen oder so in einem Medizinblatt (DGAI? Irgendsowas). Die übliche Überleitung dauert 26 Minuten. Mindestens müßen es 15 Minuten sein, weil das Desinfektionsmittel ja erstmal einwirken muß.

Mit viel personellem Aufwand könnte man auf diese 15 Minuten kommen. Macht also ~10 Minuten Zeitersparniss.

Und da kann sich nu jeder, der in Mathe auch nur so halbwegs aufgepasst hat ausrechnen, daß die paar Minuten bei drei oder vier OPs pro Tag keine zusätzliche OP möglich machen. Bei sechs oder sieben OPs kriegt man vielleicht noch eine kleine unter, aber sogar das ist fraglich.

Sicher, es gibt Einleitungen, die dauern länger. Wenn man das weiß und die entsprechend plant, so daß mit einem Kollegen überlappt werden kann, dann kann man da viel Zeit sparen.

Geht halt nur nicht immer.

Und – was jedem Gasmann sicher schon passiert ist – sich hetzen lassen geht schief. Und es geht keinen Furz schneller.

In dem Haus hier, daß muß ich ehrlich sagen, wird weder gedrängelt noch gehetzt. Da wird vielleicht mal gestichelt. Aber in beide Richtungen. Und normalerweise gutmütig.

Natürlich gibt es hier auch den Hauscholeriker. Den gibts überall.

Die Fachrichtungen wechseln, die Namen, das Geschlecht. Aber geben tut es so einen nach meiner Erfahrung überall.

Eine Fachrichtung hat solche Choleriker mit fehlender Kinderstube zwar besonders oft, aber mittlerweile kenne ich die quer durch die operativen Fächer.

Wenn diese Menschen wüßten, wie wenig mich das Getöse kratzt…

Im Gegenteil. Für nette Menschen macht man gerne auch mal mehr möglich.

Für unhöfliche Leute eben nicht. Muß er halt auf den Saalspringer warten, damit der Tisch gefahren wird. Oder bis er was ausgepackt kriegt.

Da hilft dann alles Gezeter nichts. Und sich über mich beschweren bringt noch weniger.

Im Extremfall dann eben keinen mehr, der die Narkose macht. Nicht zwischendrin, natürlich. Aber die nächste OP könnte sich dann etwas verzögern.

Ich hab sowas schon gemacht. Habe meinen letzten Patienten nach Ende der OP sauber ausgeleitet, in den Aufwachraum gebracht und mich dann ins Wochenende verabschiedet.

War ja auch schon eine Stunde über die Zeit. Freitags. Fünf Uhr.

Erntete unverständige Blick.

„Ja, wie, der nächste Patient ist doch schon da?“

Jop. Und deshalb hab ich euch auch gesagt, daß ihr, wenn ihr den bestellt, euch auch gleich Gedanken darüber machen könnt wer ihn in den Schlaf singt.

„Ja, aber der arme Patient!“

Na, den Text lieb ich ja heiß und innig. Zu dämlich ein machbares OP-Programm zu schreiben, so daß elektive Punkte weit nach Feierabend dran kommen müßten und DANN mit dem Argument kommen, daß der Patient ja schon so lange wartet.

Ja nee, is klar. Ihr kriegt keine vernünftige OP-Planung hin und deshalb sollen drei Abteilungen (zusätzlich zu eurer eigenen) Überstunden dreschen?

Kann ja sein, daß solche Gimicks mit Angestellten gehen. Oder die es mit sich machen lassen.

Als Honorararzt hab ich ja nichts gegen Überstunden. Aber NICHT Freitags, wenn der Weg nach Hause weit ist und das Wochenende sowieso schon kurz.

Notfälle, nur um das mal klarzustellen, sind was anderes. Sowas kommt vor und da bin ich der letzte, der sich weigert. Dafür mach ich gerne länger. Sonst wär ich nicht in dem Job.

Auch wenns hin und wieder ungeplant mal länger dauert. Kann ja mal vorkommen. OP mal komplizierter oder ein Notfall kommt dazwischen. Kein Problem. Sowas passiert.

Aber da gibts Kankenhäuser, da schaust du morgens auf den OP-Plan und WEISST, daß das nichts wird. Nichts werden kann. Nicht vor Mitternacht.

Und je nach Krankenhaus gibt es dann zwei Reaktionen.

Die einen zucken mit den Achseln, lassen die Schultern sinken und ergeben sich in ihr Schicksal.

Aber es geht auch anders. Setzt natürlich einen OP-Koordinator voraus, der sein Pulver wert ist.

Der ruft dann freundlich lächelnd den Verantwortlichen der Operativen Fächer an mit den Worten: „Willst du was absetzen oder soll ich mir was aussuchen?“

Und SETZT dann auch ab.

🙂

Da dann die Reaktion so manches Chirurgen zu sehen… Herrlich!

*Wutschnaub* „Dann wird die Galle eben zum Notfall!einself!“
(Die Galle, die seit drei Tagen im Haus ist und sich aber sowas von im beschwerdefreien Intervall befindet)

Noch besser dann, wenn die Antwort so ausfällt:
„Gut, dann machts der Dienst. Aber die anderen haben auch noch Notfälle zu operieren. Ich würde sagen, ihr seid dann so gegen drei Uhr dran. Morgens.“

Und da fällt dann selbst dem Hauscholeriker nichts mehr ein.

28. April 2011 Posted by | Honorararzt, OP | , , , , | 3 Kommentare

Heute hier, morgen dort

Wobei mir da Hannes Wader besser gefällt als Grönemeier.

Wader singt „Hab es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt“ wo Grönemeyer sich beklagt „Es geht mir auf den Keks, das Leben unterwegs“.

Ich geniesse das. An manche Ecken kommt man gerne zurück, an andere nicht und wieder andere bieten sich einfach nicht mehr an, obwohl es da schön war.

Man kommt an Orte, die man sonst nie sehen würde.

Und man sieht Orte, die man sonst nur von Verkehrsschildern kennt.

Es gibt da eine Stadt, die sonst nur immer ein Wegpunkt war. Zig Kilometer vorher schon ausgeschildert, Straßen so, daß man kaum daran vorbei kommt, aber wirklich in die Stadt kam man dann doch nie.

Bis ich da dann mal auf einem Stint war. Malerische Ecke, schöne Gegend, knuffige Innenstadt, nette Leute.

Würde ich tatsächlich gerne mal wieder hin.

Oder das Kaff hier jetzt. Was ich bis jetzt gesehen habe, hat was. Klein, kuschelig, die Innenstadt ist interessant gebaut, die Altstadt fast wie zuhause.

Ich wäre da NIE hingekommen ohne den Job.

Seien wir mal ehrlich: Als Festanstellung würde ich im Leben nicht in so eine Ecke gehen. Zu weit weg von allem, selbst die Autobahnen machen einen Bogen drumrum.

Ich mag das nicht mehr missen. Die Freiheit, die mir der Job so beschert ist an sich schon Gold wert.

Jeder weiß, wie schnell Träume einstauben, wenn man im täglichen Trott hängt. Ich wage zu behaupten, daß Lohn und Brot Träume tötet über kurz oder lang.

Und dazu noch die immer wieder neuen Eindrücke, neue Arten, den Job zu machen, neue Leute.

Besser gehts nicht.

Und natürlich die Freiheit an Stellen zu sagen „Da geh ich nicht mehr hin“.

Keine Sorgen um den Arbeitsplatz machen.

Ich werde immer wieder gefragt „Wie lange willst du das machen? Das geht doch nicht ewig“

Warum nicht? Warum sollte es nicht ewig gehen? Klar, vielleicht kommt irgendwann die Politik mal auf den Trichter und löst das eigentliche Problem des Ärztemangels. Aber mal ehrlich: Wie wahrscheinlich ist DAS denn?

Klar, man muß ein bißchen darauf achten. Aber bis in absehbarer Zukunft wird sich da nichts tun.

Andere Länder haben Honorarärzte schon immer. Locums heißen wir in England und Amerika, selbst die Österreicher haben sowas.

Nur Deutschland muß sich daran erst gewöhnen.

Und solange das so ist und die Goldgräberstimmung anhält, mach ich den Job GENAU so weiter.

Und für alle, die sich mit dem Gedanken tragen: TUT es. Es lohnt sich.

Sowohl im Geldbeutel als auch in der Zufriedenheit.

Diese Freiheit ist unbezahlbar.

31. Oktober 2010 Posted by | Honorararzt | , | 2 Kommentare

Arbeitsbedingungen

Da Josephines Brötchengeber ihr gerade die WordPress-Seite dicht gemacht hat, hab ich mir mal wieder Gedanken über Arbeitsbedingungen generell gemacht.

In der momentanen Arbeitsmarktsituation bei den Medizinmännern und -Frauen kommt es ja darauf an, die Leute die ich habe zu halten und nach Möglichkeit neue zu bekommen, die dann auch bleiben.

Oder ich muß für teures Geld Freelancer wie mich heuern. Und selbst das wird zunehmen schwierig.

Wir haben einen handfesten Ärztemangel. Und wir „Freelancer“ kommen ja nicht wie die Karnikel aus dem Zylinder.

Wir kommen aus dem selben Pool wie alle anderen auch. Mehr noch, denn um Freelancer zu sein, braucht man eine Zulassung für die ganze Republik. Die Kollegen aus dem Kongo scheiden also schon mal aus.

Wie gesagt, eigentlich liegt es im Interesse des Arbeitgebers, seine Leute zu halten.

Selbst jemand mit geistiger Grundkonfiguration sollte klar sein, wie das geht: Durch die Arbeitsbedingungen.

Die sind in der Medizin schon mal systembedingt nicht so rosig.

Nachtdienste, Wochenenden, Notdienste sind einfach da, müßen gemacht werden und lassen sich auch nicht wegorganisieren.

Andere Probleme sind änderbar. Die vielbemängelte Hierarchie könnte man abbauen. Die Bezahlung ist einfach nicht eben rosig. Die Weiterbildung ist oft nicht berauschend.

Manche Häuser beweisen, daß das geht. Ich weiß von einigen jungen Kollegen, daß sie bei Vorstellungsgesprächen zum Teil einen wirklich durchdachten Plan für ihre Facharztausbildung angeboten bekamen und praktisch garantiert bekamen, daß sie alles, was sie für den Katalog brauchten in der erforderlichen Zeit auch schaffen.

Ein anderer Teil der Arbeitsbedingungen ist weit schwerer zu beeinflussen. Nämlich das Klima in der jeweiligen Abteilung.

Denn da spielen viele Faktoren hinein. Sei es die Dienstbelastung oder wie schwer einem die Verwaltung den Job macht.

Es macht einfach nicht besonders viel Spaß, JEDEN Gehaltszettel nachprüfen zu müßen. WIE oft hab ich darauf Fehler gefunden. Und IMMER zu meinen Ungunsten. Nie umgekehrt.

Was habe ich da schon für Geschichten gehört. Da wurde versucht beim Ausscheiden Überstunden zu einem lächerlichen Satz auszubezahlen.

Da wurde versucht, für Minusstunden Urlaubstage zu verrechnen.

Da wurden Dienste manchmal einfach NICHT bezahlt.

Auch die Geschichte von Josephine geht in diese Richtung. Natürlich gibt es Dienste. Geht ja auch gar nicht anders. So ist nun mal der Job.

Es macht aber einfach Unmut, wenn die ohnehin schon schlechten Rahmenbedingungen, die nun mal nicht zu ändern sind, weiter verschlechtert werden.

Ich habe schon Dienstzimmer erlebt, die – gelinde gesagt – unter aller Sau waren. Und zwar nicht, weil der Vorgänger so ein Ferkel war, sondern weil die Einrichtung (die ja nun wirklich nichts Wildes sein muß) aussah, als käme sie vom Flohmarkt. Oder vom Sperrmüll. Durchgelegene Matrazen, versiffte Bettwäsche.

Die Spanne der Dienstzimmer ist riesig.

Und da ein Bereitschaftsdienst nun mal ein Bereitschaftsdienst ist und eben keine „Vollarbeit“ und wir nun mal qua definition eigentlich die Hälfte der Zeit in diesen Zimmern verbringen sollen, schlagen manche Bruchbuden echt aufs Gemüt.

Fernseher hats es mittlerweile überall. Wenigstens das. Aber auch hier ist die Spanne riesig. Das reicht vom Breitbild-Plasma-Superteil bis zum 12-Zoll-Mini-Ding, bei dem man eigentlich nur zwei Schneemänner im Schneetreiben sehen kann, wenn man mit der Lupe nachsieht.

Gut, für das Programm kann der Arbeitgeber nichts. Da muß ich nichts dazu sagen…

Und natürlich das Internet. Wir sind im 21sten Jahrhundert.

Natürlich darf ich während der Arbeitszeit nicht privat im Internet surfen. Oder bloggen. Oder eMails abrufen. Oder Nachrichten lesen.

Aber im Bereitschaftsdienst? Klar, formal darf der Arbeitgeber das Internet einschränken. Auch im Dienst, er bezahlt ja schliesslich den Zugang.

Aber wenn ich im Nachtdienst nicht mal mehr im Netz unterwegs sein darf, dann verschlechtert das die Arbeitsbedingungen. Und wieder steigt die Unmut und wieder ist das Klima etwas schlechter.

Mich selbst als Freelancer betrifft das alles nicht mehr. Ich schlage mich nicht mehr mit Verwaltungen rum. Ich schreibe eine Rechnung, wenn nach der gegebenen Zeit kein Geld da ist, gibt es eine Zahlungserinnerung mit Frist, wenn die verstreicht, gibt es eine Mahnung mit Gebühr.

Hat bis jetzt immer geklappt. Eine Stelle war mal böse überrascht. „Wie, sie wollen nach zwei Wochen schon Geld? Normal dauert das drei Monate!“

Nee, Lady, dauert es nicht. Solche Gimicks könnt ihr vielleicht mit Angestellten treiben, aber nicht mit Freelancern.

Über die Unterkünfte debattiere ich auch auch nicht. Ich habe momentan ein Geschichte am Laufen, die wollten mich in ein Wohnheim packen, mit Dusche auf dem Flur. Ja nee ist klar. Überlegt euch besser etwas anderes…

Denn für Wohnheimgeschichten bin ich zu alt. Mal einen Tag oder zwei. Klar, man ist ja flexibel. Vielleicht mal eine Woche. Aber da gehts nicht um eine Woche.

Ums Internet kümmere ich mich selbst. Ein Netbook, ein UMTS-Stick, das wars. Manchmal wird ein WLan angeboten, vor allem bei Notarztdiensten.

So muß ich mich nicht auf Diskussionen einlassen. Und bin autark.

Ich habe also meinen Weg gefunden, mir meine Arbeitsbedingungen nicht erkämpfen zu müßen.

Aber darum geht es: Warum mußte ich früher erfolglos versuchen, sie zu erkämpfen? Warum muß sich Josephine mit sowas rumschlagen?

Es muß doch jedem Arbeitgeber, der mehr als zwei IQ-Punkte hat klar sein, daß er dafür sorgen muß, daß die Leute GERNE bei ihm bleiben, wenn der Markt eben so ist, wie er nun mal ist. Natürlich KANN er das Internet beschränken. Er kann auch den Fernseher ausbauen. Und das Mobiliar vom Sperrmüll holen.

Aber dann muß er sich damit abfinden, daß der Unmut steigt und Leute eher wieder gehen und wo anders anfangen, wo die Bedingungen besser sind.

Und auch für einen Freelancer muß er dann tiefer in die Tasche greifen. Ich KANN in irgendwelchen Bruchbuden übernachten, WENN man mir das entsprechend versüßt. Aber für den Standard-Satz mache ich das nicht.

Ich glaube, der Markt wird sich bei uns noch eine ganze Weile eher verschärfen als entschärfen. Angebote unter Par klicke ich direkt weg. Mag schon sein, daß es vor drei Jahren noch ging, für 40 Euronen einen Honorararzt zu kriegen. Heute? Sicher nicht.

Irgendwann werden es auch die noch Angestellten merken: Leute, ihr sitzt am langen Hebel! Wenn euch ein bestimmter Teil für den Facharzt fehlt, setzt dem Arbeitgeber freundlich aber bestimmt die Pistole auf die Brust. Denn das Krankenhaus am anderen Ende der Stadt bietet euch vielleicht genau das an. Und nimmt euch mit Kußhand. Denn offene Stellen haben mittlerweile eigentlich ALLE.

So, daß war mal wieder ein „Rant“… 😉

6. Oktober 2010 Posted by | Allerlei, Honorararzt, Klinik | , , , | 12 Kommentare

Freelancer

Die letzten Wochen waren zwar arbeitsreich, aber insgesamt ereignisarm.
Die Woche durchgehender Notarztdienst gestaltete sich als Erholung, der Weg hin und zurück dank des neuen (gebrauchten) fahrbaren Untersatzes als entspannt.
Auch medizinisch nichts Aufregendes zu berichten. Anscheinend sind die Leute momentan eher gesund. Liegt vielleicht am Wetter.

Der Medizynikus hat mich zu Recht zu den „glücklichen Ärzten“ gerechnet und der Aussage von Josephine schliesse ich mich an: Hier bin ich und hier will ich sein.

Denn so ist es. Wobei es für viele im Umfeld, ob das jetzt ehemalige und gegenwärtige Kollegen oder die Rettungsleute sind, anscheinend unverständlich ist.

Ich weiß dann auch nicht, wie ich das vermitteln soll.
Es läßt sich nicht aus Geld reduzieren. Das ist gut. Nicht so gut, wie manche glauben, aber auch nicht schlecht.

Ich arbeite auch nicht weniger als früher. Im Gegenteil. Ich habe diesen Sommer sogar vergessen, mir einen Urlaub einzuplanen. Ich habe manchmal etwas Leerlauf, aber Bürozeiten sind ja auch Arbeit und der Leerlauf wird dafür gebraucht.

Aber ich arbeite nicht mehr fremdbestimmt. Ich mache meinen eigenen Dienstplan. Genaugenommen ist es fast die gleiche „Mühle“ wie zuvor, aber ich teile sie mir selbst ein und zu.

Wenn ich den OP mal nicht mehr sehen kann, plane ich mir Notarztdienste ein.
Wenn ich mal Lust auf einen Tapetenwechsel habe, nehme ich einen Auftrag in WeitWeg an. Oder in GanzWeitWeg.
Wenn ich Zeit mit meinem Nachwuchs verbringen kann, baue ich mir ein langes Wochenende in den Plan. Ich muß keinen Urlaub ein Jahr im Voraus planen oder Urlaubszettel abgeben.

Natürlich erkaufe ich mir diese Freiheit mit fehlender Sicherheit. Wenn ich krank werde, zahlt die Krankenkasse erst nach sechs Wochen. Wenn mal keine Arbeit da ist (kommt vor) verdiene ich auch nichts und kann nicht wie ein Angestellter trotzdem hingehen und Zeit absitzen. Früher nach Hause gehen kostet mich Geld.
Wenn ich im Stau stecke, kostet mich das Geld.
Das irgendwo anders wieder reingearbeitet werden muß.
Einen bezahlten Urlaub gibt es nicht.

Meine Arbeitsmoral hat sich auch verändert.
Wenn man Tag um Tag wie ein Hamster im Rad hängt, bleibt die Lust schon mal auf der Strecke und ab und zu knappst man sich ein bißchen bezahlte Erholungszeit ab. Eine Rauchpause hier, ein paar Minuten mehr Mittagspause…
Seit ich Freelancer bin, achte ich peinlich genau auf meine Zeiten. Ich rechne genau ab, runde eher ab als auf. Die 30 Minuten Pause werden eher zu kurz als zu lang.
Wenn die OPs mal leer laufen und ich eigentlich nicht gebraucht werde, biete ich schon mal an, früher zu gehen und die Zeit nicht zu berechnen, obwohl das im Rahmen des Vertrages möglich wäre. Ich werde bezahlt und gedenke für diese Zeit auch zu arbeiten.

Nicht, daß dies als Angestellter nicht auch so war, aber man wurde schon auch ausgenutzt, die verschiedenen Verwaltungen verrechnen sich immer mal wieder mit den Stunden oder zahlen Dienste nicht aus (warum eigentlich immer nur zu Ungunsten der Mitarbeiter? Ein Schelm, wer böses dabei denkt…).
Oder Nachtdienste, die nicht wirklich Geld brachten und am Ende auch noch Minusstunden auf dem Zeitkonto zur Folge hatten.
Da sinkt dann schon mal die Moral und damit kann dann schon mal die vertragliche Arbeitszeit bei einer Tasse Kaffee auf die acht Stunden gebracht werden, bevor man früher ausstempelt.

Alles nicht mehr. Ich bin meinen Auftraggebern verpflichtet und erbringe ehrliche Arbeit. Ich will nicht bezahlt rumsitzen. Lieber gehe ich früher und werde dafür eben nicht bezahlt.
Ebenso diese unsäglichen Minusstunden nach Nachtdiensten. Passe. Da ich kein Stundenkonto habe, gibt es auch keine Minusstunden mehr.

Auch mein Umfeld merkt das. Als Hamster im Rad, mit eigentlich nichts ausser Arbeit im Kopf, wird man unsozial. Und seien wir mal ehrlich: Welcher Nicht-Mediziner will schon länger mit jemand reden, der nur von seinem Job erzählt? Ehemalige Kollegen sind überrascht, wie entspannt ich bin.

Hat auch einen Nachteil: Da der Stress fehlt, beginne ich ein bißchen anzusetzen. ICH! Der ich nicht mal eine Waage besitze. Der komme was da wolle immer das Gleiche wog! Am Ende muß ich fauler Hund noch Sport machen…

So wie ich meinen Beruf ausübe, habe ich alles was ich will. Ich habe die Macht über mein Leben. Ich komme rum, sehe neue Städte, lerne neue Menschen kennen, neue Arten meinen Beruf zu machen. Muß mich zwar immer wieder neu anpassen, aber das mache ich gerne. Es macht Spaß!

Und dieser Spaß am Beruf und am Leben war bevor ich Freelancer wurde, dabei sich zu verabschieden. Gut möglich, daß sich da auch ein Burn-Out anbahnte.

Auch eine Art der Therapie, die ich jedem empfehlen kann: Wenn du es nicht mehr aushältst, dann ÄNDERE etwas. Geh ein Risiko ein. Versuch was Neues.

Dieser Schritt war die beste Entscheidung, die ich in einer Ewigkeit getroffen habe.

Hier bin ich und ich will hier nicht weg.

1. Oktober 2010 Posted by | Honorararzt | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Weg zur Arbeit…

…ist bei Honorarärzten ja öfter etwas weiter.

(Nebenbei bemerkt, weils heute gefragt wurde. Nein, „Honorararzt“ ist nicht so was ähnliches wie ein „Honorarkonsul“)

Und weil der Weg weiter ist, braucht man ein etwas besseres Fortbewegungsmittel… Naja. „Brauchen“ ist relativ.

Langer Rede, kurzer Sinn: Da isser!

Da macht der Weg zur Arbeit doch plötzlich viel mehr Spaß…

16. September 2010 Posted by | Honorararzt | , , | 6 Kommentare

Herbststimmung

Tja, die warmen Tage scheinen vorbei zu sein…

Auf unserem Marktplatz wird es abends leerer. Die wenigen, die der Kälte trotzen haben dicke Klamotten an und man hat das Gefühl, sein Feierabendbier gegen einen Glühwein tauschen zu wollen.

Nachdem ich die letzten beiden Monate einen eher unregelmäßig Rhythmus hatte und meinen Lebensunterhalt mit diversen Notarztdiensten bestritten habe, bin ich diese beiden Wochen wieder in einem OP.

Auch mal wieder nett, geruhsame Narkosen, bißchen dies, bißchen das…

Nur gewohnt bin ich es nicht mehr. Früh aufstehen, hoffen, daß die Mühle anspringt (nicht das Ding mit zwei Rädern… bei dem Wetter ist Pendeln besser mit vieren), und dann ran an die Buletten.

Es ist wirklich mal wieder angenehm, einen „geregelten“ Tagesrhythmus zu haben. Nur bin ich abends doch ziemlich gerädert… Entweder liegts am frühen aufstehen oder die Gasabsaugung tut nicht so ganz, was sie soll.

Die letzten Tage kam ich nach Hause, kurz an den Computer gesetzt und dann fröhlich vor mich hingenickt. Da ists auch nicht viel mit bloggen…

Es kann auch sein, daß diese Woche noch immer in den Knochen steckt. Nun ja. Ich bin auch keine 20 mehr…

Apropos Karre. Meine alte Kiste (und das Ding ist WIRKLICH alt) macht gerade wieder etwas Sperenzien. Nix wildes, aber gestern durfte ich im Krankenhaus nach einem Starterkabel fragen. Möglichst mit einem zugehörigen anderen Auto, um meine Laube wieder zum laufen zu bekommen.

So ist das eben mit den alten Dingern: Da hats keinen Summer, der einem sagt, daß die Lichter noch an sind, wenn man aussteigt…

Was in der Übersetzung heißt, daß ich mich demnächst doch mal nach einem anderen Untersatz umsehen muß. Jemand Interesse an der alten Rostgurke?

Jedenfalls habe ich ein paar Ideen, was meine nächsten vier Räder angeht. Zu meiner mittelgroßen Überraschung sind die gar nicht mal SOOO teuer. Vielleicht nimmt auch irgenwer die goldene Schleuder in Zahlung. JETZT käme die Verschrottungsprämie gut. Aber der Zug ist ja abgefahren. Aber so wie ich unsere Autoindustrie kenne… wer weiß?

Wobei es mir sowieso widerstrebt, mich nach einem neuen Vehikel umzusehen. Damit fährt man vom Hof und ist gleich 30% des Wertes los…

Jedenfalls hat mir jemand den Floh ins Ohr gesetzt, daß gerade für mich ein Vehikel mit einem Buchstaben hinten aus dem Alphabet und einer Zahl nicht so ganz schräg wäre (*grins* Sprachs und eben fährt hier eins vorbei…). Gebraucht sind die sogar gar nicht mal sooo teuer. Nicht mal mit einem Hubraum, den ich in Bier übersetzt nicht trinken könnte. Und wenn schon, denn schon, oder?

„Praktisch“ wäre natürlich anders, aber ich habe genau einmal in meinem Leben ein „praktisches“ Auto gefahren. Das dann ein Jahrzehnt lang. Ansonsten hatte ich Suzuki Samurai (einmal 410 und einmal einen Santana, der mir unterm Hintern weggerostet ist), einen VW Joker und eben den oben genannten Fastoldtimer unter mir.

Oder eben meine „Biene Maja„. 😉

Aber mit der macht die Autobahn nicht eben Spaß. Und das bringt mein Job so mit sich: Viele große Strecken…

Womit auch die letzte Woche des Monats angerissen ist, denn da gehts wieder mal auf die Insel, zum Notarzt fahren. Es würde gehen mit dem Mopped, aber Spaß wäre anders. Vor allem, weil die Biene sich auf den geraden Straßen der Südschweden nicht gerade wohl fühlt. Also darf ich mich schon auf eine lustige und lange Bahnfahrt freuen…

Medizinisch gibt es nicht viel zu vermelden. Narkosen sind noch Narkosen, der Notarztwagen sieht nicht anders aus als vorher und spektakuläre Geschichten gibt es auch nicht zu erzählen.

9. September 2010 Posted by | Allerlei | , , , | 13 Kommentare

Google sucht…

Nuja, andere Blogs machen das auch. Immer wieder lustig. Was denken die Leute eigentlich dabei?

Meine Suchbegriffe sind nicht ganz so spektakulär, aber das ein oder andere Schmankerl ist trotzdem dabei.

http://www.mein beruf:arzt/op/kittel/sturzhelm/ – Scheint tatsächlich jemand so eingegeben zu haben. Wie er mich damit fand, kann ich allerdings nicht sagen…

kopfbedeckungen münchen – Wenn es jemand mal langweilig ist, kann er oder sie ja mal nachgucken, ob diese beiden Worte irgendwo in meinem Blog vorkommen. Ich kann mich daran nicht erinnern.

Die durchgängig meisten Suchbegriffe in schöner Regelmäßigkeit beziehen sich auf den Verdienst eines Honorararztes.

Deshalb will ich das mal aufklären:

Zunächst: Honorar ist etwas anderes als Gehalt. Die Zahl, die da steht ist Brutto-Brutto.

Steuern, Versicherungen, alles was normal der Arbeitgeber zahlt (Krankenkasse, Rentenanteil), Urlaub, Krankheit. Muß alles aus der Zahl kommen. Plus Steuerberater (Ohne? Bin ich irre?), Fahrtkosten, Bahn, Hotelkosten. Auch nicht vernachlässigen sollte man die (unbezahlte) Zeit, die man zwecks Buchhaltung am heimischen Schreibtisch verbringt.

In der Anästhesie ist es so, daß man als Nicht-Facharzt in etwa 60,- Euro die Stunde verlangen kann. Als Nicht-Facharzt sollte man dabei bedenken, daß es nicht möglich ist, nötige Zeiten für den Katalog mit einer Honorararzttätigkeit zu sammeln. Narkosen kann man sammeln, aber keine Zeiten.

Es gibt Angebote für weniger, aber die sollte man ignorieren.

Als Facharzt geht es bei 70 Euro los, der momentane Schnitt dürfte bei etwa 80 Euro liegen. Für speziellere Fähigkeiten kann auch durchaus mehr drin sein. Kollegen von mir, die Herz-Thorax beherrschen oder Kindernarkosen wirklich drauf haben, verlassen unter 90 Euro nicht das Haus.

Intensivmediziner werden oft verzweifelt gesucht, da können auch mal über 100 Euro drin sein. Rekord war mal ein Angebot für 115 Euro.

Anders sieht es bei Notarztdiensten aus. Da gibt es keine Unterscheidung zwischen Facharzt und Nicht-Facharzt.

Die momentane Unterkante ist bei 25 Euro, aber diese Stellen bekommen mehr und mehr Probleme, ihre Dienste zu besetzen. Ich selbst habe so zwei Stammkunden, bei denen ich für den Satz noch arbeite. Aber das sind spezielle Fälle.

30 Euro ist etwa der momentane Schnitt, 35 Euro-Angebote werden mehr. Vereinzelt gibt es auch schon welche für 40 Euro.

Spezielle Tage (Weihnachten/Sylvester/Feiertage) sind so im Schnitt mit 20% Zuschlag dabei. Ich bin schon mal gespannt auf den nächsten Winter…

Als Honorararzt kommt man auch an spezielle Schmankerl heran. So ist mir mal ein (eher schlecht bezahltes) Angebot in der Mailbox gelandet, die einen Monat lang einen Schiffsarzt auf der „Aida“ gesucht haben…

Wenn es meine Zeit zugelassen hätte, wäre das allein der Erfahrung wegen schon verlockend gewesen.

Generell muß man sagen, daß die Tendenz momentan noch nach oben geht, daß mehr und mehr Angebote ins Haus flattern, die höher sind.

Auch kann man sein Glück versuchen und verhandeln. Je nachdem, wie dringend die jeweiligen Häuser suchen kann man damit Erfolg haben.

Ich hoffe, damit den meisten Suchenden ihre Fragen mal beantwortet zu haben.

13. August 2010 Posted by | Honorararzt | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die lieben Kollegen…

…aller Fachabteilungen.

Ich glaube, jede Fachrichtung kann davon ein Lied singen.

Die Chirurgen verstehen die Anästhesisten nicht, die Anästhesisten wissen nicht genau, was Internisten so tun und die Radiologen versteht sowieso niemand.

Nachdem ich gestern Nacht im Zuge einer akuten Insomnia eine Art „Ranthier von mir gegeben habe, hatte ich etwas Zeit darüber nachzudenken.

Der Post, auf den ich mich dabei bezog, zeigt viele der Dinge, die Chirurgen bei Anästhesisten nicht verstehen.

Natürlich gibt es Ausnahmen und Abteilungen, bei denen wirklich Hopfen und Malz verloren ist.

Aber im Normalfall sitzen Anästhesisten nicht einfach nur rum und popeln in der Nase. Man sieht uns nur selten arbeiten.

Und mal ehrlich: Wer will schon einen Anästhesisten wirklich ARBEITEN sehen? Denn das bedeutet meistens, daß es einem Patienten nicht besonders gut geht. Die Fälle, in denen ich einen Kollegen habe rennen sehen endeten immer mit einem Totenschein.

Natürlich gibt es auch Dinge, die ich an Chirurgen nicht verstehe. Das kleine Filmchen hier ist leider nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen, wie man hoffen würde.

Da werden gefühlt absichtlich Fakten verschwiegen, weil dann der jeweilige Anästhesist vielleicht nicht „mal eben so“ Narkose macht.

Eine Asystolie ist zwar übertrieben, aber ich habe mittlerweile gelernt, daß man alles, was einem ein Chirurg (oder eine andere operative Fachabteilung, was das betrifft) über einen Patienten erzählt mit Vorsicht zu geniessen ist.

„Nüchtern“ scheint für Operateure etwas anderes zu bedeuten als für einen Gasmann.

„EKs sind bestellt“ kann durchaus bedeuten, daß der Anforderungsschein vor zehn Minuten gefaxt wurde. UND die Tüten auf Abruf in einer entfernten Blutbank liegen.

Ein gesunder Patient kann durchaus mal die klassischen Risiken für eine Maligne Hyperthermie haben.

Und mehr als einmal hat man durch die Blume gesagt bekommen: „Ich hab es dir nicht gesagt, weil du sonst die OP verschiebst.“

Ja, verdammt! Natürlich verschiebe ich sie. Ich setze sie vielleicht ab. Oder treffe Vorbereitungen, wenn es ein Notfall ist, plane ein I-Bett, bestelle ein paar Tüten mehr, bestücke den Patienten mehr.

Oder kläre den Patienten darüber auf, daß die geplante Operation ein knackiges Narkoserisiko hat. Wie es mein Job ist. Auch schon passiert, alles schon erlebt. Woraufhin der Patient lieber doch keine OP wollte. Und der Orthopäde rotglühend vor mir stand.

Sorry, Kumpel. Der Patient ist eben ein bißchen mehr als nur sein Knie.

Egal wie gerne du das operieren möchtest.

Auch immer wieder gerne gehört, wenn aus einer elektiven OP eine Notfall-OP wird, damit sie im Dienst operiert werden kann.

Oder bei einem PDK, für den in diesem Haus die Bedingung „Thrombos mindestens 130.000“ lautet, DREIMAL in einer Nacht gefragt wird, ob denn 110.000 reichen würden. Weil es wären ja nicht mehr die 95.000 von der letzten Messung.

Es KANN sein, daß es völlig unschuldige Begründungen für so eine Vorgehensweise gibt. Mir fällt nur keine ein.

Wir setzen ja nicht zum Spaß OPs ab oder um. Wir verlangen ja nicht aus Jux und Dollerei Herzechos und Lungenfunktionen.

Wir blockieren keine OPs, weil wir die Operateure ärgern wollen. Oder weil uns die Nase nicht passt. Wir sind Profis. Es ist egal, ob ich den Aufschneider mag oder nicht.

Es geht nicht um uns. Es geht um die Patienten.

Das wird allerdings auch gerne ausgenutzt. Da wird der OP-Plan so vollgeknallt, daß die letzten Patienten gar nicht mehr im Tagdienst operiert werden können. Und das weiß man morgens um 8:00 Uhr schon.

Aber „der Arme Patient mußte den ganzen Tag warten“. Tja. Dann erklär ihm mal, warum du es nicht geschafft hast, ein machbares OP-Programm zu schreiben.

Es gibt aber auch andere Kollegen. Für die es überhaupt keine Frage ist, daß ein Patient für einen OP, die zwar dringlich, aber kein Notfall ist, nüchtern sein muß. Die sich ausgiebig entschuldigen, daß die OP noch ein bißchen warten muß, weil mal selbst verschwitzt hat, das Kreuzblut abzunehmen.

Die anrufen, den Fall schildern, nach bestem Wissen und Gewissen die bekannten Probleme ansprechen. Und dann fragen ob und wann man den Patienten den operieren könnte, nüchtern wäre er um X Uhr.

Die morgens schon Zweifel am OP-Programm haben. Die in Rücksprache die Lage mittags neu beurteilen und dem „armen“ Patienten schon mal was zu essen geben, weil sie wissen, daß es nichts mehr wird, werden kann.

Mit solchen macht es Spaß zu arbeiten. Und wenn die dann wirklich mal kommen und fragen, ob man nicht vielleicht doch noch die eine OP beginnen könnte, ausnahmsweise, auch wenns vielleicht ein bißchen in den Dienst geht, dann haben sie ganz gute Karten, daß man ja sagt.

Aber die erklären dann auch genau, warum. Am ersten Tag abgesetzt, weil zu spät. Am zweiten Tag kamen Notfälle dazwischen. Am dritten wieder. Und jetzt wäre der vierte Tag. Ob man nicht vielleicht könnte? Man habe der Patientin versprochen, es zu versuchen…

Solche sind selten. Aber es gibt sie. Die ein bißchen über den Tellerrand sehen und den Patienten im Focus haben. Und NICHT nur ihre OP.

Bezeichnend für diese Sorte Operateur ist durchgängig, daß „das Knie von Zimmer Elf“ Frau Müller heißt. Und es auch nicht heißt „können wir das Knie noch operieren?“ sondern „können wir das Knie von Frau Müller noch operieren?“

Da müßen wir uns als Gasmänner aber auch an der eigenen Nase fassen.

13. August 2010 Posted by | Honorararzt, Klinik, OP | , , , , , | 2 Kommentare

Terminplanung und andere Katastrophen

Womit sich angestellte Kollegen eher selten herumschlagen müßen ist das tägliche Brot der Honorarärzte.

Wobei es mir als Honorarknecht eher selten passieren kann, daß ich von irgendwelchen Chefs „zum Dienst verdonnert“ werde, egal, ob ich da schon andere Verpflichtungen habe.

Denn der „Chef“ bin ich. Und wenns nicht passt, dann passts eben nicht. Kurzfristige Änderungen kommen zwar vor, aber ich kann mich nicht auf „man hat mich gezwungen“ herausreden.

Bei den angestellten Kollegen ohne Nebenjob – seien das Notarztdienste oder andere Geschichten – kann es (abgesehen von privaten Verpflichtungen) eigentlich auch egal sein: Dienstplan ist Sache des Arbeitgebers. Wenn der keine Verwendung für mich hat, ist das sein Problem, aber nicht meins.

Vielleicht weiß das jemand besser, aber ich habe das so im Kopf, daß als Angestellter ich meine Arbeitskraft zur Verfügung stelle und wenn der Arbeitgeber die laut Dienstplan nicht braucht, hat er das Nachsehen.

Anders so als Honorararzt: Wenn ich keine Aufträge habe, verdiene ich kein Geld.

Das führt dazu, daß ich mich nicht damit zufrieden geben kann, am 15. des Monats den Dienstplan des folgenden Monats zu bekommen: Ich muß vorausplanen.

Bei mir ist das normalerweise ein oder zwei Monate mindestens im Voraus. Aktuell ist beispielsweise bis Ende September verplant.

Das heißt natürlich, daß Krankenhäuser zwar drei Tage vor einem Dienst anfragen können, ob ich den machen kann, aber die Chancen stehen meistens schlecht. Manchmal geht es, aber meistens nicht.

Ich habe auch noch einen Chef im Ohr, der sich soweit in die Zukunft nicht festlegen wollte, weil er vielleicht Festangestellte bis dahin hat (und ich arbeite gerne dort). Das ist ihm natürlich unbenommen und sein gutes Recht, aber ein bißchen weiter als bis nächste Woche muß ich schon planen.

Es hat ein wenig mit Flexibilität zu tun, eigentlich ja eine Domäne von uns Honorarärzten. Aber gebuchte Termine sind gebuchte Termine und es ist auch Berufsstolz, die nicht einfach mal eben abzusagen.

Aber manchmal schiesst man sich selbst ins Knie.

Ich kann zum Beispiel nicht an einem Tag um 16:00 einen Dienst beenden und um 19:00 in der anderen Ecke von Deutschland einen Dienst beginnen. Sieht auf dem Kalender zwar gut aus, aber praktisch nicht machbar.

Ganz so schlimm ist es im aktuellen Fall nicht. Ist ein Tag dazwischen. Trotzdem ist es erstmal ein Schock, wenn man sieht, daß man um 16:00 irgendwo Dienstende hat und am nächsten Tag 900 km entfernt einen Dienst um 19:00 beginnen soll.

Also erstmal das Mail-Konto durchwühlen, ob man den Dienst wirklich so angenommen hat. Jap, hat man. Keine Ausreden.

Dann die Bundesbahn befragen, denn mit meiner Seifenkiste will ich das nicht machen, wenn ich nicht muß. Und über Nacht mal eben 900 km mit dem Motorrad auf der Autobahn zubringen will man auch nicht. Nicht wirklich.

Aber es geht. Irgendwie. Nicht gerade gut, und ich muß entweder eine Nacht in der Bahn zubringen (Schlafwagen schon ausgebucht? Wie geht das denn?) oder sehr früh raus. Aber wird schon.

Im ersten Moment überläuft einen der kalte Schweiß, denn man hat ja einen Ruf als zuverläßiger Söldner zu verlieren. Dann erstmal fieberhaft nachsehen, ob man selbst einen Fehler gemacht hat, oder jemand anders.

Ja, man hat das selbst verbockt. Aber es ist machbar, sogar ohne großen Stress.

Wenn ich jetzt noch wüßte, wie gut man in Großraumwagen der deutschen Bundesbahn schlafen kann?

10. August 2010 Posted by | Honorararzt | , , , | 2 Kommentare