Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Der Bauch

Nein, nicht der chirurgische Bauch. Anderswo auch „akutes Abdomen“ genannt.

Der Bauch des Personals. Mein Bauch. Der Bauch der Pflegekraft, die seit dreissig Jahren im Job ist.

Nein, auch kein Hunger.

Das „Bauchgefühl“. Dieser Moment, wenn du merkst „da stimmt was nicht“, auch wenn du den Finger nicht drauflegen kannst, wenn du nicht weißt, was da nicht stimmt.

Ich war ja schon lange nicht mehr hier und habe schon lange nichts mehr geschrieben. Ich kann auch nicht großartig versprechen, daß es jetzt anders werden würde!

Aber Nuja. Auf einem anderen Blog ist mir gerade ein Post aufgefallen.

Da gehts genau darum.

Narkosearzt unterwegs„. Klingt ja erstmal irgendwie auch nach mir, obwohl ich eigentlich „nur“ noch Notfallmedizin mache.

Und da eben jener Satz: „Mein Bauch sagt mir, dass hier irgendwas im Busch ist.

Oh ja! Das Bauchgefühl kennen wir alle!

Wir wissen manchmal nicht, was oder warum. Aber irgendwas schmeckt da nicht.

Als würde das Unterbewusstsein sich melden und den Finger recken, aber wie das so ist mit dem Unterbewusstsein: So wirklich verständlich ist es nicht.

Ich möchte das noch erweitern. Ich meine sogar, daß irgendwo hier im Blog schon mal gemacht zu haben.

Wenn dir eine Schwester oder ein Pfleger oder ein Rettungsassistent sagt, daß ihm/ihr da was nicht schmeckt, daß das „Bauchgefühl“ sich meldet, dann sollte man darauf hören.

Auch und vor allem dann, wenn es Leute sind, die schon eine halbe Ewigkeit im Job sind.

Oh, oft genug wars dann nix. Aber immer mal wieder ist es dann doch was. So wie in diesem anderen Blog. Und bei mir: War fast eins-zu-eins dasselbe. Nix gescheites wars nix, wirklich greifbar wars auch nicht, aber das „Magengrummeln“ war da.

Ich arbeite ja nun eher selten mit anderen Notärzten zusammen. Das ist einfach der Job. Nur selten arbeitet man wirklich an einem Patienten. Oder hat großartige Berührungspunkte. Fachlicher Natur, mal ab von dem ein oder anderen Stammtisch.

Aber man hört Stories. Horrorstories teilweise. Notärzte, die im Leben nicht auf die Idee kämen, daß Rettungsassistenten, -Sanitäter oder Notfallsanitäter ja auch nicht ganz blöd sind und auch mal gute Ideen haben. Und eben auch einen „Bauch“ haben. Auf den man hören sollte.

Mir erst vor Kurzem zugetragen worden: „Studier erstmal Medizin, bevor du da was sagst…“

Bullshit! Ja klar. Idioten hats auch im Rettungsdienst, keine Frage. Kann ich ein Lied von singen. Naja, kein langes. Nur ein kurzes. Ein Haiku vielleicht. Oder ein Limerick.

Aber normalerweise sind die weit überwiegende Mehrheit der Rettungsdienstler nicht doof.

Ich persönlich habe mir angewöhnt, laut zu denken im Notfalleinsatz. Also meine Gedankengänge offen zu legen.

Auch da muß man aufpassen: Es gibt Rettungsdienstler, die alles gleichzeitig machen wollen… und denn die Labertasche von Notarzt sich überlegt, ob sie nun Antiarhythmika anfasst oder nicht, dann kanns passieren, daß die aufgezogen sind, obwohl es nur eine Überlegung war…

Nuja. Langer Rede, kurzer Sinn:

Bauchgefühl nicht ignorieren. Besser ist das.

 

 

 

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14. April 2016 Posted by | Notarzt, Notfall | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schnittstellen des Rettungsdienstes

Ich habe mich ja an einer Stelle schon mal über die eine Schnittstelle ausgelassen. Wo der Rettungsdienst der „Empfänger“ ist: Der Empfänger des Patienten. Gut, da fühlte sich gleich einer auf den Schlips getreten. So im Nachhinein würde ich mal sagen: Trocknertheorie.

Egal. Das ist natürlich nicht die einzige „Eingangsschnittstelle“ für den Rettungsdienst und den Notarzt. Gibt ja noch mehr abstruse Geschichten, wo wir so unsere Patienten herbekommen. Dazu an andere Stelle vielleicht mehr.

Aber so sehr wir uns auch um unsere Patienten kümmern, wir behalten sie ja nicht ewig. Wenn wir sie nicht gerade zu Hause lassen (Klassiker: Hypoglykämie bei bekanntem insulinpflichtigem Diabetes mellitus), landen sie fast immer im Krankenhaus.

Und da sind wir dann bei der nächsten Schnittstelle: Der Notaufnahme. Jedenfalls meistens.

Normalerweise läuft da recht gut. Mit den üblichen Haken und Ösen. Denn oft ist erstmal kein ärztlicher Kollege da und muß erst gerufen werden. Macht ja nix, ist ja ok so, vor Allem nachts. Dann gibts einen kurzen Abriß für die diensthabenden Schwestern und Pfleger. Die sollten meiner Meinung nach ja auch wissen, was ich denen da vor die Tür lege…

Am Tage sind öfters auch Ärzte in den Ambulanzen. Wie gesagt: Das soll keine Kritik sein. In den meisten kleinen Häusern ist ja nicht ein Arzt permanent in der Ambulanz, sondern hat im Haus auch noch anderes zu tun.

Dann ist das Problem allerdings, den Richtigen zu finden. Bei glasklaren Fällen ist das kein Thema… aber es passiert mir auch immer mal wieder, daß ich mein Sprüchlein beginne aufzusagen und dann aber zum Chirurgen weiter verwiesen werden. Oder zum Neurologen. Oder welche Fachrichtung auch immer. Was lustigerweise auch wechselt, je nach Tageszeit. In manchen Häusern gibt es am Tage einen Neurologen (für die TIAs, Schlaganfälle und Konsortien), nachts machen das aber die Internisten mit. Und wenn man nicht immer die genaue Uhrzeit auf dem Schirm hat und auch nicht so genau die Wechselzeiten kennt, kann es schon mal passieren, daß man sein Gedicht dem Falschen aufsagt.

Je nachdem, was denn der Patient hat, macht es trotz der verschiedenen Systeme durchaus Sinn zusätzlich auch selbst noch mal einfach dort anzurufen. Schlicht um das „Stille-Post“-Phänomen zu minimieren: Ich sags dem Rettungsassistenten (-Sanitäter, bzw. Notfallsanitäter), der sagts der Leitstelle, die sagts dann der Pflegekraft, die in der Ambulanz gerade ans Telefon geht („Schülerin Bettina, Ambulanz Krankenhaus Trallala, guten Abend“), die sagts dann irgendjemand in der Ambulanz, die sagts dem Arzt… was dazwischen aus Diagnosen alles werden kann, ist wirklich witzig.

Oh, wieder keine Kritik gemeint. Aber was durch soviel Köpfe durchgeht, verändert sich einfach.

Wenn ich also den für Blinde sichtbaren Hebungsinfarkt habe (also nicht ich sondern der Patient), macht es Sinn, mindestens noch mal selbst in der Ambulanz oder noch besser, gleich im Herzkatheder anzurufen („Glüht die Kiste schon mal vor“). Oder beim Apoplex im Zeitfenster gleich den Neurologen zu nerven.

Wenn ich in der Ambulanz bestimmte Dinge brauche, macht es auch Sinn, das direkt zu machen.

Wenn ich also einen instabilen Patienten auf der Trage habe, dann ists meiner Erfahrung nach keine blöde Idee, selber anzurufen und den/einen Schockraum klar zu machen. Sonst kann es passieren, daß man da steht und mit dem Patienten nirgends hin kann.

Selbst wenn es ein lustiges System gibt, daß diese Information auf einen Bildschirm projiziert.

Den meiner Erfahrung nach ohnehin oftmals keiner beachtet. Egal, was man anmeldet. Manchmal  ist dieser Bildschirm auch so in einer Ecke untergebracht, daß man – selbst wenn man vom Personal her darauf achten würde – ihn gar nicht im Blick hat.

 

Aber da ist jetzt das Problem: Denn manchmal geht das nicht. Manchmal kann man nicht anrufen.

Der Motorradfahrer, der zwei Straßen vom Krankenhaus entfernt in ein Auto kracht.

Wenn man entsprechend ITLS/ATLS handelt (Kurzfassung: Mach hinne! Draussen nur, was absolut notwendig ist – Stichwort: Lebensrettende Sofortmaßnahmen – alles andere später. Da fällt der venöse Zugang schon unter „geht auf der Fahrt“), dann ist man am Unfallort schnell wieder weg und drei Minuten später auch schon in der Ambulanz. Und – wie das immer so ist – hat die orientierende Grobuntersuchung beim Einfahren in die Fahrzeughalle gerade mal so eben fertig.

Natürlich wäre es wünschenswert, irgendwo die Zeit zu finden, doch mal der Ambulanz Bescheid zu geben.

Dummerweise ist dieses System Notarzt->Rettungsassistent->Leitstelle->Monitor in der Ambulanz langsamer als die drei Minuten Anfahrt. (Fakt: Fünf Minuten nach Ankunft in der Notaufnahme kam die Meldung auf dem Monitor…)

Mit dem Resultat, daß man da steht, erstmal Hektik ausbricht weil ich frecherweise einen Schockraum will, der aber belegt ist und das Gefühl hat, dem diensthabenden Chirurgen erstmal zu erklären, was eigentlich Sache ist. Wenn man dann noch an einen von der Sorte gerät hat man Spaß.

Wenn man dann noch von irgendeiner Seite den Kommentar bekommt „nächstes Mal anrufen“ möchte man sich eine Tischplatte suchen, in die man beissen kann.

Ich sehe das Problem.

Und bin dann wieder bei meiner Philosophie, daß der Praktikant an Allem Schuld ist.

Irgendeinen Praktikanten gibts immer. Und der kann eh nix dafür, aber die Schuldfrage ist geklärt.

Und man kann sich um die Lösung des Problems kümmern.

Fünf Mal sagen „ihr habt nicht angerufen“ ist kontraproduktiv, verschwendete Zeit und löst in keinster Weise das Problem: Nämlich den Traumapatienten durch die Diagnostikmühle zu drehen und entsprechend zu handeln.

 

 

Um das klarzustellen: Wenn ich die Zeit habe, rufe ich auch an.

Und um das auch zu sagen: Die betroffene Ambulanz hat dann schon geschaltet. Ziemlich schnell war das entsprechende Schockraumteam da. Zeitverlust war gefühlt keiner.

Und gerade in so einem Fall, wo ich bestenfalls vor der Notaufnahme eine Minute hätte warten können um anzurufen, warte ich doch lieber die Minute im Schockraum mit mehr Platz und mehr Personal.

Das soll also keine Kritik an dieser Notaufnahme sein. Denn die war – wenn man mal vom mehrfachen „warum hast du nicht angerufen“ absieht – schnell und kompetent.

 

 

P.S.: Wen es interessiert: Der Moppedfahrer hatte Dusel. Nicht unverletzt, aber auch nichts Dramatisches.

 

 

 

12. April 2016 Posted by | Daily Buisness, Klinik, Notarzt | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Allerlei

In letzter Zeit hat sich der Golf November schwer zurückgehalten. Wirklich. Seit Monaten eigentlich schon. Schnell auf Holz klopfen, das kann so bleiben.

Den „Internistischen“ gings nicht so schlecht, die „Chirurgischen“ hatten zum Teil unglaublichen Dusel (unglaublich ist gar kein Ausdruck!) und die „Pädiatrischen“ hatten im Effekt alle nichts. Wie gesagt, das kann so bleiben.

Es gab ein paar lustige Erlebnisse, ein paar traurige, aber alle nicht so, daß sie den Schlaf rauben. So kanns bleiben…

Tja, was gibt es sonst Neues? Nicht viel. Wenn man es so genau betrachtet, eigentlich nichts. Das Blaulicht ist immer noch blau, ein Narkosegerät macht immer noch Narkose, die Schuhe haben immer noch Stahlkappen.

Oh, naja. Ein neuer Computer ziert meinen Schreibtisch, aber das dürfte ja nun wirklich eher von minderem Interesse sein, ausser für mich.

Ansonsten ist es Winter. Und der hatte eine kalte Woche, die ich am Ende der Welt verbracht habe. Oder wenns nicht das Ende der Welt war, dann konnte man das von da aber ziemlich gut sehen.

Sogar im Fernsehen war der Holzhammer mal zu sehen. Gut, der Name war falsch und der Beruf auch, aber immerhin habe ich mich dabei nicht völlig blamiert. Wer also aufmerksam die Nachrichten verfolgt hat, weiß nun etwas mehr über mich. Nicht viel mehr. Nur ein bißchen. Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich mich auch vorher rasiert…

Soweit erstmal wieder für eine kurze Rückmeldung. Nur, damit niemand denkt, mich gibts nicht mehr…

15. Februar 2012 Posted by | Allerlei | , , | 3 Kommentare

Und sowas ist Innenminister

Wie heißts so schön? Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Über unseren Herrn Friedrich – seines Zeichens Bundesinnenminister – hatte ich ja schon mal geschrieben. Aber der Mann will ja im Gespräch bleiben und legt immer mal wieder eine Schippe nach.

Es geht (wie könnte es anders sein?) um den Bundestrojaner. Oder Staatstrojaner. Oder wegen mir auch den Bayerntrojaner.

Und dabei haben sich in den vergangenen Tagen so einige Leute nicht eben mit Ruhm bekleckert.

Zunächstmal hat im Februar 2011 das Bundesverfassungsgericht ziemlich klar gesagt, daß dieses Ding nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden darf.

Die bayerische Version hatte auch das Landgericht Landshut verurteilt. Und das ist witzigerweise in dem Zusammenhang das höchste zuständige Gericht.

Interessiert das unseren Bundesinnenminister? Zur Erinnerung: Der Mann hat einen Eid auf die Verfassung geschworen.

Nicht so wirklich, wie es scheint.

Das Landgericht Landshut hat zu den Möglichkeiten der Quellen-Telekommunikationsüberwachung eine andere Rechtsauffassung vertreten als die bayerische Staatsregierung.

Das darf die Bayerische Staatsregierung ja sogar tun. Was die Bayerische Staatsregierung aber NICHT darf ist sich darüber hinwegsetzen, als wären die Entscheidungen der höchsten Gerichte nicht zu beachten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte recht klar gesagt, daß es sichergestellt sein muß, daß der Trojaner nur dazu fähig sein darf Internettelefonie abzuhören. Da kann man sich darüber streiten, aber das läßt sich ja irgendwie sogar begründen.

Der vom CCC analysierte Trojaner kann aber deutlich mehr als das. Er kann sozusagen alles ausser Kaffeekochen. Er kann nämlich, selbst wenn es ursprünglich nicht dabei war, Software nachladen. Was er aber laut BVerfG nicht darf.

Und wieder: Interessiert das unseren Bundesinnenminister?

Nein, wieder nicht.

Wir brauchen diese Nachladefunktion, um uns den normalen Updates auf dem Zielcomputer anpassen zu können.

Dann outet sich auch noch ein anderer Innenminister, der Herr Herrmann, als merkbefreit uns stellt eine etwas dämliche Frage:

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu der Sonntagszeitung: „Es scheint mir die Frage zu sein: Was versteht man unter nachladbar?

Na was schon, Herr Herrmann?

Dazu muß man allerdings sagen, daß der „Trojaner“ das zwar kann, aber nicht nachgewiesen ist, daß er das auch tat. Das ist allerdings nicht wirklich relevant, weil er das schon vom Start weg nicht darf. Und vielleicht sogar noch mehr nicht darf: Nämlich benutzt werden.

Wir haben hier also zwei Innenminister, einmal des Bundes und einmal des Landes Bayern, denen es offenbar egal ist was die Verfassung und die höchsten Gerichte sagen.

Entweder das, oder beide verstehen nicht wirklich um was es geht.

Gegen einen davon (Herrn Herrmann) hat vorgestern die Piratenpartei Bayern Strafanzeige gestellt.

Zeit wirds.

(Quellen überwiegend bei Fefe gefunden.)

 

19. Oktober 2011 Posted by | Politik | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zurück von der Blog-Auszeit!

Ja, ich weiß. Lange nichts geschrieben.

Das lag an verschiedenen Dingen.

Zum Einen am neuen Handy, so seltsam das klingt. Der Vorgänger war da erheblich einfacher zu bedienen und es war auch sehr viel leichter und schneller zu tippen. Aber das Ding hatte nach einem etwas slapstick-artigen Absturz ins Wasser so seine Probleme. Und mit dem neuen Ding geht das tippen nicht so leicht von der Hand.

Zum Anderen lags am Job. Es gab zwar viel zu tun, aber nichts, was des Bloggens wert gewesen wäre. Die Routine eben.

Und zum Dritten hatte das Real-Life auch noch ein Wörtchen mitzureden. Da bleib insgesamt wenig Zeit, sich mal hinzusetzen und was zu schreiben.

Aber ich gelobe Besserung und es könnte heute noch der ein oder andere Eintrag folgen.

19. Oktober 2011 Posted by | Allerlei | | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Wort zur Pflege

Weil mir in meinem letzten Post der Satz „wenn die Pflege was kann“ (so in etwa) im Kopf rumrumort ist, hier ein paar Worte dazu.

Ohne Euch wären wir angeschmiert.

Einmal natürlich generell. Auf den Stationen liefe ohne Euch nichts. Ihr kennt die Patienten besser als wir, ihr seht sie öfter, ihr verbringt mehr Zeit mit ihnen.

In meiner chirurgischen Vergangenheit, dereinst im AiP und auch später wäre ich ohne Euch wirklich verlassen gewesen.

Gut, mittlerweile mache ich den Job auch schon ein paar Tage, aber damals? Wenn ich es so genau betrachte, habe ich das Meiste von Euch gelernt.

Stichwort Nadeln legen. War am Anfang ein echtes Problem für mich. Ging so halbseiden. Bis ein Pfleger mal zusah. Und sofort meinen Fehler sah.

Meinen Dank rückwirkend und unbekannterweise. Ich weiß nicht mehr, wie du hießt, aber von dir habe ich das gelernt.

Oder Stichwort nächtlicher Hausdienst, als ich noch bei der schneidenden Zunft war und auf Stationen rumhampelte.

Denn das lernt man schnell und sollte sich jeder Anfänger in dem Job hinter die Ohren schreiben:

Wenn eine Schwester, die schon lange im Job ist, dir sagt, daß ihr der Patient nicht gefällt, dann SIEH in dir an! Da reden im Extremfall 40 Jahre Berufserfahrung. Und du hast wieviel? Eins? Zwei?

Die riechen, wenn da was faul ist. Lange bevor irgendein Laborparameter oder ein Ultraschall irgendwas zeigen würde.

Gut, bei mir sinds nun zehn Jahre. Aber ich habe das beibehalten. Ich rieche mittlerweile auch was. Aber die Pflege riechts schneller.

Noch extremer natürlich auf der Intensiven.

Im OP ist das auch nicht anders. Ohne Euch ginge keine Einleitung. Nicht sinnvoll, nicht gut. Einmal einfach weils zwei Hände zuwenig sind.

Und zum anderen, weil Ihr den Job auch schon lange macht. Und so ganz unscheinbar die Frage „Willst du da eine Arterie legen?“ mir mehr als einmal den Arsch gerettet hat. Weil ich es mir dann überlegt habe. Und dann „Hm… du hast recht. Laß uns mal machen.“

Und prompt einer einkracht bei der Einleitung. Und wenn der Druck erstmal weg ist, legt sich so eine Arterie ausgesprochen sch…..e.

Die Ausleitung… na gut. Wenn alles glatt geht, kein Problem. Krieg ich auch mal alleine hin. Aber WENN was nicht wie geplant läuft, gehen einem GANZ schnell die Hände aus. Und wenn die Hände dann auch noch wissen, was sie tun, ist schon beinahe alles gewonnen.

Natürlich gibt es auch in der Pflege Anfänger. Kein Problem.

Es gibt auch Faule und Unfähige. Aber nicht viele. Faul wüßte ich aus dem Stand nur einen. Und DER hat sich meinen Anranzer (der mir hinterher wirklich leid tat) zu Herzen genommen. Und denkt mittlerweile mit.

Unfähige? Keine. Ich wüßte niemand. Wirklich. Aber die Theorie sagt, daß es die auch gibt.

Natürlich ist gerade bei mir das für die Pflege nicht ganz einfach. Man kennt mich nicht, man weiß nicht, was ich kann, was ich wie mache oder machen will.

Ich persönlich halte mich da für pflegeleicht. Ich erfinde nicht das Rad neu, muß nicht in einem Krankenhaus das ich nicht kenne, unbedingt meine Sorte der Narkose durchsetzen. Ich muß nicht unbedingt irgendwas so machen, wie ich das will, nur weil ich es so gewohnt bin.

Ich nehme, was da ist. Wenn die TIVA gerichtet ist, nehme ich die TIVA. Ich bin zwar kein besonders großer Fan davon (ausser es gibt echte Gründe dafür), aber deshalb muß ich nicht alles umnudeln. Ich kann die auch.

Wenn man mich fragt, was ich denn gerne hätte, ist das was anderes.

Aber ich hatte erst einmal wirklich ein Problem mit der Pflege. Und das Krankenhaus sieht mich auch nie wieder. Weil das Problem da nicht die Pflege selbst war, sondern die ganze Art.

Wobei mir der Pfleger schon auf den Senkel ging.

Ich hatte mich erdreistet, die Alarmgrenze für Desflurane bei einem jungen Patienten von völlig unsinnigen 6 höher zu stellen.

„Das machen wir hier nicht so.“

Kann ja sein, aber da machts keinen Sinn.

„Das machen wir hier aber nicht so!“

Sagtest du schon. Der MAC ist aber höher. Und der brauchts auch.

„Ja, aber das machen wir hier nicht so!!“

Gibts dafür auch einen Grund?

„Wir machen das nicht so und ich mache den Job schon 30 Jahre!einself!“

Ah ja. Ok. Aber ich machs.

Das ging dann noch eine Weile so weiter. Vernünftigen Grund gab es keinen. Lachgas war auch nicht dabei (falls ein Fachmann fragt). Gift gabs auch reichlich. PONV gabs keine. Der MAC von Desflurane war in dem Fall irgendwo bei 7,5.

Ich bin ja dumm, aber lernfähig. Ich hatte auch schon mal „Das macht man nicht mehr, weil…“

Wenn es eine Begründung gegeben hätte, wäre ich der Letzte, der nicht dazulernt.

Gab es da aber nicht.

Gut, da gab es noch andere Probleme. Und die muß ich mir nicht antun. Ich weiß, daß wir Honorarärzte manchmal schwer einzuschätzen sind. Und gebe mir Mühe, die Probleme so klein wie möglich zu halten.

Bei Kritik überdenke ich auch schnell mal mein Handeln. War auch in diesem Falle so. Der MAC für das Gas IST nunmal wo er ist.

Um das klarzustellen: DAS war die absolute Ausnahme. Die einzige Ausnahme.

Also:

Liebe Pflege: Ohne Euch kann ich einpacken. Ohne Euch geht NICHTS.

Und ich weiß das.

Danke.

1. Mai 2011 Posted by | Honorararzt | , , , , | 5 Kommentare

*Rant* – Ein bißchen was von allem

Im Prinzip ist Anästhesie, wenn alles glatt läuft und man die ASA I-II Patienten (ASA III wird schon spannender, meistens aber auch nicht) hat, so aufregend wie Gras beim Wachsen zu zusehen.

Ein wenig Arbeit bei der Einleitung und bei der Ausleitung und ansonsten sich einen Dekubitus am Hintern holen. Mit ein wenig Glück hat man eine Pflegekraft, die:

A.) Was kann und

B.) Einen hin und wieder mal für ein paar Minuten rausläßt.

Zum einen gibts in vielen OPs so eine Art Frühstück, lustigerweise meistens eine Suppe und zum anderen tut bei Narkosen mit hohem Somniferenzrisiko der Kaffee zwischendrin ganz gut.

Für uns Suchtkrüppel leider die schlechte Nachricht: Wirklich rausgehen und mal eine rauchen fällt flach. Zu weit weg.

Solche Minipausen würden also nur zwischen den OPs gehen. Aber genau da geht es nicht, weil das normalerweise die Überleitungszeit ist und jede Minute, die man da mit so was verbringt, nicht vertretbar ist.

Manchmal geht’s trotzdem. Patient noch nicht da (Erstes Mangold’sches Gesetz: „Ein Patient der nicht da ist, kriegt keine Narkose“), oder irgendwo anders personelle Engpäße, so daß man eh grad nichts zu tun hat.

Wobei diese ewige Kiste mit dem Rumgemecker über die Überleitungszeiten, die ach so oft der Anästhesie angekreidet werden.

Stand vor zwei Wochen oder so in einem Medizinblatt (DGAI? Irgendsowas). Die übliche Überleitung dauert 26 Minuten. Mindestens müßen es 15 Minuten sein, weil das Desinfektionsmittel ja erstmal einwirken muß.

Mit viel personellem Aufwand könnte man auf diese 15 Minuten kommen. Macht also ~10 Minuten Zeitersparniss.

Und da kann sich nu jeder, der in Mathe auch nur so halbwegs aufgepasst hat ausrechnen, daß die paar Minuten bei drei oder vier OPs pro Tag keine zusätzliche OP möglich machen. Bei sechs oder sieben OPs kriegt man vielleicht noch eine kleine unter, aber sogar das ist fraglich.

Sicher, es gibt Einleitungen, die dauern länger. Wenn man das weiß und die entsprechend plant, so daß mit einem Kollegen überlappt werden kann, dann kann man da viel Zeit sparen.

Geht halt nur nicht immer.

Und – was jedem Gasmann sicher schon passiert ist – sich hetzen lassen geht schief. Und es geht keinen Furz schneller.

In dem Haus hier, daß muß ich ehrlich sagen, wird weder gedrängelt noch gehetzt. Da wird vielleicht mal gestichelt. Aber in beide Richtungen. Und normalerweise gutmütig.

Natürlich gibt es hier auch den Hauscholeriker. Den gibts überall.

Die Fachrichtungen wechseln, die Namen, das Geschlecht. Aber geben tut es so einen nach meiner Erfahrung überall.

Eine Fachrichtung hat solche Choleriker mit fehlender Kinderstube zwar besonders oft, aber mittlerweile kenne ich die quer durch die operativen Fächer.

Wenn diese Menschen wüßten, wie wenig mich das Getöse kratzt…

Im Gegenteil. Für nette Menschen macht man gerne auch mal mehr möglich.

Für unhöfliche Leute eben nicht. Muß er halt auf den Saalspringer warten, damit der Tisch gefahren wird. Oder bis er was ausgepackt kriegt.

Da hilft dann alles Gezeter nichts. Und sich über mich beschweren bringt noch weniger.

Im Extremfall dann eben keinen mehr, der die Narkose macht. Nicht zwischendrin, natürlich. Aber die nächste OP könnte sich dann etwas verzögern.

Ich hab sowas schon gemacht. Habe meinen letzten Patienten nach Ende der OP sauber ausgeleitet, in den Aufwachraum gebracht und mich dann ins Wochenende verabschiedet.

War ja auch schon eine Stunde über die Zeit. Freitags. Fünf Uhr.

Erntete unverständige Blick.

„Ja, wie, der nächste Patient ist doch schon da?“

Jop. Und deshalb hab ich euch auch gesagt, daß ihr, wenn ihr den bestellt, euch auch gleich Gedanken darüber machen könnt wer ihn in den Schlaf singt.

„Ja, aber der arme Patient!“

Na, den Text lieb ich ja heiß und innig. Zu dämlich ein machbares OP-Programm zu schreiben, so daß elektive Punkte weit nach Feierabend dran kommen müßten und DANN mit dem Argument kommen, daß der Patient ja schon so lange wartet.

Ja nee, is klar. Ihr kriegt keine vernünftige OP-Planung hin und deshalb sollen drei Abteilungen (zusätzlich zu eurer eigenen) Überstunden dreschen?

Kann ja sein, daß solche Gimicks mit Angestellten gehen. Oder die es mit sich machen lassen.

Als Honorararzt hab ich ja nichts gegen Überstunden. Aber NICHT Freitags, wenn der Weg nach Hause weit ist und das Wochenende sowieso schon kurz.

Notfälle, nur um das mal klarzustellen, sind was anderes. Sowas kommt vor und da bin ich der letzte, der sich weigert. Dafür mach ich gerne länger. Sonst wär ich nicht in dem Job.

Auch wenns hin und wieder ungeplant mal länger dauert. Kann ja mal vorkommen. OP mal komplizierter oder ein Notfall kommt dazwischen. Kein Problem. Sowas passiert.

Aber da gibts Kankenhäuser, da schaust du morgens auf den OP-Plan und WEISST, daß das nichts wird. Nichts werden kann. Nicht vor Mitternacht.

Und je nach Krankenhaus gibt es dann zwei Reaktionen.

Die einen zucken mit den Achseln, lassen die Schultern sinken und ergeben sich in ihr Schicksal.

Aber es geht auch anders. Setzt natürlich einen OP-Koordinator voraus, der sein Pulver wert ist.

Der ruft dann freundlich lächelnd den Verantwortlichen der Operativen Fächer an mit den Worten: „Willst du was absetzen oder soll ich mir was aussuchen?“

Und SETZT dann auch ab.

🙂

Da dann die Reaktion so manches Chirurgen zu sehen… Herrlich!

*Wutschnaub* „Dann wird die Galle eben zum Notfall!einself!“
(Die Galle, die seit drei Tagen im Haus ist und sich aber sowas von im beschwerdefreien Intervall befindet)

Noch besser dann, wenn die Antwort so ausfällt:
„Gut, dann machts der Dienst. Aber die anderen haben auch noch Notfälle zu operieren. Ich würde sagen, ihr seid dann so gegen drei Uhr dran. Morgens.“

Und da fällt dann selbst dem Hauscholeriker nichts mehr ein.

28. April 2011 Posted by | Honorararzt, OP | , , , , | 3 Kommentare

Der Sommer fällt dieses Jahr auf ein Wochenende

Was ist denn hier los? Sonne satt und warm und blauer Himmel.

Ich sehe schon wieder die Schlagzeilen:

„Unerträgliche Hitzewelle!einself!!“

Genau so wie im Winter, wenn gerade mal Mausknie hoher Schnee zum „Schneechaos!einself!!“ wird.

Gut, im Winter hat das vielleicht noch einen politischen Sinn. Wenn man die Räumfahrzeuge zusammenspart, wird aus eigentlich harmlosem Schneefall eben eine halbe Katastrophe.

Wobei das mit dem Schnee ja jedes Jahr wieder völlig überraschend kommt. Kann ja niemand damit rechnen, daß es im Dezember auch mal schneit…

Ok, das Schneechaoseinself hat also seinen Grund. Wenn auch keinen besonders überzeugenden.

Aber der Sommer? Die „unerträgliche Hitzewelle“ ist normalerweise eine Woche lang und kommt mit läppischen 32 Grad Celsius daher. Da kommt meinereiner noch nicht mal richtig ins Schwitzen.

(Na gut, ich bin da vielleicht ein schlechter Maßstab, mit optimaler Betriebstemperatur ohne Leistungsverluste von -20 bis +50 Grad…)

Aber über das Wetter meckern ist ja ohnehin Volkssport.

Eigentlich auch klar, warum.

Das Wetter wehrt sich nicht und viel wichtiger: Ändern kann man es nicht.

Wenn man sich über den Arbeitsplatz beschwert oder über die Ehefrau bzw. den Ehemann schimpft oder über Kernkraftwerke meckert, läuft man Gefahr den einen Satz gesagt zu bekommen:

Dann MACH halt was. Ändere was. Such dir eine neue Stelle, schick den Mann/ die Frau in die Wüste, geh demonstrieren, wähl entsprechend.

Es ist eben so viel einfacher über das Wetter zu meckern anstatt auf die Straße zu gehen und gegen Atomkraft seine Stimme zu erheben…

3. April 2011 Posted by | Allerlei, Politik | , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Weihnachten… da war doch was…

Ich kann machen, was ich will.

Jedes Jahr ist es dasselbe.

Von „Ach, da ist ja noch Zeit“ zu „Wie, das ist MORGEN?“ vergehen gefühlt vielleicht zwei Tage.

Mit dem Resultat, daß ich mittlerweile berühmt-berüchtigt bin für meine Gutscheine.

Nicht, daß ich viel zu besorgen hätte. Aber ein paar Sachen schon.

Auch dieses Jahr wieder.

Dreijährigen kann man das Konzept eines Gutscheins natürlich nicht erklären. Deshalb stand ich auch gestern im Megatrubel bei Toys’R’Us. Lego ist eher was für Pappa, Duplo kann er drin ersaufen… Playmobil ist doch immer wieder gerne genommen.

Dazu kommt noch, daß ich morgen keine Zeit habe. Irgendwer muß ja den Notarzt mimen…

Nuja, ein Geschenk fehlt mir noch. Vielleicht hats ja in der Ecke einen Mediamarkt oder Saturn… und einen RA, der da mitspielt. Aber wenn nicht, dann nicht. Ist nicht so wild.

Eigentlich hatte ich mit meinem Brüderchen ja ausgemacht, entweder nichts oder Unsinn zu schenken…

Was an einem denkwürdigen Weihnachtstag mal dazu führte, daß wir uns gegenseitig was von einer unsäglichen Langhaarzottelband schenkten. Irgendwelche Typen, die miteinander verwandt waren, Friseure in den Ruin trieben und grauenvolle Musik machten.

Oder wars irgendeine peinliche Boy-Group? Wurscht, irgendwas in der Art. Ist auch 25 Jahre her…

Das Problem an diesem eigentlich guten Plan ist, daß Brüderchen mittlerweile verheiratet ist und Frauen im Allgemeinen derartige Absprachen ignorieren.

Und dann die Peinlichkeit, etwas geschenkt zu bekommen und selbst nichts zu schenken, kaum zu überbieten ist.

Die momentane Zählung ist jedenfalls Fünf von Sechs… Steht man nicht mit völlig leeren Händen da.

Rest muß Amazon erledigen…

P.S.: und weil ichs so schön fand: der letzt gehörte Begriff für einen Anästhesisten war „Schnarchnase“. Auch schön. 😉

23. Dezember 2010 Posted by | Allerlei | , | 2 Kommentare

Stich ins Hornissennest

Irgendwas habe ich getroffen.

Mein Blog wird ja nun nicht besonders viel gelesen. Die Zahlen finde ich zwar nett (wenn ich mal nachsehe, was eher selten der Fall ist), aber sie sagen mir nichts. Mal sinds 300, mal sinds 150 Klicks pro Tag. Ist das viel? Woher soll ich das wissen?

Interessiert mich auch nicht. Ich schreibe zum Teil um mir was von der Seele zu reden, manchmal um mir Luft zu machen und manchmal einfach nur, um irgendwas zu schreiben.

Manchmal fange ich an, schreibe irgendwas, lösche es wieder weil mir was ganz anderes einfiel, haue das in die Entwürfe, schreibe noch was anderes, und poste das dann. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Großartig interessieren tut das ein paar Leute die mitlesen. Aber von weltbewegender Bedeutung ist das alles nicht. Ist eben ein Weblog.

Manchmal „triggert“ ein Artikel woanders einen von mir. Manchmal komme ich darüber auf wieder eine andere Idee. Und schreibe darüber. Oder auch nicht.

Literarisch wertvoll ist das alles sicher nicht. Journalistisch höchstens im allerweitesten Sinne. Kann jeder lesen, aber niemand muß.

Ich erhebe keinen Anspruch auf „gut geschrieben“ oder „Thema interessant“ (ausser für mich, sonst würde ich es nicht schreiben) oder „wichtige Information“.

Ich schreibe über was ich denke, was ich erlebe. Was meine Erfahrungen sind.

Es wäre zwar schön, wenn die alle positiv wären und ich alle anderen Menschen – egal welchen Berufes – in höchsten Tönen loben könnte (von meiner Warte aus), aber dem ist nun mal nicht so.

Ich habe meinen Ärger mit Verwaltungen (mittlerweile kaum noch), mit dem Finanzamt, mit den Versicherungen, mit Kollegen, mit Ärzten und (ja auch das, aber selten) dem Rettungsdienst. Mit den Nachbarn (da hab ich allerdings echtes Glück), mit dem Milchmann (als ob ich Milch trinken würde), mit der Tussi an der Kasse, dem Müllmann, der deutschen Post, meinem Telefonanbieter, meinem Internetprovider, dem Hoster meiner Homepage (den ich nur wärmstens empfehlen kann… wenn ich mal wieder was an der Homepage basteln will), dem Typen der hier in der Anwohnerstraße parkt aber aus Kleinsonstwo kommt und keine Genehmigung hat, mir aber den Parkplatz nimmt) und mit der Bedienung in der Kneipe, die Stunden braucht für ein pupsiges Bier.

Nicht immer, aber manchmal macht mir jeder davon das Leben schwer.

Und? So what? Das ist das Leben. So ist es nun mal.

Und so ist es auch im Beruf.

In jedem Beruf.

In diesem Fall habe ich allerdings einigen Leuten auf den Schlips getreten.

Ich habe auch schon meinen Senf zu anderen Fachrichtungen abgegeben. Und die über mich und meine Fachrichtung. Schenkt sich nichts, denke ich.

Nur eine Fachrichtung hat bisher Zeter-und-Mordio geschrien. Man möchte meinen, ich hätte sie alle als Brandschatzer und anderweitig fragwürdige Gestalten betitelt.

Manch einer verlor dabei die Kontenance und sprach sich in gekränktem Stolz gleich gegen die schreiberischen Fähigkeiten aus (man mag ja nicht unbedingt Feuer ins Öl giessen, aber so recht inhaltsvoll finde ich den betreffenden Blog nun auch nicht…). Kann ja sein, den Anspruch auf literarische Edelsteine erhebe ich auch nicht.

Das Sprichwort geht: Der getroffene Hund bellt.

Persönlich finde ich, daß dieser spezielle Hund schon recht laut gebellt hat.

An anderer Stelle ist man auch schon über meine Lieblingsfachrichtung hergezogen.

Ein Widerspruch dagegen verbietet sich mittlerweile. Leider.

Nicht, weil ich nichts mehr dagegen sagen kann, sondern weil mir Premiumpatientin fehlt. Dieser unser medizingetränkter Teil der Blogsphäre ist ärmer ohne sie.

Widerspruch gegen diesen Post wäre auch aus einem anderen Grunde sinnlos:

Er betrifft mich nur in kleinen Teilen. Und die Teile, die mich betreffen, gebe ich freimütig zu. Ja, die sind so (Teile von Punkt 2, erster Teil von Punkt 3).

Also könnte ich mich aufregen über Teile, die mich nicht betreffen (was dämlich wäre) oder über Teile die stimmen und die ich sogar zugebe. Ohne mir irgendwas aus irgendeiner Krone zu brechen. Was noch dämlicher wäre.

Natürlich kann ich nicht für alle Notärzte sprechen. Woher auch? Das höchste der Gefühle ist mal ein LNA, aber sonst erlebe ich andere Notärzte nicht bei der Arbeit.

Ich kann aber über Erlebnisse mit den ärztlichen Kollegen sprechen, die an den Schnittstellen zur Primärversorgung stehen. Manche davon gut (oder in meinen Augen gut), andere nicht so gut (auch in meinen Augen).

Eine spezielle Fachrichtung an der Schnittstelle zur Primärmedizin (oder zumindest ein oder zwei der darin Tätigen) fühlte sich allerdings augenscheinlich bemüßigt, dagegen aus der unteren Schublade heraus zu wettern.

Ist recht, vielleicht gab es da schlechte Erfahrungen der Vergangenheit. Notärzte sind nicht der Nabel der Welt.

Wir haben ein ziemlich kleines Gebiet (eines der Kleinsten überhaupt), sind nicht zwingend Facharzt. Viele sind es, viele nicht.

Wenn ich einen Blogpost lese, der mich betrifft (meine Fachrichtung), dann gebe ich meinen Senf dazu, dann sage ich, was wo nicht stimmt, meiner Meinung nach.

Und jetzt bin ich mal arrogant: Ich lasse mich nicht dazu herab, den jeweiligen Schreiber als ansonsten unfähig oder seine Schreibkunst als schlecht zu beschreiben: Denn das ist nun wirklich unter meiner Würde. Auf dieses Niveau begebe ich mich vielleicht mal in hitzigen Forumsdebatten, aber NICHT bei Blogs.

9. Dezember 2010 Posted by | Allerlei, Notarzt | , , , , | 9 Kommentare