Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Ja, ist denn schon Ostern…

Ein langer Dienst ist zu Ende…

Und wir hatten unseren Spaß. Keiner wirklich dramatisch krank, oder wenigstens nicht so, daß wir es nicht doch irgendwie hingebogen hätten.

Na gut, eine Patientin wollte nach spannungsfreiem Transport in der Notaufnahme dann doch kurzfristig die Grätsche machen, aber sogar die hats gerade nochmal geschafft.

Es gab das Übliche, ACS, Exacerbierte COPD (bei der ich mir jedesmal überlegen muß, wie man das schreibt), reihenweise Kreislaufkollapse (wen wunderts bei dem Wetter), Hypoglykämie (immer wieder dankbar), auch mal wieder eine Schwangere (unspannend, aber könnte heute nacht noch „muttern“).

Und eben unser „Suchspiel“. Hier gibt es einen Berg (naja, mehr als einen) und der hat eine Burg. Und von eben dieser Burg ist der Mensch hinuntergewandert. Und umgeknickt.

Beim Duell zwischen 130 Kilo Lebendgewicht und einem Sprunggelenk braucht man sich nicht ausmalen, wer gewonnen hat…

Das war nicht das Problem.

Das Problem war „…liegt an der Treppe am Abgang von der Burg…“

Öhm ja. Welche Treppe?

Jedenfalls wissen wir nun, wieviele Treppen es rund um diesen Berg gibt. Denn wir haben sie alle abgegrast. Erfolglos. Der Zivi im Retter ist heroisch mehrere kleine Wege hinuntergelatscht. Ohne Erfolg.

Aus einem „harmlosen“ Einsatz wurde ein Großaufgebot inklusive Feuerwehr.

Die alle den Patienten suchten… Ja, ist denn schon wieder Ostern?

Was sich auch als praktisch herausstellte, denn hol du mal 130 Kilo gehunfähigen Menschen irgendwo von einem steilen Waldweg.

Treppe? DAS soll eine Treppe sein?

Medizinisch war es unspannend. Klar. Aber 16 Mann (grob gezählt) und eine Frau auf einem Berg rumhatschen zu sehen bei brütender Hitze (wo bleiben die versprochenen Gewitter?) hat auch was.

Und hat mich etwas versöhnt mit den Jungs und Mädels. Denn nach der Aktion auf der Autobahn hatte ich etwas meine Bedenken.

(Wobei das am Cabrio lag und NICHT an den „Brandbadschern“ (und das meine ich durchaus liebevoll))

Es hat echt was, zehn Paar Hände mehr zu haben, die wissen wo sie hinlangen müßen und auch mal eben Improvisationstalent beweisen. Denn ohne die wären wir da wirklich in Schwierigkeiten gekommen. Und selbst so wären wir einmal fast gesammelt den Berg hinuntergekugelt.

Aber da half die reine „Manpower“ und Leute, die anpacken können. Wie eben unsere Feuerwehr.

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9. Juni 2010 Posted by | Notarzt | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin in der Zeitung!

Naja, weder war es hektisch noch dramatisch und der erste Eindruck war auch schlimmer als die Person, die wir schliesslich Rettungswagen hatten.

Von vorne:

Ich bin zwar gerne Notarzt, aber ich brauch keine Äktschn. Die hektischen und dramatischen Rettungsaktionen, Menschen-aus-Flammen-retten und andere „Emergency-Room“-Geschichten dürfen gerne andere machen. Ich muß nicht Hubschrauber fliegen, ich brauche keinen Massenanfall von Verletzten und ich muß auch draussen keine Menschen vollständig heilen.

Aber das gehört zum Job. Hin und wieder geister ich auch mal auf einer der vielen Autobahnen herum, die es im Dunstkreis eben gibt.

Ich gebe zu, die Münchener Feuerwehr hat mich geschädigt. Einmal habe ich erlebt, wie die Jungs und Mädels da in fünf Minuten aus einer Limousine ein Cabrio gemacht haben.

Nur habe ich vergessen, daß hier eben NICHT die Münchener Berufsfeuerwehr zugange ist.

Und die zu Beginn tolle Idee das Dach mal eben abzunehmen geschlagene 25 Minuten dauern könnte. Nix gegen die Jungs.

Es war nicht weiter schlimm, der Zustand des Patienten war stabil, hämodynamisch mehr als stabil (nur, daß man mich nach 100 Ketanest S noch mitleidig anschauen kann, war mir neu), also keine Hektik nötig.

Der Verdacht auf ein Wirbelsäulentrauma bestand und da hilft alles nix. Karre war eh total Schrott, da macht das Dach auch nix mehr. Nur wars ein Cabrio…

Und da kommt die sonst so zuverlässige dampfbetriebene Blechschere eben NICHT mal eben durch die A-Säule. Scheints als wäre das Ding bei Cabrios eine ganze Spur härter als normal.

Nuja, irgendwie und mit viel Man-Power hatten wir den Mensch nach knappen 30 Minuten dann doch im Retter.

Und wenn man an den Mensch dann auch mal von allen Seiten rankommt stellt sich das Verletzungsmuster als nicht mehr ganz so dramatisch heraus. Die Hüftverletzung (stumpf) stellt sich als mögliche Rippenserie der unteren hinteren Rippen dar, Gräten bewegt er alle, Pulmo alles im grünen Bereich, HWS ist klar aber sowieso schon versorgt, Kristalloid und Kolloid ist drin, große  Zugänge gibts auch…

Also erstmal Kommando zurück: Doch keine Narkose.

Just in dem Moment der Kollege von der grünen Fraktion: „Ist mit einem baldigen Ableben zu rechnen“?

Ehrlich. Lernen die das auf der Polizeischule? Hallo? Der Patient IST zwar abgeschirmt aber WACH! In Anlehnung an die Kollegin Josephine will ich auch mal eine transportable Tischkante….

Der Rest ist schnell erzählt. Ab ins nächste Klinikum und den Schockraum, witzigerweise da der Unfall mit mehr als 30 km/h erfolgt ist und NICHT wegen den zunächst vermuteten Verletzungen. QM ftw!

Am nächsten Tag stehen wir gesammelt in der Zeitung, mitsamt recht zusammengereimten Sätzen des Journalisten.

Egal. Hauptsache dem Mensch gehts gut.

18. Mai 2010 Posted by | Notarzt | , , , , | 11 Kommentare