Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Big Apple is watching you

Hört sich an wie 1984… und das ist immerhin 26 Jahre her.

Der gute Orwell scheint sich ein bißchen verschätzt zu haben, was die Zeit betrifft.

Gut, noch sind es nur Ideen, die sich Apple da ausdenkt, aber irgendwie passt es recht gut ins Bild.

Jedenfalls baut Apple an einem Patent, mit dem ein iPhone ganz ungefragt und unbenachrichtigt mal eben Bilder vom Benutzer und der Umgebung machen kann, Stimmen und Umgebungsgeräusche aufzeichnen kann, sogar der Herzschlag ist dabei. Natürlich auch der Speicher wird dabei geprüft.

Der „Deckmantel“ ist, daß Apple damit feststellen kann, ob das Ding geklaut worden ist.

Sagt Apple wenigstens.

Na, ich weiß ja nicht…

Eine Theorie ist, daß Apple damit gegen die ungeliebten Jail-Breaks vorgehen will.

Gut, ich habe kein iPhone. Und jetzt will ich auch keins mehr.

(Gefunden bei Netzpolitik.org)

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24. August 2010 Posted by | Allerlei, Fundstück | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Notarztdienst zur WM

Ja, ich hatte Dienst. So einen hier.

Ich habe mir allerdings keinen Hut bestellt und UweSeela habe ich auch keine.

Der Dienst war nicht von schlechten Eltern, aber nicht wegen dem Spiel. Wir hatten unsere Schnapsleiche, aber das war ein liebes altes Ömchen, die sich anläßlich des Spieles (sie hat wahrscheinlich noch das Orginal Wembley-Tor gesehen) eine Flasche Sekt eingepfiffen hat.

Der Einsatz war so etwa 15 Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit und die Omi machte mir zuerst eine Menge Sorgen. Sonst kerngesund, plötzlich auf dem Boden liegend in ihrer Wohnung aufgefunden worden.

Kreislauf und Atmung unauffällig, aber sehr wechselnde Bewußtseinslage. Sie roch auch nicht nach Alkohol und wenn sie mal etwas wacher war, nuschelte sie auch nicht.

Also rein mit Gebläse in eine Klinik mit Neurologischer Abteilung, vielleicht auch Stroke-Unit, nix genaues weiß man nicht.

Fünf Minuten vor Ankunft in der Notaufnahme klart Omi soweit auf, daß sie wieder weiß, wer sie ist, wo sie ist und welcher Tag ist…

Und will wissen, wie das Spiel ausging.

Wir leben im 21sten Jahrhundert, Smartphones hat mittlerweile praktisch jeder und so konnten wir ihre Frage auch beantworten. Omi war von den Socken.

In der Notaufnahme (Omi mittlerweile wieder voll da) erzählt sie dann voller Stolz von der Flasche Sekt…

Ich ernte einige hochgezogene Augenbrauen, die ganz offensichtlich sagen wollen: „Na, Herr Notarzt, das war wohl nix.“

Aber ich sags ehrlich: Mir ists lieber, die Omi hat nur einen über den Durst gebechert als die Omi hat einen Schlaganfall…

Und sie hat sich so schön gefreut über das 4:1…

29. Juni 2010 Posted by | Notarzt | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Learn from my fail: Was Chirurgen so erzählen

Idee kommt von hier und schadet niemand, wenn er mal seine eigenen Bockschüße ausbreitet.

Fange ich mal mit dieser Geschichte an.

Auf dem OP-Plan stand ein Hüft-TEP-Wechsel.

Für die nicht medizinisch Bewanderten: Das bedeutet, daß eine Hüftprothese mit roher Gewalt aus dem Oberschenkel und/oder dem Beckenknochen herausgedroschen werden muß. Was normalerweise nicht mit eben wenig Blutverlust zu machen ist.

Normalerweise bekommt der Patient vorher also eine ziemlich „große“ Bestückung, soll heißen, große Zugänge (und NEIN, eine Rosanüle gehört definitiv NICHT dazu), ZVK, vielleicht Arterie. Blutkonserven in der Hinterhand, vielleicht (je nach Klinik) einen PDK. Cell-Saver stehen ab und an auch mal rum. Also schon etwas „größeres“ Kino. Nichts wirklich wildes, nichts dramatisches, aber man muß schon was tun für sein Geld.

Man weiß, was kommt und ist darauf vorbereitet.

Tja, nur hatte ich vorher den Aufschneider gefragt. Es sollte nur der Hüftkopf gewechselt werden.

Wieder für die Nicht-Mediziner: Zwischen der künstlichen Pfanne und dem Ersatz des Schenkelhalses erfüllt eine Keramikkugel die Funktion des Hüftkopfes und wird eigentlich nur aufgesteckt (bißchen fest gedroschen, aber nicht mit aller Gewalt).

Und das Ding sollte getauscht werden. Es fällt also alles weg, was normal großartig bluten kann: Es wird nicht am Knochen gesägt, es wird nicht im Knochenmark rumgebohrt.

Alles in allem also eine ziemlich „popelige“ OP. Sollte man meinen.

Ich bin ja nun nicht völlig debil. Wenn an der Hüfte rumgeschraubt wird, stecke ich gerne mal einen Zugang mehr rein. Aber Arterie und ZVK habe ich erstmal gelassen.

Wozu auch? Aufmachen, Keramikding raus, neues rein, zunähen. In der Theorie könnte das in 20 Minuten über die Bühne sein. Und weder Arterie noch ZVK sind komplikationsarme Prozeduren (soll heißen: Wenn da was schiefgeht, kanns das in sich haben).

Also dachte ich, ich komme mit ein paar dicken (16er aufwärts) Zugängen aus, für den Fall, daß da doch was passiert.

OP geht also los, ganz entspannt… Nur irgendwann fällt mein Blick auf den sich schnell füllenden Sauger. Und direkt in dem Augenblick HATTE der Patient auch mal einen Druck gehabt.

Also Druck aufgepumpt (Kaffee aus der Tube), Infusionen aufgedreht, einen Hasen reinlaufen lassen, schnell im Reflex eine Arterie gelegt… und WUPS, war der Druck wieder weg.

Blut bestellt, zwei direkt und nachkreuzen sollen sie auch…

Arterenol angeworfen um ein bißchen Zeit rauszuholen. ZVK gelegt.

Nach und nach stabilisiert sich die Lage. Zweites EK hängt und läuft über Druckbeutel.

JETZT trudelt die BGA ein, die in dem Laden lustigerweise tatsächlich über das Labor laufen. Ist also auch schon wieder eine halbe Stunde alt und DAS heißt in anästhesiologischen Zeiten: „Aus dem letzten Jahrhundert“

HB da noch bei Neun Komma irgendwas. Daß das längst nicht mehr stimmt ist klar. Also rein forensisch noch eine abgenommen. Was da rauskommt hilft mir JETZT nichts. Weil muß ja erst ins Labor und bis ich da eine Antwort habe ist NOCH ein Jahrhundert ins Land gegangen.

Kreislauf kriegt sich wieder ein, Arterenol kann wieder abgedreht werden, Blutkonserven sind beim Einlaufen oder auf dem Weg.

WAS war da also passiert? Gute Frage. Fragen wir doch einfach mal den Operateur vor Ort:

„Passiert? Nix….“

Wortloses deuten auf den Sauger, der die Drei-Liter-Marke gut hinter sich hat…

„Ups…“

Ups? Du machst mir Spaß…

Ich weiß bis heute nicht, WAS da so geblutet hat. Es BLIEB nämlich beim Wechsel des Kopfes. Die einzementierten Teile, die einen HEP-Wechsel zum Blutbad machen können, blieben wo sie waren.

Der Aufschneider hat es also irgendwie geschafft, Narbengewebe SO bluten zu lassen, daß der Patient auf der Intensivstation (wohin ich ihn dann verfrachtet habe) als ersten HB trotz zwei EKs nur noch eine „Acht“ bot und auch noch so nachblutete, daß eine Stunde später eine „Sechs“ vorne stand und eine kleine Zahl dahinter…

Also: Hier mein „Learn from my Fail“: Wenn der Chirurg irgendwas von „Och, wird nichts Großes“ blubbert, sollte man hellhörig werden.

Wenn schon „TEP-Wechsel“ draufsteht, NUTZE die Gelegenheit, den Menschen so zu bestücken, daß er aussieht wie der Verteilerkopf in einem Achtzylinder.

Egal, was der Chirurg sagt.

11. Juni 2010 Posted by | Klinik, Learn from my Fail, Notfall, OP | , , , , | 4 Kommentare