Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Terminplanung und andere Katastrophen

Womit sich angestellte Kollegen eher selten herumschlagen müßen ist das tägliche Brot der Honorarärzte.

Wobei es mir als Honorarknecht eher selten passieren kann, daß ich von irgendwelchen Chefs „zum Dienst verdonnert“ werde, egal, ob ich da schon andere Verpflichtungen habe.

Denn der „Chef“ bin ich. Und wenns nicht passt, dann passts eben nicht. Kurzfristige Änderungen kommen zwar vor, aber ich kann mich nicht auf „man hat mich gezwungen“ herausreden.

Bei den angestellten Kollegen ohne Nebenjob – seien das Notarztdienste oder andere Geschichten – kann es (abgesehen von privaten Verpflichtungen) eigentlich auch egal sein: Dienstplan ist Sache des Arbeitgebers. Wenn der keine Verwendung für mich hat, ist das sein Problem, aber nicht meins.

Vielleicht weiß das jemand besser, aber ich habe das so im Kopf, daß als Angestellter ich meine Arbeitskraft zur Verfügung stelle und wenn der Arbeitgeber die laut Dienstplan nicht braucht, hat er das Nachsehen.

Anders so als Honorararzt: Wenn ich keine Aufträge habe, verdiene ich kein Geld.

Das führt dazu, daß ich mich nicht damit zufrieden geben kann, am 15. des Monats den Dienstplan des folgenden Monats zu bekommen: Ich muß vorausplanen.

Bei mir ist das normalerweise ein oder zwei Monate mindestens im Voraus. Aktuell ist beispielsweise bis Ende September verplant.

Das heißt natürlich, daß Krankenhäuser zwar drei Tage vor einem Dienst anfragen können, ob ich den machen kann, aber die Chancen stehen meistens schlecht. Manchmal geht es, aber meistens nicht.

Ich habe auch noch einen Chef im Ohr, der sich soweit in die Zukunft nicht festlegen wollte, weil er vielleicht Festangestellte bis dahin hat (und ich arbeite gerne dort). Das ist ihm natürlich unbenommen und sein gutes Recht, aber ein bißchen weiter als bis nächste Woche muß ich schon planen.

Es hat ein wenig mit Flexibilität zu tun, eigentlich ja eine Domäne von uns Honorarärzten. Aber gebuchte Termine sind gebuchte Termine und es ist auch Berufsstolz, die nicht einfach mal eben abzusagen.

Aber manchmal schiesst man sich selbst ins Knie.

Ich kann zum Beispiel nicht an einem Tag um 16:00 einen Dienst beenden und um 19:00 in der anderen Ecke von Deutschland einen Dienst beginnen. Sieht auf dem Kalender zwar gut aus, aber praktisch nicht machbar.

Ganz so schlimm ist es im aktuellen Fall nicht. Ist ein Tag dazwischen. Trotzdem ist es erstmal ein Schock, wenn man sieht, daß man um 16:00 irgendwo Dienstende hat und am nächsten Tag 900 km entfernt einen Dienst um 19:00 beginnen soll.

Also erstmal das Mail-Konto durchwühlen, ob man den Dienst wirklich so angenommen hat. Jap, hat man. Keine Ausreden.

Dann die Bundesbahn befragen, denn mit meiner Seifenkiste will ich das nicht machen, wenn ich nicht muß. Und über Nacht mal eben 900 km mit dem Motorrad auf der Autobahn zubringen will man auch nicht. Nicht wirklich.

Aber es geht. Irgendwie. Nicht gerade gut, und ich muß entweder eine Nacht in der Bahn zubringen (Schlafwagen schon ausgebucht? Wie geht das denn?) oder sehr früh raus. Aber wird schon.

Im ersten Moment überläuft einen der kalte Schweiß, denn man hat ja einen Ruf als zuverläßiger Söldner zu verlieren. Dann erstmal fieberhaft nachsehen, ob man selbst einen Fehler gemacht hat, oder jemand anders.

Ja, man hat das selbst verbockt. Aber es ist machbar, sogar ohne großen Stress.

Wenn ich jetzt noch wüßte, wie gut man in Großraumwagen der deutschen Bundesbahn schlafen kann?

10. August 2010 Posted by | Honorararzt | , , , | 2 Kommentare