Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Golf November – II

Fünf Uhr, der Piepser geht.

Fünf? Naja, immerhin fast zwei Stunden geschlafen.

„25 Jahre, REA“

Um die Uhrzeit? In der Stadt? Maaan. Drogen, sicher. Wird nie was.

Weil nebenan es um die Einsatzzeiten ging schau ich auf die Uhr. 1:32. Von Bett bis Status 3.  Kann man nicht meckern. Schon gar nicht um die Uhrzeit.

Die Straßen leer, die Anfahrt schnell.

Das sieht aber nicht wie Drogenmilieu aus.

Eine junge Frau. Reanimation am Laufen. Zugang liegt. Pupillen: Weit.

Fuck.

„Was geht?“

Jung, keine Erkrankungen. Nur morgens Hyperventilationen.

Seit wann kriegt man von Hyperventilation einen Stillstand?

Einer der Helfer kniet in Unterhosen da. Arbeitet. Ein Profi.

Ich denke: Wo kommt der denn her? Ein Nachbar?

Im EKG flimmert es.

„Supra. Gib Zwei.“

„Schock“ – „200, biphasisch?“ – „Ja“

„Nochmal“

Da, ein Rhythmus.

Weia sieht das übel aus. Sah es schon vorher, aber was da am Monitor ist, reicht für Eiswasser in den Adern. Breit, unregelmäßig… aber:

„Ich hab einen Carotispuls!“ – „Ganz schwach, da ist was peripher“ – „Ich messe einen Druck: 70 systolisch“ – „Wir haben eine Sättigung: 94%“

„Soll ich die Trage klar machen“ – Der Typ in Unterhosen.

Er passt nicht ins Bild. Ruhig, konzentriert, schnell… aber in Unterhosen. Ein Profi. Weiß, was er tut, wann was zu tun ist. Und tut es. Vom Fach.

„Druck steigt. 70 systolisch“.

Pupillen? Besser. Nicht doll. Aber keine Riesenpupillen mehr.

Was zum Teufel ist hier los? In dem Alter stirbt man nicht einfach so.

Ich lüge mich an: Nicht in meiner Schicht! Aber ich weiß, das ist gelogen.

„Tubus“ – Cormack I°. Kein Thema. Hab ich schon schlimmere Intubuiert.

Das EKG springt um. Wieder Flimmern.

„Schock.“ – „Alle weg!“

Wieder Rhythmus.

Grausam sieht das aus. Breite QRS, arrhythmisch, zwischendrin sieht es aus wie VT.

Aber…

Ich glaub die werden schmaler.

Irgendwie zwischendrin einen dicken Zugang in die Carotis externa gejagt. Sitzt.

Warum klappt das wie geleckt nur dann, wenns um was geht? Wurscht, gut, daß es so ist.

Sättigung klettert. 100. Mehr ist nicht. Pupillen jetzt eng.

ein Quentchen Hoffnung

Der Typ in Unterhosen IST vom Fach. Hat alles vorbereitet. Wir tragen ins Auto, Kreislauf ist so lala, aber es kommt eine solide Kurve in der Sättigung an. Das EKG wird besser. Pupillen jetzt eng.

Scheiss auf Dokumentation, mach ich nachher. Ab der Fisch.

Schockraum. Die sind oft pelzig da, aber wenns um was geht, lassen sie die Puppen tanzen. So auch jetzt.

Kaum drin, hält schon einer den Schallkopf auf die Brust.

Ich sage, was ich weiß, drücke die EKG-Streifen in die Hand, während die Maschinerie richtig auf Touren geht.

Soft Skills sind in dem Laden manchmal knapp, aber wenns um die Wurscht geht, will ich nirgends anders hin.

Wenns um was geht, können die Jungs und Mädels da es ECHT krachen lassen. Profis von der echten Sorte. Maulen, wenns Firlefanz ist, aber wenns um was geht lassen sie die Kuh fliegen. RICHTIG.

Meine Adrenalinpumpe läuft leer. Ich muß aussehen wie der lebende Tod. Wenn sogar der Ober mich zu einem Kaffee schickt.

Auf dem Weg nach draussen treffe ich den Typ in Unterhosen (mittlerweile vollständig angezogen). Es ist der Freund. Und vom Fach. Hat direkt mit der Reanimation begonnen.

Jetzt ist er nicht mehr cool. Aber als es darauf ankam hat er die Arschbacken zusammengekniffen und war Profi. Ein Held. Wenn sie das übersteht, verdankt sie das ihm.

Jetzt darf er zerfallen.

Wir nicht. Wir machen die Kiste wieder klar, schütteln uns die Hände. Melden uns wieder frei.

Status Eins.

Besondere Vorkommnisse:

Keine.

15. Oktober 2010 Posted by | Daily Buisness, Golf November, Notarzt, Notfall | , , , | 24 Kommentare

Arbeitsbedingungen

Da Josephines Brötchengeber ihr gerade die WordPress-Seite dicht gemacht hat, hab ich mir mal wieder Gedanken über Arbeitsbedingungen generell gemacht.

In der momentanen Arbeitsmarktsituation bei den Medizinmännern und -Frauen kommt es ja darauf an, die Leute die ich habe zu halten und nach Möglichkeit neue zu bekommen, die dann auch bleiben.

Oder ich muß für teures Geld Freelancer wie mich heuern. Und selbst das wird zunehmen schwierig.

Wir haben einen handfesten Ärztemangel. Und wir „Freelancer“ kommen ja nicht wie die Karnikel aus dem Zylinder.

Wir kommen aus dem selben Pool wie alle anderen auch. Mehr noch, denn um Freelancer zu sein, braucht man eine Zulassung für die ganze Republik. Die Kollegen aus dem Kongo scheiden also schon mal aus.

Wie gesagt, eigentlich liegt es im Interesse des Arbeitgebers, seine Leute zu halten.

Selbst jemand mit geistiger Grundkonfiguration sollte klar sein, wie das geht: Durch die Arbeitsbedingungen.

Die sind in der Medizin schon mal systembedingt nicht so rosig.

Nachtdienste, Wochenenden, Notdienste sind einfach da, müßen gemacht werden und lassen sich auch nicht wegorganisieren.

Andere Probleme sind änderbar. Die vielbemängelte Hierarchie könnte man abbauen. Die Bezahlung ist einfach nicht eben rosig. Die Weiterbildung ist oft nicht berauschend.

Manche Häuser beweisen, daß das geht. Ich weiß von einigen jungen Kollegen, daß sie bei Vorstellungsgesprächen zum Teil einen wirklich durchdachten Plan für ihre Facharztausbildung angeboten bekamen und praktisch garantiert bekamen, daß sie alles, was sie für den Katalog brauchten in der erforderlichen Zeit auch schaffen.

Ein anderer Teil der Arbeitsbedingungen ist weit schwerer zu beeinflussen. Nämlich das Klima in der jeweiligen Abteilung.

Denn da spielen viele Faktoren hinein. Sei es die Dienstbelastung oder wie schwer einem die Verwaltung den Job macht.

Es macht einfach nicht besonders viel Spaß, JEDEN Gehaltszettel nachprüfen zu müßen. WIE oft hab ich darauf Fehler gefunden. Und IMMER zu meinen Ungunsten. Nie umgekehrt.

Was habe ich da schon für Geschichten gehört. Da wurde versucht beim Ausscheiden Überstunden zu einem lächerlichen Satz auszubezahlen.

Da wurde versucht, für Minusstunden Urlaubstage zu verrechnen.

Da wurden Dienste manchmal einfach NICHT bezahlt.

Auch die Geschichte von Josephine geht in diese Richtung. Natürlich gibt es Dienste. Geht ja auch gar nicht anders. So ist nun mal der Job.

Es macht aber einfach Unmut, wenn die ohnehin schon schlechten Rahmenbedingungen, die nun mal nicht zu ändern sind, weiter verschlechtert werden.

Ich habe schon Dienstzimmer erlebt, die – gelinde gesagt – unter aller Sau waren. Und zwar nicht, weil der Vorgänger so ein Ferkel war, sondern weil die Einrichtung (die ja nun wirklich nichts Wildes sein muß) aussah, als käme sie vom Flohmarkt. Oder vom Sperrmüll. Durchgelegene Matrazen, versiffte Bettwäsche.

Die Spanne der Dienstzimmer ist riesig.

Und da ein Bereitschaftsdienst nun mal ein Bereitschaftsdienst ist und eben keine „Vollarbeit“ und wir nun mal qua definition eigentlich die Hälfte der Zeit in diesen Zimmern verbringen sollen, schlagen manche Bruchbuden echt aufs Gemüt.

Fernseher hats es mittlerweile überall. Wenigstens das. Aber auch hier ist die Spanne riesig. Das reicht vom Breitbild-Plasma-Superteil bis zum 12-Zoll-Mini-Ding, bei dem man eigentlich nur zwei Schneemänner im Schneetreiben sehen kann, wenn man mit der Lupe nachsieht.

Gut, für das Programm kann der Arbeitgeber nichts. Da muß ich nichts dazu sagen…

Und natürlich das Internet. Wir sind im 21sten Jahrhundert.

Natürlich darf ich während der Arbeitszeit nicht privat im Internet surfen. Oder bloggen. Oder eMails abrufen. Oder Nachrichten lesen.

Aber im Bereitschaftsdienst? Klar, formal darf der Arbeitgeber das Internet einschränken. Auch im Dienst, er bezahlt ja schliesslich den Zugang.

Aber wenn ich im Nachtdienst nicht mal mehr im Netz unterwegs sein darf, dann verschlechtert das die Arbeitsbedingungen. Und wieder steigt die Unmut und wieder ist das Klima etwas schlechter.

Mich selbst als Freelancer betrifft das alles nicht mehr. Ich schlage mich nicht mehr mit Verwaltungen rum. Ich schreibe eine Rechnung, wenn nach der gegebenen Zeit kein Geld da ist, gibt es eine Zahlungserinnerung mit Frist, wenn die verstreicht, gibt es eine Mahnung mit Gebühr.

Hat bis jetzt immer geklappt. Eine Stelle war mal böse überrascht. „Wie, sie wollen nach zwei Wochen schon Geld? Normal dauert das drei Monate!“

Nee, Lady, dauert es nicht. Solche Gimicks könnt ihr vielleicht mit Angestellten treiben, aber nicht mit Freelancern.

Über die Unterkünfte debattiere ich auch auch nicht. Ich habe momentan ein Geschichte am Laufen, die wollten mich in ein Wohnheim packen, mit Dusche auf dem Flur. Ja nee ist klar. Überlegt euch besser etwas anderes…

Denn für Wohnheimgeschichten bin ich zu alt. Mal einen Tag oder zwei. Klar, man ist ja flexibel. Vielleicht mal eine Woche. Aber da gehts nicht um eine Woche.

Ums Internet kümmere ich mich selbst. Ein Netbook, ein UMTS-Stick, das wars. Manchmal wird ein WLan angeboten, vor allem bei Notarztdiensten.

So muß ich mich nicht auf Diskussionen einlassen. Und bin autark.

Ich habe also meinen Weg gefunden, mir meine Arbeitsbedingungen nicht erkämpfen zu müßen.

Aber darum geht es: Warum mußte ich früher erfolglos versuchen, sie zu erkämpfen? Warum muß sich Josephine mit sowas rumschlagen?

Es muß doch jedem Arbeitgeber, der mehr als zwei IQ-Punkte hat klar sein, daß er dafür sorgen muß, daß die Leute GERNE bei ihm bleiben, wenn der Markt eben so ist, wie er nun mal ist. Natürlich KANN er das Internet beschränken. Er kann auch den Fernseher ausbauen. Und das Mobiliar vom Sperrmüll holen.

Aber dann muß er sich damit abfinden, daß der Unmut steigt und Leute eher wieder gehen und wo anders anfangen, wo die Bedingungen besser sind.

Und auch für einen Freelancer muß er dann tiefer in die Tasche greifen. Ich KANN in irgendwelchen Bruchbuden übernachten, WENN man mir das entsprechend versüßt. Aber für den Standard-Satz mache ich das nicht.

Ich glaube, der Markt wird sich bei uns noch eine ganze Weile eher verschärfen als entschärfen. Angebote unter Par klicke ich direkt weg. Mag schon sein, daß es vor drei Jahren noch ging, für 40 Euronen einen Honorararzt zu kriegen. Heute? Sicher nicht.

Irgendwann werden es auch die noch Angestellten merken: Leute, ihr sitzt am langen Hebel! Wenn euch ein bestimmter Teil für den Facharzt fehlt, setzt dem Arbeitgeber freundlich aber bestimmt die Pistole auf die Brust. Denn das Krankenhaus am anderen Ende der Stadt bietet euch vielleicht genau das an. Und nimmt euch mit Kußhand. Denn offene Stellen haben mittlerweile eigentlich ALLE.

So, daß war mal wieder ein „Rant“… 😉

6. Oktober 2010 Posted by | Allerlei, Honorararzt, Klinik | , , , | 12 Kommentare

Lange Woche

Eine lange Woche liegt hinter mir.

Insgesamt recht geruhsam. Fünf von Sechs Nächten waren ruhig. Nur eben die letzte hatte es „in sich“. Wobei, nicht mal das. Aber eben keine „Nullrunde“.

Nur eben so, daß es genau die Nacht in Fetzen riß. Nuja, es IST der Job und das gehört dazu. Insofern sind die „langen“ Dienste (145 Stunden diesmal) von Vorteil. Denn da bleibt man zwischen den Einsätzen einfach liegen.

Man MUSS natürlich auch liegen bleiben können. Manche Leute wachen ja zu fast schon vorgeschriebenen Uhrzeiten auf. Ich nicht. Ich penn einfach weiter…

Bis eben der Piepser wieder geht.

24. September 2010 Posted by | Notarzt | , , | 1 Kommentar

BSG

Bis jetzt eine sehr ruhige Woche.
Also nicht medizinisches zu berichten.
Aber dafür ist vor diesem Dienst die (angeblich) letzte Staffel von BSG (Battlestar Galactica 4.2) eingetroffen und weils mit dem Rippen für entweder iPod oder Netbook nicht geklappt hat, hab ich den großen ‚Puter mitgenommen. Und die tu ich mir jetzt mal an… Live-Updates auf Twitter.

22. September 2010 Posted by | Allerlei | , , | 3 Kommentare

Medizin und Recht, sonst nichts?

Kommt das eigentlich nur mir so vor?

Es scheint so, als würden zwei Themen die Hauptsendezeiten des Fernsehens bestimmen:

Medizinsendungen wie Scrubs, Greys Anatomy, Private Practise und was für Spin-Offs es da sonst noch gibt. Gar nicht zu reden von den etwas – gelinde gesagt – lausigen deutschen Remakes.

Und im weitesten Sinne juristische Geschichten. Ewige Gerichtssendungen, die mit der Realität so viel zu tun haben, wie die Schwarzwaldklinik mit einem echten Krankenhaus, seltsame Aufklärungsendungen wie „Einpruch“, und noch mehr Gerichtssendungen.

Dazwischen ein paar Krimis und ein paar Schnulzen.

Aber gefühlt ist das meiste entweder Medizin oder Jura oder beides.

Alles scheint auf einen Zug aufzuspringen.

Die Gerichtsdinger gingen irgendwann einmal los mit einer gar nicht mal so doofen Sendung im Öffentlich-Rechtlichen: „Streit um Drei“ hieß die und es waren sogar Fälle die irgendwie noch eine Relevanz hatten und nicht auf Einschaltquoten abzielte.

Dann aber kamen so Dinger wie Holt oder Salesch, die zwar irgendwie spannend waren, aber selbst einem Laien wie mir ziemlich an den Haaren herbeigezogen erschienen. Die Faszination eines Verkehrsunfalls, bei dem man nicht wegschauen kann.

Genauso bei den medizinischen Dingern. Wer erinnert sich schon noch an „Notruf California“? Oder die frühen Folgen von „Emergency Room“? Da stimmte wenigstens die Medizin so halbwegs. (Ok, den „zweiseitigen Milzriß“ lass ich mal beiseite, der kam auch mehr als einmal)

Ich habe noch einen Fernseher und ich zahle auch noch GEZ, aber meistens pack ich eine DVD aus.

Wirklich die Glotze anmachen tue ich nur noch im Nachtdienst. Und da der Notarztdienst nun mal rund um die Uhr läuft, schaut mal sich dann entweder grauenvoll zusammengeschnittene Spielfilme oder die Xte Wiederholung einer Gerichts- oder Medizinsendung an.

Oder die 324ste Wiederholung des Untergangs der Bismarck.

19. August 2010 Posted by | Allerlei | , , , , | 4 Kommentare

Gedanken in einer freien Woche

Jau, auch ein Honorararzt hat mal frei.

Es ist nicht ganz so wie als Angestellter, wo man Urlaub einreicht und dann auch relativ sicher sein kann, in der Woche auch Ruhe zu haben.

Denn eine Woche Ruhe, nicht erreichbar sein, Handy auslassen und einfach Fünfe grade sein lassen können eine Woche ohne Aufträge später darstellen.

Man vergißt, sich selbst den Urlaub zu genehmigen.

Das ist nicht weiter tragisch. Aber wenn man feststellt, daß man wieder die „schöne“ Jahreszeit verplant hat und das Mopped nicht in die Berge kam und der nächste freie Termin schon grenzwertig wird, was die Befahrbarkeit der Alpenpässe betrifft, dann merkt mans.

Mit etwas Glück geht noch was in der ersten Oktoberwoche…

Auf einer anderen Schiene lese ich recht gerne die Rechts-Blogs. Ich kann nicht einmal sagen, warum. Vielleicht ein wenig wie ein Verkehrsunfall bei dem man nicht wegsehen kann.

Was mir dabei auffällt ist das Ping-Pong-Spiel, daß da manchmal auftritt. Ein Blog schreibt etwas, ein anderer nimmt es auf und schreibt selbst etwas dazu.

Und Ruck-Zuck steht in jedem Blog etwas dazu.

Natürlich gibt es eine Menge Med-Blogs.  Auch Anästhesie-Blogs. Oder Rettungsdienst-Blogs.

Aber so wirklich für das Ping-Pong-Spiel eignen die sich nicht.

Wenn es um Gynäkologie geht, kann ich Josephine natürlich nicht das Wasser reichen. Und kann höchstens meinen Senf dazu geben. Aber das reicht nicht wirklich für einen eigenen Blogpost,

Gut, natürlich ist „Honorararzt“ sowieso noch ein junges Spielfeld. Und es wundert auch nicht großartig, daß mir wenigstens kein anderer Bog bekannt ist, der sich damit befasst.

Laut letzter Zählung sind wir auch gerade mal 4000 Figuren. Und was man gerade im Notarztdienst so über manche Kollegen hört… da mag man das Wort „Kollege“ manchmal nicht wirklich in den Mund nehmen.

Vielleicht ist es auch ein wenig die Berufskrankheit der Anästhesisten und Notärzte: Wir wissen nicht, wie die Kollegen arbeiten. Denn mit denen arbeiten wir nicht zusammen. Wir arbeiten mit den Jungs und Mädels vom Rettungsdienst, mit denen von der Pflege. Aber normalerweise nicht mit anderen Ärzten.

Wir übergeben Patienten an Intensivstationen, an Hubschrauber, an andere Abteilungen, an Aufwachräume. Aber wann arbeiten wir wirklich mit anderen Ärzten zusammen?

Ich weiß kaum, wie andere Gasmänner Narkosen machen. Geschweige denn, wie andere Notärzte Primärversorgung machen.

Als ich noch Angestellter war, sah man einiges. Man sah, daß manche Kollegen eine Vier-Stunden-Op mit 15 Sufenta hinbekommen (und jubelt als Ablösung gleich eine Großpackung von dem Stoff hinterher).

Ich mag meinen Job und ich mag die Abwechslung und ich liebe die Jungs und Mädels, mit denen ich zusammenarbeite. Ohne die könnt ich einpacken. Sowohl die Schwestern und Pfleger der verschiedenen Anästhesieabteilungen als auch die RA und RS im Notarztdienst.

Gold wert.

10. August 2010 Posted by | Allerlei | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Terminplanung und andere Katastrophen

Womit sich angestellte Kollegen eher selten herumschlagen müßen ist das tägliche Brot der Honorarärzte.

Wobei es mir als Honorarknecht eher selten passieren kann, daß ich von irgendwelchen Chefs „zum Dienst verdonnert“ werde, egal, ob ich da schon andere Verpflichtungen habe.

Denn der „Chef“ bin ich. Und wenns nicht passt, dann passts eben nicht. Kurzfristige Änderungen kommen zwar vor, aber ich kann mich nicht auf „man hat mich gezwungen“ herausreden.

Bei den angestellten Kollegen ohne Nebenjob – seien das Notarztdienste oder andere Geschichten – kann es (abgesehen von privaten Verpflichtungen) eigentlich auch egal sein: Dienstplan ist Sache des Arbeitgebers. Wenn der keine Verwendung für mich hat, ist das sein Problem, aber nicht meins.

Vielleicht weiß das jemand besser, aber ich habe das so im Kopf, daß als Angestellter ich meine Arbeitskraft zur Verfügung stelle und wenn der Arbeitgeber die laut Dienstplan nicht braucht, hat er das Nachsehen.

Anders so als Honorararzt: Wenn ich keine Aufträge habe, verdiene ich kein Geld.

Das führt dazu, daß ich mich nicht damit zufrieden geben kann, am 15. des Monats den Dienstplan des folgenden Monats zu bekommen: Ich muß vorausplanen.

Bei mir ist das normalerweise ein oder zwei Monate mindestens im Voraus. Aktuell ist beispielsweise bis Ende September verplant.

Das heißt natürlich, daß Krankenhäuser zwar drei Tage vor einem Dienst anfragen können, ob ich den machen kann, aber die Chancen stehen meistens schlecht. Manchmal geht es, aber meistens nicht.

Ich habe auch noch einen Chef im Ohr, der sich soweit in die Zukunft nicht festlegen wollte, weil er vielleicht Festangestellte bis dahin hat (und ich arbeite gerne dort). Das ist ihm natürlich unbenommen und sein gutes Recht, aber ein bißchen weiter als bis nächste Woche muß ich schon planen.

Es hat ein wenig mit Flexibilität zu tun, eigentlich ja eine Domäne von uns Honorarärzten. Aber gebuchte Termine sind gebuchte Termine und es ist auch Berufsstolz, die nicht einfach mal eben abzusagen.

Aber manchmal schiesst man sich selbst ins Knie.

Ich kann zum Beispiel nicht an einem Tag um 16:00 einen Dienst beenden und um 19:00 in der anderen Ecke von Deutschland einen Dienst beginnen. Sieht auf dem Kalender zwar gut aus, aber praktisch nicht machbar.

Ganz so schlimm ist es im aktuellen Fall nicht. Ist ein Tag dazwischen. Trotzdem ist es erstmal ein Schock, wenn man sieht, daß man um 16:00 irgendwo Dienstende hat und am nächsten Tag 900 km entfernt einen Dienst um 19:00 beginnen soll.

Also erstmal das Mail-Konto durchwühlen, ob man den Dienst wirklich so angenommen hat. Jap, hat man. Keine Ausreden.

Dann die Bundesbahn befragen, denn mit meiner Seifenkiste will ich das nicht machen, wenn ich nicht muß. Und über Nacht mal eben 900 km mit dem Motorrad auf der Autobahn zubringen will man auch nicht. Nicht wirklich.

Aber es geht. Irgendwie. Nicht gerade gut, und ich muß entweder eine Nacht in der Bahn zubringen (Schlafwagen schon ausgebucht? Wie geht das denn?) oder sehr früh raus. Aber wird schon.

Im ersten Moment überläuft einen der kalte Schweiß, denn man hat ja einen Ruf als zuverläßiger Söldner zu verlieren. Dann erstmal fieberhaft nachsehen, ob man selbst einen Fehler gemacht hat, oder jemand anders.

Ja, man hat das selbst verbockt. Aber es ist machbar, sogar ohne großen Stress.

Wenn ich jetzt noch wüßte, wie gut man in Großraumwagen der deutschen Bundesbahn schlafen kann?

10. August 2010 Posted by | Honorararzt | , , , | 2 Kommentare

Die Ruhe nach dem Sturm

So. Der Sturm ist vorbei.

Und es war gar keiner.

Natürlich habe ich ein bißchen gearbeitet, aber im Großen und Ganzen war es harmlos.

Als hätte ichs geahnt, gabs mehr als eine Hyperventilation. Eine nachts um drei, die man unter „Notarzt gerufen, weil schlecht geträumt“ subsumieren kann. Was es nicht alles gibt…

Ansonsten der übliche Kleinkram. Nichts wirklich Wildes. Bißchen Allergie, bißchen Kreislaufkollaps, bißchen vermißte Person gesucht. Die vermutlich gar nicht vermißt war, sondern im Strandkorb saß und sich gefragt hat, was der ganze Aufriß mit Hubschrauber und Booten, die da rumkreisen, eigentlich soll.

Auch recht witzig, die Frage der Passanten: „Schöne Übung habt ihr da“.

Erstaunlich nur, daß es nichts Chirurgisches gab. Dafür was Psychiatrisches.

So, nun noch ein zünftiges Feierabendbier und dann ab auf den weiten Weg in die Heimat…

30. Juli 2010 Posted by | Notarzt | , , | 2 Kommentare

Impressionen vom Dienst

Na, DAS ist doch mal ein Bereitschaftsraum:

Bereitschafts"raum"

Ab und zu hört man auch mal Musik:

Beschallung

Und wen man so alles trifft… Da Man himself!

29. Juli 2010 Posted by | Notarzt | , , | 2 Kommentare

Ruhe vor dem Sturm

Ah, so läßt sichs leben.

Die Backe mault nur leise und unterschwellig, das Essen war gut (nur viel zu viel), die Sonne scheint, man gab mir Strom für meinen Rechenknecht, ist auch nicht böse, wenn ich hier weiter sitze und an meiner Cola nuckel und der Dienst ist noch in weiter Ferne.

Ich kann schon verstehen, wenn hier Leute Urlaub machen, aber so langsam mache ich mir etwas Sorgen, daß die nächsten fünf Tage etwas heftiger werden könnten. Solche Menschenmassen!

Andererseits sind die Leute hier im Urlaub. Also hoffentlich entspannter und damit weniger anfällig für die „normalen“ Geschichten der Stressgesellschaft.

Wochenende ist auch bald vorbei und die dann gehäuften äthyltoxischen Kandidaten werden mich vielleicht verschonen.

Also geniesse ich noch ein wenig die Ruhe vor dem Sturm. In ein paar Stunden wird die vorbei sein.

25. Juli 2010 Posted by | Notarzt | , | 1 Kommentar