Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Sauerstoff bei Herzinfarkt

Seit ich denken kann und mit dem Job auch nur am Rande etwas zu tun hatte galt die eiserne Regel, daß ein Herzinfarkt Sauerstoff bekommt.

In jeder formalen Ausbildung zu dem Thema wurde mir das so gelehrt. Ob das nun irgendwann mal ein Erste-Hilfe-Kurs war, oder die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Da wurde „MONA greets all patients“ eingebleut.

Aber wie das oft so ist: Was logisch klingt, ist noch lange nicht auch richtig. Physiologisch in erster Näherung macht das ja auch Sinn: Zuwenig Sauerstoff am Herz, also mehr Sauerstoff anbieten.

Seit ein paar Monaten geistert die Geschichte herum, daß das womöglich gar nicht so stimmt. Denn wie bei anderen Dingen ist das erstmal nur eine Idee. Die sinnvoll klingt. Und dann auch kaum noch hinterfragt wird.

Mitte 2010 hat eine spanische Gruppe sich mal angesehen, wie denn die Datenlage da so aussieht. Metanalyse nennt sich das: Man nimmt die Studien dazu und führt sie zusammen.

Heraus kam, daß es nur drei davon gibt, die wirklich was taugen. 387 Patienten, die zufällig entweder Sauerstoff oder Raumluft bekamen. Resultat: Mit Sauerstoff mehr Tote.

Klingt erstmal erschreckend. Sofort Sauerstoff verbieten!

Nur ist es leider so einfach dann doch nicht. Denn 387 Patienten sind nicht viele, das Ergebnis alles andere als deutlich. Vor allem, wenn man bedenkt, daß in der gesamten Gruppe gerade mal 14 Menschen starben.

Statistisch heißt das nichts. Allerdings in beide Richtungen. Weder, daß Sauerstoff beim akuten Myokardinfarkt einen positiven noch, daß es einen negativen Effekt hat.

Halten wir also erstmal fest: Wir wissen nicht, ob die Idee mit dem Sauerstoff wirklich etwas bringt, ob der angebotene Sauerstoff auch wirklich am Myokard ankommt. Wir wissen auch nicht, ob es schadet.

Wir wissen aber auch, daß eine Hyperoxie negative Folgen haben kann. Aber wir wissen nicht, ob sich das so problemlos auf einen akuten Myokardinfarkt anwenden läßt.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt momentan, bei Patienten ohne Hypoxiezeichen (wobei eine konkrete SaO2-Sättigung nicht angegeben wird) auf Sauerstoffgabe zu verzichten, bis entsprechende Studien in größerem Rahmen eine wirklich neue Richtlinie erlauben.

Eine Richtlinie die die Ergebnisse (die wenigen, die da sind) berücksichtigt, wird für 2012 erwartet.

Ich persönlich halte es in der Praxis mittlerweile so, daß ich oberhalb einer peripheren Sauerstoffsättigung von 97% keinen Sauerstoff anbiete, unterhalb aber wie gewohnt, solange nicht zusätzliche Anzeichen einer Herzinsuffizienz oder einer Atemnot bestehen.

Im Fazit muß man aber sagen, daß auch für diese Vorgehensweise die tatsächlichen Daten nicht da sind. Und egal, wie man es jetzt selbst handhabt, man ein Auge auf neue Erkenntnisse haben sollte.

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22. Oktober 2011 Posted by | Daily Buisness, Notarzt | , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Quo vadis, Apple?

Ich gebe zu, ich mag die Produkte von Apple. Naja. So halbwegs, wenigstens.

Ich habe einen iPod Classic im Auto, einen iPod Touch zum Daddeln und ein iPhone.

Letzteres ist nicht ganz so praktisch wie gedacht, aber seis drum. Die virtuelle Tastatur ist nicht ganz so schön zu bedienen wie die zwar kleine, aber haptisch vorhandene beim Blackberry.

Aber darum gehts gerade nicht. Die Produkte sind gut, machen Spaß und erfüllen den Zweck.

Aber die dahinterstehende Firma fällt immer mal wieder durch ausgesprochen humorlose Aktionen auf.

Da wird schon mal Koziol wegen eines Eierbechers verklagt.

Und diesmal?

Ein Café. Wegen eines Logos.

Ich habe keine Ahnung, was es in dem Café gibt. Kaffee, nehme ich mal an. Und Äpfel vielleicht.

Der Laden heißt „Apfelkind“. Und hat ein Logo. Ein Apfel darauf und ein Kindergesicht. Plus Schriftzug.

(Bild ist von der Facebookseite des Ladens)

Wegen Verwechslungsgefahr!

Also bitte, Apple. Augen aufmachen! Erstens ist es ein Cafè und keine Computerschmiede, zweitens kann man die Logos aber so GAR nicht verwechseln und drittens könnt ihr doch nicht hergehen und einfach jeden verklagen, weil er einen Apfel im Logo hat.

Die Kiste mit dem „EiPott“ könnte man ja sogar noch verstehen. Verstehen ja, nachvollziehen nein. Das war einfach schlechte Taktik. Wäre ich Apple hätte ich einfach Koziol angehauen und mit denen zusammengearbeitet. Aber gut. Wolltet ihr nicht. Schade. Euer Problem. Und meins, weil ich mir jetzt so einen witzigen Eierbecher nicht kaufen kann.

Aber einen Kaffeeschuppen?

Für mich sieht das nach einem Beißreflex aus. Jeder, der es wagt einen Apfel ins Logo zu nehmen wird einfach mal verklagt. Oder zumindest angegangen. (Bis jetzt ist es wohl nur ein Widerspruch gegen das eingetragene Logo.)

Der Basic Thinking Blog hat da wohl nachgefragt. Und der Aussage der Besitzerin kann ich mich nur anschliessen:

Es kann ja wohl nicht sein, daß Apple jeden angeht, der einen Apfel ins Logo packt.

Römer geht es jetzt um mehr als, als sie sich entschloss, die Medien einzuschalten: “Ich sehe es nicht ein, dass niemand mehr einen Apfel als Logo verwenden darf, nur weil Apple es nicht gefällt.”

UPDATE: Huch… ich weiß zwar nicht, was da los war, aber den Eierbecher gibts wieder!

UPDATE zum Update: Koziol hat beim „EiPott“ zwar verloren, nennt das Ding nun aber „Pott 2.0“. Irgendwie klingt das nach Kindergarten…

22. Oktober 2011 Posted by | Allerlei, Fundstück | , | Hinterlasse einen Kommentar

Das wird ja immer besser…

Ich muß noch einen nachlegen.

Gestern hatte ich ja schon meinen Senf zu der Rede von Herrn Uhl abgegeben.

Aber dem Mann grausts ja vor gar nichts.

Heute nämlich gibt es die Mitschrift von gestern.

Tatsächlich hat er folgendes gesagt

…das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet, die sehr kontrolliert, sehr sorgfältig, sehr behutsam mit dem sensiblen Instrument der Quellen-TKÜ umgehen und so soll es auch sein. 

Das heißt es wäre schlimm, wenn unser Land am Schluß regiert werden würde von Piraten und Chaoten aus dem Computerclub.

Es wird regiert von Sicherheitsbeamten, die dem Recht und dem Gesetz verpflichtet sind.

Da kann er sich auf den Kopf stellen, der Herr Uhl. DAS hat er gesagt.

Und nun schauen wir uns mal an, was Herr Uhl „kontrolliert, sorgfältig und behutsam“ daraus macht. Denn er darf offenbar tatsächlich in der Mitschrift noch mal rumredigieren.

Steht also in der Mitschrift des Deutschen Bundestages:

…vielmehr verfügt das Land über Sicherheitsbehörden, die sehr kontrolliert, sehr sorgfältig, sehr behutsam mit dem sensiblen Instrument der Quellen-TKÜ umgehen. So soll es auch sein.

Es wäre schlimm, wenn unser Land von Piraten und Chaoten aus dem Chaos Computer Club regiert werden würde.

Wir haben Sicherheitsbeamte, die Recht und Gesetz verpflichtet sind.

Das, was der Herr Uhl also tatsächlich gesagt hat, zeigt sein Staatsverständnis recht gut.

Wenn also seine Verzerrung seiner Aussage ein Beispiel der „Kontrolle, Sorgfalt und Behutsamheit“ sein soll, dann würde ich sagen: Q.E.D.

Denkbar wäre natürlich, daß ein Presseberater es für ihn geändert hat und gar nicht er selbst. Aber damit ist dann die „Kontrolle“ den Bach hinuter.

Also Danke Herr Uhl, daß Sie uns das so eindrücklich und auch noch so zeitnah gezeigt haben, was sie unter „Kontrolle, Sorgfalt und Behutsamkeit“ verstehen.

Es ist für sie eben ein bißschen dumm, daß im Zeitalter des Internets (etwas von dem sie offenbar nicht viel verstehen) eben nicht einfach so tun können als hätten sie das nie gesagt.

Volker Beck hat ihnen ja schon empfohlen, sich doch mal im Büro ein aktuelles Internet ausdrucken zu lassen. Vielleicht sollten sie das mal tun.

Steht es doch auf der Seite des Deutschen Bundestages:

Jede Sitzung des Deutschen Bundestages wird wortwörtlich protokolliert und steht als Plenarprotokoll, sogenannter Stenographischer Bericht, der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Vor Veröffentlichung prüft der Redner die Niederschrift. Bei eventuellen Korrekturen darf der Sinn der Rede oder ihrer einzelnen Teile nicht geändert werden.

Der Sinn wurde in Ihrem Fall aber sehr deutlich geändert.

Es mag ja sein, daß Sie sich wünschen, Sie hätten das nicht so gesagt. Aber Tatsache ist, Sie HABEN es so gesagt.

Ein anständiger Mensch hätte sich recht lapidar hingestellt und sich entschuldigt, hätte ein – vielleicht schwaches – „So habe ich das nicht gemeint.“ von sich gegeben und die Sache wäre eine Randnotiz geworden.

Aber so?

 

Update: Och, Herr Uhl…

…der von Ihnen zitierte Satz ergibt so natürlich keinen Sinn. Ich bedaure den sprachlichen Missgriff; in freier Rede kann so etwas passieren.

Aus dem Zusammenhang wird jedoch deutlich, was meine eigentliche Aussage ist: Wir sind ein bewährter Rechtsstaat und haben Behörden und Gerichte, die Recht und Gesetz verpflichtet sind; entsprechend der verfassungsmäßigen Ordnung.

(Von www.abgeordnetenwatch.de)

Sie SEHEN das Problem nicht mal. Der Satz ergibt nämlich durchaus einen Sinn. Nur wirft er eben ein ausgesprochen schlechtes Licht auf Ihr Staatsverständnis.

20. Oktober 2011 Posted by | Politik | , | Hinterlasse einen Kommentar

Und weils so schön ist…

Hier findet man einen Link zu den Reden der aktuellen Stunde und der Fragerunde im deutschen Bundestag.

Ich empfehle besonders die Rede des Herrn Uhl. Seines Zeichens von der CSU. DAS allerdings wird jedem klar, der die Rede hört.

Denn SO merkbefreit und phrasendreschend KANN nur die CSU sein.

So ungefähr bei Minute 2:30 gibt es eine Liste der Innenminister der Länder, die sich einen Scheißdreck nicht um das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes scheren.

Gut zu wissen, denke ich. Leider nicht überraschend.

Bei 4:05 wirds lustig. „Der Computerclub hat überhaupt nichts aufgedeckt“.

Na, das ist ja mal lustig. Der CCC hat vor allem mal aufgedeckt, daß der Staatstrojaner mehr kann als er darf.

„Ich habe denn Verdacht, daß herauskommt, daß kein Beamter sich rechtswidrig verhalten hat“.

(In Bezug auf den Bayerischen Trojaner)

Jo, Herr Uhl. Dummerweise ist das schon widerlegt. Der bayerische Trojaner HAT nachgewiesener Maßen Screenshots gemacht. Das ist illegal. Alle Minute einen. IIRC liegt die Zahl bei 60.000. SECHZIGTAUSEND.

Damit HABEN sich die Beamten rechtswidrig verhalten. Den Beamten selbst würde ich da nicht mal einen Strick daraus drehen. Die können da nicht mal was dafür.

4:40: „[Es wird herauskommen, daß] die Software kann viel mehr als sie darf, aber sie wurde nicht so angewandt“.

Jo, Herr Uhl. GENAU das verbietet das Bundesverfassungsgericht. Schön, daß Ihnen das egal ist.

Das besondere Schmankerl kommt bei 5:04: „Das Land wird von Sicherheitsbehörden geleitet“

gefolgt von (das sollte man nicht verschweigen: „die sehr kontrolliert, sehr sorgfältig, sehr behutsam mit dem Instrument der Quellen-TKÜ umgeht und so soll es auch sein“.

Das sieht man ja auch daran, wie die Quellen-TKÜ eingesetzt wird.

Also bitte, Herr Uhl. Da kann man sich ja die Fälle mal ansehen, in denen diese Quellen-TKÜ bis jetzt eingesetzt worden ist.

Ich hab da bis jetzt nur irgendwelchen (zwar strafbaren, aber nicht dramatischen) Firlefanz im Kopf.

Dafür, daß es eigentlich nur schwere und schwerste Straftaten betreffen soll, haben die „kontrollierten, sorgfältigen und behutsamen“ Beamten aber gewaltig daneben gegriffen.

Steuerbetrug wegen Zigarettenhandel?

Die anderen Fälle sind nicht weniger… naja… dramatisch.

Herr Uhl: Thema verfehlt. Setzen. Sechs.

20. Oktober 2011 Posted by | Politik | , | 2 Kommentare

Und sowas ist Innenminister

Wie heißts so schön? Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Über unseren Herrn Friedrich – seines Zeichens Bundesinnenminister – hatte ich ja schon mal geschrieben. Aber der Mann will ja im Gespräch bleiben und legt immer mal wieder eine Schippe nach.

Es geht (wie könnte es anders sein?) um den Bundestrojaner. Oder Staatstrojaner. Oder wegen mir auch den Bayerntrojaner.

Und dabei haben sich in den vergangenen Tagen so einige Leute nicht eben mit Ruhm bekleckert.

Zunächstmal hat im Februar 2011 das Bundesverfassungsgericht ziemlich klar gesagt, daß dieses Ding nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden darf.

Die bayerische Version hatte auch das Landgericht Landshut verurteilt. Und das ist witzigerweise in dem Zusammenhang das höchste zuständige Gericht.

Interessiert das unseren Bundesinnenminister? Zur Erinnerung: Der Mann hat einen Eid auf die Verfassung geschworen.

Nicht so wirklich, wie es scheint.

Das Landgericht Landshut hat zu den Möglichkeiten der Quellen-Telekommunikationsüberwachung eine andere Rechtsauffassung vertreten als die bayerische Staatsregierung.

Das darf die Bayerische Staatsregierung ja sogar tun. Was die Bayerische Staatsregierung aber NICHT darf ist sich darüber hinwegsetzen, als wären die Entscheidungen der höchsten Gerichte nicht zu beachten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte recht klar gesagt, daß es sichergestellt sein muß, daß der Trojaner nur dazu fähig sein darf Internettelefonie abzuhören. Da kann man sich darüber streiten, aber das läßt sich ja irgendwie sogar begründen.

Der vom CCC analysierte Trojaner kann aber deutlich mehr als das. Er kann sozusagen alles ausser Kaffeekochen. Er kann nämlich, selbst wenn es ursprünglich nicht dabei war, Software nachladen. Was er aber laut BVerfG nicht darf.

Und wieder: Interessiert das unseren Bundesinnenminister?

Nein, wieder nicht.

Wir brauchen diese Nachladefunktion, um uns den normalen Updates auf dem Zielcomputer anpassen zu können.

Dann outet sich auch noch ein anderer Innenminister, der Herr Herrmann, als merkbefreit uns stellt eine etwas dämliche Frage:

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu der Sonntagszeitung: „Es scheint mir die Frage zu sein: Was versteht man unter nachladbar?

Na was schon, Herr Herrmann?

Dazu muß man allerdings sagen, daß der „Trojaner“ das zwar kann, aber nicht nachgewiesen ist, daß er das auch tat. Das ist allerdings nicht wirklich relevant, weil er das schon vom Start weg nicht darf. Und vielleicht sogar noch mehr nicht darf: Nämlich benutzt werden.

Wir haben hier also zwei Innenminister, einmal des Bundes und einmal des Landes Bayern, denen es offenbar egal ist was die Verfassung und die höchsten Gerichte sagen.

Entweder das, oder beide verstehen nicht wirklich um was es geht.

Gegen einen davon (Herrn Herrmann) hat vorgestern die Piratenpartei Bayern Strafanzeige gestellt.

Zeit wirds.

(Quellen überwiegend bei Fefe gefunden.)

 

19. Oktober 2011 Posted by | Politik | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zurück von der Blog-Auszeit!

Ja, ich weiß. Lange nichts geschrieben.

Das lag an verschiedenen Dingen.

Zum Einen am neuen Handy, so seltsam das klingt. Der Vorgänger war da erheblich einfacher zu bedienen und es war auch sehr viel leichter und schneller zu tippen. Aber das Ding hatte nach einem etwas slapstick-artigen Absturz ins Wasser so seine Probleme. Und mit dem neuen Ding geht das tippen nicht so leicht von der Hand.

Zum Anderen lags am Job. Es gab zwar viel zu tun, aber nichts, was des Bloggens wert gewesen wäre. Die Routine eben.

Und zum Dritten hatte das Real-Life auch noch ein Wörtchen mitzureden. Da bleib insgesamt wenig Zeit, sich mal hinzusetzen und was zu schreiben.

Aber ich gelobe Besserung und es könnte heute noch der ein oder andere Eintrag folgen.

19. Oktober 2011 Posted by | Allerlei | | Hinterlasse einen Kommentar

Mal wieder Lego!

2. Juni 2011 Posted by | Uncategorized | 12 Kommentare

Ein Wort zur Pflege

Weil mir in meinem letzten Post der Satz „wenn die Pflege was kann“ (so in etwa) im Kopf rumrumort ist, hier ein paar Worte dazu.

Ohne Euch wären wir angeschmiert.

Einmal natürlich generell. Auf den Stationen liefe ohne Euch nichts. Ihr kennt die Patienten besser als wir, ihr seht sie öfter, ihr verbringt mehr Zeit mit ihnen.

In meiner chirurgischen Vergangenheit, dereinst im AiP und auch später wäre ich ohne Euch wirklich verlassen gewesen.

Gut, mittlerweile mache ich den Job auch schon ein paar Tage, aber damals? Wenn ich es so genau betrachte, habe ich das Meiste von Euch gelernt.

Stichwort Nadeln legen. War am Anfang ein echtes Problem für mich. Ging so halbseiden. Bis ein Pfleger mal zusah. Und sofort meinen Fehler sah.

Meinen Dank rückwirkend und unbekannterweise. Ich weiß nicht mehr, wie du hießt, aber von dir habe ich das gelernt.

Oder Stichwort nächtlicher Hausdienst, als ich noch bei der schneidenden Zunft war und auf Stationen rumhampelte.

Denn das lernt man schnell und sollte sich jeder Anfänger in dem Job hinter die Ohren schreiben:

Wenn eine Schwester, die schon lange im Job ist, dir sagt, daß ihr der Patient nicht gefällt, dann SIEH in dir an! Da reden im Extremfall 40 Jahre Berufserfahrung. Und du hast wieviel? Eins? Zwei?

Die riechen, wenn da was faul ist. Lange bevor irgendein Laborparameter oder ein Ultraschall irgendwas zeigen würde.

Gut, bei mir sinds nun zehn Jahre. Aber ich habe das beibehalten. Ich rieche mittlerweile auch was. Aber die Pflege riechts schneller.

Noch extremer natürlich auf der Intensiven.

Im OP ist das auch nicht anders. Ohne Euch ginge keine Einleitung. Nicht sinnvoll, nicht gut. Einmal einfach weils zwei Hände zuwenig sind.

Und zum anderen, weil Ihr den Job auch schon lange macht. Und so ganz unscheinbar die Frage „Willst du da eine Arterie legen?“ mir mehr als einmal den Arsch gerettet hat. Weil ich es mir dann überlegt habe. Und dann „Hm… du hast recht. Laß uns mal machen.“

Und prompt einer einkracht bei der Einleitung. Und wenn der Druck erstmal weg ist, legt sich so eine Arterie ausgesprochen sch…..e.

Die Ausleitung… na gut. Wenn alles glatt geht, kein Problem. Krieg ich auch mal alleine hin. Aber WENN was nicht wie geplant läuft, gehen einem GANZ schnell die Hände aus. Und wenn die Hände dann auch noch wissen, was sie tun, ist schon beinahe alles gewonnen.

Natürlich gibt es auch in der Pflege Anfänger. Kein Problem.

Es gibt auch Faule und Unfähige. Aber nicht viele. Faul wüßte ich aus dem Stand nur einen. Und DER hat sich meinen Anranzer (der mir hinterher wirklich leid tat) zu Herzen genommen. Und denkt mittlerweile mit.

Unfähige? Keine. Ich wüßte niemand. Wirklich. Aber die Theorie sagt, daß es die auch gibt.

Natürlich ist gerade bei mir das für die Pflege nicht ganz einfach. Man kennt mich nicht, man weiß nicht, was ich kann, was ich wie mache oder machen will.

Ich persönlich halte mich da für pflegeleicht. Ich erfinde nicht das Rad neu, muß nicht in einem Krankenhaus das ich nicht kenne, unbedingt meine Sorte der Narkose durchsetzen. Ich muß nicht unbedingt irgendwas so machen, wie ich das will, nur weil ich es so gewohnt bin.

Ich nehme, was da ist. Wenn die TIVA gerichtet ist, nehme ich die TIVA. Ich bin zwar kein besonders großer Fan davon (ausser es gibt echte Gründe dafür), aber deshalb muß ich nicht alles umnudeln. Ich kann die auch.

Wenn man mich fragt, was ich denn gerne hätte, ist das was anderes.

Aber ich hatte erst einmal wirklich ein Problem mit der Pflege. Und das Krankenhaus sieht mich auch nie wieder. Weil das Problem da nicht die Pflege selbst war, sondern die ganze Art.

Wobei mir der Pfleger schon auf den Senkel ging.

Ich hatte mich erdreistet, die Alarmgrenze für Desflurane bei einem jungen Patienten von völlig unsinnigen 6 höher zu stellen.

„Das machen wir hier nicht so.“

Kann ja sein, aber da machts keinen Sinn.

„Das machen wir hier aber nicht so!“

Sagtest du schon. Der MAC ist aber höher. Und der brauchts auch.

„Ja, aber das machen wir hier nicht so!!“

Gibts dafür auch einen Grund?

„Wir machen das nicht so und ich mache den Job schon 30 Jahre!einself!“

Ah ja. Ok. Aber ich machs.

Das ging dann noch eine Weile so weiter. Vernünftigen Grund gab es keinen. Lachgas war auch nicht dabei (falls ein Fachmann fragt). Gift gabs auch reichlich. PONV gabs keine. Der MAC von Desflurane war in dem Fall irgendwo bei 7,5.

Ich bin ja dumm, aber lernfähig. Ich hatte auch schon mal „Das macht man nicht mehr, weil…“

Wenn es eine Begründung gegeben hätte, wäre ich der Letzte, der nicht dazulernt.

Gab es da aber nicht.

Gut, da gab es noch andere Probleme. Und die muß ich mir nicht antun. Ich weiß, daß wir Honorarärzte manchmal schwer einzuschätzen sind. Und gebe mir Mühe, die Probleme so klein wie möglich zu halten.

Bei Kritik überdenke ich auch schnell mal mein Handeln. War auch in diesem Falle so. Der MAC für das Gas IST nunmal wo er ist.

Um das klarzustellen: DAS war die absolute Ausnahme. Die einzige Ausnahme.

Also:

Liebe Pflege: Ohne Euch kann ich einpacken. Ohne Euch geht NICHTS.

Und ich weiß das.

Danke.

1. Mai 2011 Posted by | Honorararzt | , , , , | 5 Kommentare

*Rant* – Ein bißchen was von allem

Im Prinzip ist Anästhesie, wenn alles glatt läuft und man die ASA I-II Patienten (ASA III wird schon spannender, meistens aber auch nicht) hat, so aufregend wie Gras beim Wachsen zu zusehen.

Ein wenig Arbeit bei der Einleitung und bei der Ausleitung und ansonsten sich einen Dekubitus am Hintern holen. Mit ein wenig Glück hat man eine Pflegekraft, die:

A.) Was kann und

B.) Einen hin und wieder mal für ein paar Minuten rausläßt.

Zum einen gibts in vielen OPs so eine Art Frühstück, lustigerweise meistens eine Suppe und zum anderen tut bei Narkosen mit hohem Somniferenzrisiko der Kaffee zwischendrin ganz gut.

Für uns Suchtkrüppel leider die schlechte Nachricht: Wirklich rausgehen und mal eine rauchen fällt flach. Zu weit weg.

Solche Minipausen würden also nur zwischen den OPs gehen. Aber genau da geht es nicht, weil das normalerweise die Überleitungszeit ist und jede Minute, die man da mit so was verbringt, nicht vertretbar ist.

Manchmal geht’s trotzdem. Patient noch nicht da (Erstes Mangold’sches Gesetz: „Ein Patient der nicht da ist, kriegt keine Narkose“), oder irgendwo anders personelle Engpäße, so daß man eh grad nichts zu tun hat.

Wobei diese ewige Kiste mit dem Rumgemecker über die Überleitungszeiten, die ach so oft der Anästhesie angekreidet werden.

Stand vor zwei Wochen oder so in einem Medizinblatt (DGAI? Irgendsowas). Die übliche Überleitung dauert 26 Minuten. Mindestens müßen es 15 Minuten sein, weil das Desinfektionsmittel ja erstmal einwirken muß.

Mit viel personellem Aufwand könnte man auf diese 15 Minuten kommen. Macht also ~10 Minuten Zeitersparniss.

Und da kann sich nu jeder, der in Mathe auch nur so halbwegs aufgepasst hat ausrechnen, daß die paar Minuten bei drei oder vier OPs pro Tag keine zusätzliche OP möglich machen. Bei sechs oder sieben OPs kriegt man vielleicht noch eine kleine unter, aber sogar das ist fraglich.

Sicher, es gibt Einleitungen, die dauern länger. Wenn man das weiß und die entsprechend plant, so daß mit einem Kollegen überlappt werden kann, dann kann man da viel Zeit sparen.

Geht halt nur nicht immer.

Und – was jedem Gasmann sicher schon passiert ist – sich hetzen lassen geht schief. Und es geht keinen Furz schneller.

In dem Haus hier, daß muß ich ehrlich sagen, wird weder gedrängelt noch gehetzt. Da wird vielleicht mal gestichelt. Aber in beide Richtungen. Und normalerweise gutmütig.

Natürlich gibt es hier auch den Hauscholeriker. Den gibts überall.

Die Fachrichtungen wechseln, die Namen, das Geschlecht. Aber geben tut es so einen nach meiner Erfahrung überall.

Eine Fachrichtung hat solche Choleriker mit fehlender Kinderstube zwar besonders oft, aber mittlerweile kenne ich die quer durch die operativen Fächer.

Wenn diese Menschen wüßten, wie wenig mich das Getöse kratzt…

Im Gegenteil. Für nette Menschen macht man gerne auch mal mehr möglich.

Für unhöfliche Leute eben nicht. Muß er halt auf den Saalspringer warten, damit der Tisch gefahren wird. Oder bis er was ausgepackt kriegt.

Da hilft dann alles Gezeter nichts. Und sich über mich beschweren bringt noch weniger.

Im Extremfall dann eben keinen mehr, der die Narkose macht. Nicht zwischendrin, natürlich. Aber die nächste OP könnte sich dann etwas verzögern.

Ich hab sowas schon gemacht. Habe meinen letzten Patienten nach Ende der OP sauber ausgeleitet, in den Aufwachraum gebracht und mich dann ins Wochenende verabschiedet.

War ja auch schon eine Stunde über die Zeit. Freitags. Fünf Uhr.

Erntete unverständige Blick.

„Ja, wie, der nächste Patient ist doch schon da?“

Jop. Und deshalb hab ich euch auch gesagt, daß ihr, wenn ihr den bestellt, euch auch gleich Gedanken darüber machen könnt wer ihn in den Schlaf singt.

„Ja, aber der arme Patient!“

Na, den Text lieb ich ja heiß und innig. Zu dämlich ein machbares OP-Programm zu schreiben, so daß elektive Punkte weit nach Feierabend dran kommen müßten und DANN mit dem Argument kommen, daß der Patient ja schon so lange wartet.

Ja nee, is klar. Ihr kriegt keine vernünftige OP-Planung hin und deshalb sollen drei Abteilungen (zusätzlich zu eurer eigenen) Überstunden dreschen?

Kann ja sein, daß solche Gimicks mit Angestellten gehen. Oder die es mit sich machen lassen.

Als Honorararzt hab ich ja nichts gegen Überstunden. Aber NICHT Freitags, wenn der Weg nach Hause weit ist und das Wochenende sowieso schon kurz.

Notfälle, nur um das mal klarzustellen, sind was anderes. Sowas kommt vor und da bin ich der letzte, der sich weigert. Dafür mach ich gerne länger. Sonst wär ich nicht in dem Job.

Auch wenns hin und wieder ungeplant mal länger dauert. Kann ja mal vorkommen. OP mal komplizierter oder ein Notfall kommt dazwischen. Kein Problem. Sowas passiert.

Aber da gibts Kankenhäuser, da schaust du morgens auf den OP-Plan und WEISST, daß das nichts wird. Nichts werden kann. Nicht vor Mitternacht.

Und je nach Krankenhaus gibt es dann zwei Reaktionen.

Die einen zucken mit den Achseln, lassen die Schultern sinken und ergeben sich in ihr Schicksal.

Aber es geht auch anders. Setzt natürlich einen OP-Koordinator voraus, der sein Pulver wert ist.

Der ruft dann freundlich lächelnd den Verantwortlichen der Operativen Fächer an mit den Worten: „Willst du was absetzen oder soll ich mir was aussuchen?“

Und SETZT dann auch ab.

🙂

Da dann die Reaktion so manches Chirurgen zu sehen… Herrlich!

*Wutschnaub* „Dann wird die Galle eben zum Notfall!einself!“
(Die Galle, die seit drei Tagen im Haus ist und sich aber sowas von im beschwerdefreien Intervall befindet)

Noch besser dann, wenn die Antwort so ausfällt:
„Gut, dann machts der Dienst. Aber die anderen haben auch noch Notfälle zu operieren. Ich würde sagen, ihr seid dann so gegen drei Uhr dran. Morgens.“

Und da fällt dann selbst dem Hauscholeriker nichts mehr ein.

28. April 2011 Posted by | Honorararzt, OP | , , , , | 3 Kommentare

Ich habe gar kein Auto.

Nachdem es erst den Von-und-zu erwischt hat und nu der Tochter vom äh Stoiber an den Kragen geht wird das Filzen von Doktorarbeiten ja zum Volksport.

Zu Recht natürlich.

Also ich kann mit Fug und Recht behaupten, daß ICH bei meiner Doktorarbeit garantiert nicht beschissen habe. Ich hab nicht abgeschrieben, keine Quellen vergessen (garantiert!), nicht von jemand anderem schreiben lassen und auch niemand dafür bezahlt, daß die Note besser wird.

Klar ist das verlockend. Es geht ja nur um die zwei Buchstaben. Was in der Arbeit drin steht, interessiert doch danach niemand mehr.

Dachte sich der Von-und-zu wohl auch. Tja.

Gut, in der Medizin interessiert es hinterher wirklich niemand. Daß das meistens keine großartigen Forscherleistungen sind, ist ja bekannt (Ausnahmen gibts. Meine war keine Forscherleistung). Schummeln darf man dabei trotzdem nicht.

Und es ist auch Schummeln, wenn es niemand merkt.

Beim Von-und-zu gings ja auch um eine unberechtigt gute Note. Also selbst WENN er das Ding selbst geschrieben hätte (nochmal: meine hat niemand anders geschrieben), dann wärs immer noch nur ein „naja, lassen wir das mal gelten“ und kein „Prädikat“.

Bitte nicht mich fragen, was ein „Prädikat“ ist. Ich hab keine Ahnung, was die Juristen da so treiben.

Im Grundsatz sollte ein Doktortitel etwas sein. Er sollte nicht käuflich sein. Es sollte tatsächlicher Zugewinn an Wissen dabei heraus kommen. Nicht einfach irgendwas statistisches auswerten.

So, und nun noch mal zu meiner Doktorarbeit.

Was für ne Note? Keine.

Ich habe keinen Titel.

26. April 2011 Posted by | Uncategorized | 2 Kommentare