Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

*Rant* – Ein bißchen was von allem

Im Prinzip ist Anästhesie, wenn alles glatt läuft und man die ASA I-II Patienten (ASA III wird schon spannender, meistens aber auch nicht) hat, so aufregend wie Gras beim Wachsen zu zusehen.

Ein wenig Arbeit bei der Einleitung und bei der Ausleitung und ansonsten sich einen Dekubitus am Hintern holen. Mit ein wenig Glück hat man eine Pflegekraft, die:

A.) Was kann und

B.) Einen hin und wieder mal für ein paar Minuten rausläßt.

Zum einen gibts in vielen OPs so eine Art Frühstück, lustigerweise meistens eine Suppe und zum anderen tut bei Narkosen mit hohem Somniferenzrisiko der Kaffee zwischendrin ganz gut.

Für uns Suchtkrüppel leider die schlechte Nachricht: Wirklich rausgehen und mal eine rauchen fällt flach. Zu weit weg.

Solche Minipausen würden also nur zwischen den OPs gehen. Aber genau da geht es nicht, weil das normalerweise die Überleitungszeit ist und jede Minute, die man da mit so was verbringt, nicht vertretbar ist.

Manchmal geht’s trotzdem. Patient noch nicht da (Erstes Mangold’sches Gesetz: „Ein Patient der nicht da ist, kriegt keine Narkose“), oder irgendwo anders personelle Engpäße, so daß man eh grad nichts zu tun hat.

Wobei diese ewige Kiste mit dem Rumgemecker über die Überleitungszeiten, die ach so oft der Anästhesie angekreidet werden.

Stand vor zwei Wochen oder so in einem Medizinblatt (DGAI? Irgendsowas). Die übliche Überleitung dauert 26 Minuten. Mindestens müßen es 15 Minuten sein, weil das Desinfektionsmittel ja erstmal einwirken muß.

Mit viel personellem Aufwand könnte man auf diese 15 Minuten kommen. Macht also ~10 Minuten Zeitersparniss.

Und da kann sich nu jeder, der in Mathe auch nur so halbwegs aufgepasst hat ausrechnen, daß die paar Minuten bei drei oder vier OPs pro Tag keine zusätzliche OP möglich machen. Bei sechs oder sieben OPs kriegt man vielleicht noch eine kleine unter, aber sogar das ist fraglich.

Sicher, es gibt Einleitungen, die dauern länger. Wenn man das weiß und die entsprechend plant, so daß mit einem Kollegen überlappt werden kann, dann kann man da viel Zeit sparen.

Geht halt nur nicht immer.

Und – was jedem Gasmann sicher schon passiert ist – sich hetzen lassen geht schief. Und es geht keinen Furz schneller.

In dem Haus hier, daß muß ich ehrlich sagen, wird weder gedrängelt noch gehetzt. Da wird vielleicht mal gestichelt. Aber in beide Richtungen. Und normalerweise gutmütig.

Natürlich gibt es hier auch den Hauscholeriker. Den gibts überall.

Die Fachrichtungen wechseln, die Namen, das Geschlecht. Aber geben tut es so einen nach meiner Erfahrung überall.

Eine Fachrichtung hat solche Choleriker mit fehlender Kinderstube zwar besonders oft, aber mittlerweile kenne ich die quer durch die operativen Fächer.

Wenn diese Menschen wüßten, wie wenig mich das Getöse kratzt…

Im Gegenteil. Für nette Menschen macht man gerne auch mal mehr möglich.

Für unhöfliche Leute eben nicht. Muß er halt auf den Saalspringer warten, damit der Tisch gefahren wird. Oder bis er was ausgepackt kriegt.

Da hilft dann alles Gezeter nichts. Und sich über mich beschweren bringt noch weniger.

Im Extremfall dann eben keinen mehr, der die Narkose macht. Nicht zwischendrin, natürlich. Aber die nächste OP könnte sich dann etwas verzögern.

Ich hab sowas schon gemacht. Habe meinen letzten Patienten nach Ende der OP sauber ausgeleitet, in den Aufwachraum gebracht und mich dann ins Wochenende verabschiedet.

War ja auch schon eine Stunde über die Zeit. Freitags. Fünf Uhr.

Erntete unverständige Blick.

„Ja, wie, der nächste Patient ist doch schon da?“

Jop. Und deshalb hab ich euch auch gesagt, daß ihr, wenn ihr den bestellt, euch auch gleich Gedanken darüber machen könnt wer ihn in den Schlaf singt.

„Ja, aber der arme Patient!“

Na, den Text lieb ich ja heiß und innig. Zu dämlich ein machbares OP-Programm zu schreiben, so daß elektive Punkte weit nach Feierabend dran kommen müßten und DANN mit dem Argument kommen, daß der Patient ja schon so lange wartet.

Ja nee, is klar. Ihr kriegt keine vernünftige OP-Planung hin und deshalb sollen drei Abteilungen (zusätzlich zu eurer eigenen) Überstunden dreschen?

Kann ja sein, daß solche Gimicks mit Angestellten gehen. Oder die es mit sich machen lassen.

Als Honorararzt hab ich ja nichts gegen Überstunden. Aber NICHT Freitags, wenn der Weg nach Hause weit ist und das Wochenende sowieso schon kurz.

Notfälle, nur um das mal klarzustellen, sind was anderes. Sowas kommt vor und da bin ich der letzte, der sich weigert. Dafür mach ich gerne länger. Sonst wär ich nicht in dem Job.

Auch wenns hin und wieder ungeplant mal länger dauert. Kann ja mal vorkommen. OP mal komplizierter oder ein Notfall kommt dazwischen. Kein Problem. Sowas passiert.

Aber da gibts Kankenhäuser, da schaust du morgens auf den OP-Plan und WEISST, daß das nichts wird. Nichts werden kann. Nicht vor Mitternacht.

Und je nach Krankenhaus gibt es dann zwei Reaktionen.

Die einen zucken mit den Achseln, lassen die Schultern sinken und ergeben sich in ihr Schicksal.

Aber es geht auch anders. Setzt natürlich einen OP-Koordinator voraus, der sein Pulver wert ist.

Der ruft dann freundlich lächelnd den Verantwortlichen der Operativen Fächer an mit den Worten: „Willst du was absetzen oder soll ich mir was aussuchen?“

Und SETZT dann auch ab.

🙂

Da dann die Reaktion so manches Chirurgen zu sehen… Herrlich!

*Wutschnaub* „Dann wird die Galle eben zum Notfall!einself!“
(Die Galle, die seit drei Tagen im Haus ist und sich aber sowas von im beschwerdefreien Intervall befindet)

Noch besser dann, wenn die Antwort so ausfällt:
„Gut, dann machts der Dienst. Aber die anderen haben auch noch Notfälle zu operieren. Ich würde sagen, ihr seid dann so gegen drei Uhr dran. Morgens.“

Und da fällt dann selbst dem Hauscholeriker nichts mehr ein.

28. April 2011 Posted by | Honorararzt, OP | , , , , | 3 Kommentare

Die lieben Kollegen…

…aller Fachabteilungen.

Ich glaube, jede Fachrichtung kann davon ein Lied singen.

Die Chirurgen verstehen die Anästhesisten nicht, die Anästhesisten wissen nicht genau, was Internisten so tun und die Radiologen versteht sowieso niemand.

Nachdem ich gestern Nacht im Zuge einer akuten Insomnia eine Art „Ranthier von mir gegeben habe, hatte ich etwas Zeit darüber nachzudenken.

Der Post, auf den ich mich dabei bezog, zeigt viele der Dinge, die Chirurgen bei Anästhesisten nicht verstehen.

Natürlich gibt es Ausnahmen und Abteilungen, bei denen wirklich Hopfen und Malz verloren ist.

Aber im Normalfall sitzen Anästhesisten nicht einfach nur rum und popeln in der Nase. Man sieht uns nur selten arbeiten.

Und mal ehrlich: Wer will schon einen Anästhesisten wirklich ARBEITEN sehen? Denn das bedeutet meistens, daß es einem Patienten nicht besonders gut geht. Die Fälle, in denen ich einen Kollegen habe rennen sehen endeten immer mit einem Totenschein.

Natürlich gibt es auch Dinge, die ich an Chirurgen nicht verstehe. Das kleine Filmchen hier ist leider nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen, wie man hoffen würde.

Da werden gefühlt absichtlich Fakten verschwiegen, weil dann der jeweilige Anästhesist vielleicht nicht „mal eben so“ Narkose macht.

Eine Asystolie ist zwar übertrieben, aber ich habe mittlerweile gelernt, daß man alles, was einem ein Chirurg (oder eine andere operative Fachabteilung, was das betrifft) über einen Patienten erzählt mit Vorsicht zu geniessen ist.

„Nüchtern“ scheint für Operateure etwas anderes zu bedeuten als für einen Gasmann.

„EKs sind bestellt“ kann durchaus bedeuten, daß der Anforderungsschein vor zehn Minuten gefaxt wurde. UND die Tüten auf Abruf in einer entfernten Blutbank liegen.

Ein gesunder Patient kann durchaus mal die klassischen Risiken für eine Maligne Hyperthermie haben.

Und mehr als einmal hat man durch die Blume gesagt bekommen: „Ich hab es dir nicht gesagt, weil du sonst die OP verschiebst.“

Ja, verdammt! Natürlich verschiebe ich sie. Ich setze sie vielleicht ab. Oder treffe Vorbereitungen, wenn es ein Notfall ist, plane ein I-Bett, bestelle ein paar Tüten mehr, bestücke den Patienten mehr.

Oder kläre den Patienten darüber auf, daß die geplante Operation ein knackiges Narkoserisiko hat. Wie es mein Job ist. Auch schon passiert, alles schon erlebt. Woraufhin der Patient lieber doch keine OP wollte. Und der Orthopäde rotglühend vor mir stand.

Sorry, Kumpel. Der Patient ist eben ein bißchen mehr als nur sein Knie.

Egal wie gerne du das operieren möchtest.

Auch immer wieder gerne gehört, wenn aus einer elektiven OP eine Notfall-OP wird, damit sie im Dienst operiert werden kann.

Oder bei einem PDK, für den in diesem Haus die Bedingung „Thrombos mindestens 130.000“ lautet, DREIMAL in einer Nacht gefragt wird, ob denn 110.000 reichen würden. Weil es wären ja nicht mehr die 95.000 von der letzten Messung.

Es KANN sein, daß es völlig unschuldige Begründungen für so eine Vorgehensweise gibt. Mir fällt nur keine ein.

Wir setzen ja nicht zum Spaß OPs ab oder um. Wir verlangen ja nicht aus Jux und Dollerei Herzechos und Lungenfunktionen.

Wir blockieren keine OPs, weil wir die Operateure ärgern wollen. Oder weil uns die Nase nicht passt. Wir sind Profis. Es ist egal, ob ich den Aufschneider mag oder nicht.

Es geht nicht um uns. Es geht um die Patienten.

Das wird allerdings auch gerne ausgenutzt. Da wird der OP-Plan so vollgeknallt, daß die letzten Patienten gar nicht mehr im Tagdienst operiert werden können. Und das weiß man morgens um 8:00 Uhr schon.

Aber „der Arme Patient mußte den ganzen Tag warten“. Tja. Dann erklär ihm mal, warum du es nicht geschafft hast, ein machbares OP-Programm zu schreiben.

Es gibt aber auch andere Kollegen. Für die es überhaupt keine Frage ist, daß ein Patient für einen OP, die zwar dringlich, aber kein Notfall ist, nüchtern sein muß. Die sich ausgiebig entschuldigen, daß die OP noch ein bißchen warten muß, weil mal selbst verschwitzt hat, das Kreuzblut abzunehmen.

Die anrufen, den Fall schildern, nach bestem Wissen und Gewissen die bekannten Probleme ansprechen. Und dann fragen ob und wann man den Patienten den operieren könnte, nüchtern wäre er um X Uhr.

Die morgens schon Zweifel am OP-Programm haben. Die in Rücksprache die Lage mittags neu beurteilen und dem „armen“ Patienten schon mal was zu essen geben, weil sie wissen, daß es nichts mehr wird, werden kann.

Mit solchen macht es Spaß zu arbeiten. Und wenn die dann wirklich mal kommen und fragen, ob man nicht vielleicht doch noch die eine OP beginnen könnte, ausnahmsweise, auch wenns vielleicht ein bißchen in den Dienst geht, dann haben sie ganz gute Karten, daß man ja sagt.

Aber die erklären dann auch genau, warum. Am ersten Tag abgesetzt, weil zu spät. Am zweiten Tag kamen Notfälle dazwischen. Am dritten wieder. Und jetzt wäre der vierte Tag. Ob man nicht vielleicht könnte? Man habe der Patientin versprochen, es zu versuchen…

Solche sind selten. Aber es gibt sie. Die ein bißchen über den Tellerrand sehen und den Patienten im Focus haben. Und NICHT nur ihre OP.

Bezeichnend für diese Sorte Operateur ist durchgängig, daß „das Knie von Zimmer Elf“ Frau Müller heißt. Und es auch nicht heißt „können wir das Knie noch operieren?“ sondern „können wir das Knie von Frau Müller noch operieren?“

Da müßen wir uns als Gasmänner aber auch an der eigenen Nase fassen.

13. August 2010 Posted by | Honorararzt, Klinik, OP | , , , , , | 2 Kommentare

Learn from my fail: Was Chirurgen so erzählen

Idee kommt von hier und schadet niemand, wenn er mal seine eigenen Bockschüße ausbreitet.

Fange ich mal mit dieser Geschichte an.

Auf dem OP-Plan stand ein Hüft-TEP-Wechsel.

Für die nicht medizinisch Bewanderten: Das bedeutet, daß eine Hüftprothese mit roher Gewalt aus dem Oberschenkel und/oder dem Beckenknochen herausgedroschen werden muß. Was normalerweise nicht mit eben wenig Blutverlust zu machen ist.

Normalerweise bekommt der Patient vorher also eine ziemlich „große“ Bestückung, soll heißen, große Zugänge (und NEIN, eine Rosanüle gehört definitiv NICHT dazu), ZVK, vielleicht Arterie. Blutkonserven in der Hinterhand, vielleicht (je nach Klinik) einen PDK. Cell-Saver stehen ab und an auch mal rum. Also schon etwas „größeres“ Kino. Nichts wirklich wildes, nichts dramatisches, aber man muß schon was tun für sein Geld.

Man weiß, was kommt und ist darauf vorbereitet.

Tja, nur hatte ich vorher den Aufschneider gefragt. Es sollte nur der Hüftkopf gewechselt werden.

Wieder für die Nicht-Mediziner: Zwischen der künstlichen Pfanne und dem Ersatz des Schenkelhalses erfüllt eine Keramikkugel die Funktion des Hüftkopfes und wird eigentlich nur aufgesteckt (bißchen fest gedroschen, aber nicht mit aller Gewalt).

Und das Ding sollte getauscht werden. Es fällt also alles weg, was normal großartig bluten kann: Es wird nicht am Knochen gesägt, es wird nicht im Knochenmark rumgebohrt.

Alles in allem also eine ziemlich „popelige“ OP. Sollte man meinen.

Ich bin ja nun nicht völlig debil. Wenn an der Hüfte rumgeschraubt wird, stecke ich gerne mal einen Zugang mehr rein. Aber Arterie und ZVK habe ich erstmal gelassen.

Wozu auch? Aufmachen, Keramikding raus, neues rein, zunähen. In der Theorie könnte das in 20 Minuten über die Bühne sein. Und weder Arterie noch ZVK sind komplikationsarme Prozeduren (soll heißen: Wenn da was schiefgeht, kanns das in sich haben).

Also dachte ich, ich komme mit ein paar dicken (16er aufwärts) Zugängen aus, für den Fall, daß da doch was passiert.

OP geht also los, ganz entspannt… Nur irgendwann fällt mein Blick auf den sich schnell füllenden Sauger. Und direkt in dem Augenblick HATTE der Patient auch mal einen Druck gehabt.

Also Druck aufgepumpt (Kaffee aus der Tube), Infusionen aufgedreht, einen Hasen reinlaufen lassen, schnell im Reflex eine Arterie gelegt… und WUPS, war der Druck wieder weg.

Blut bestellt, zwei direkt und nachkreuzen sollen sie auch…

Arterenol angeworfen um ein bißchen Zeit rauszuholen. ZVK gelegt.

Nach und nach stabilisiert sich die Lage. Zweites EK hängt und läuft über Druckbeutel.

JETZT trudelt die BGA ein, die in dem Laden lustigerweise tatsächlich über das Labor laufen. Ist also auch schon wieder eine halbe Stunde alt und DAS heißt in anästhesiologischen Zeiten: „Aus dem letzten Jahrhundert“

HB da noch bei Neun Komma irgendwas. Daß das längst nicht mehr stimmt ist klar. Also rein forensisch noch eine abgenommen. Was da rauskommt hilft mir JETZT nichts. Weil muß ja erst ins Labor und bis ich da eine Antwort habe ist NOCH ein Jahrhundert ins Land gegangen.

Kreislauf kriegt sich wieder ein, Arterenol kann wieder abgedreht werden, Blutkonserven sind beim Einlaufen oder auf dem Weg.

WAS war da also passiert? Gute Frage. Fragen wir doch einfach mal den Operateur vor Ort:

„Passiert? Nix….“

Wortloses deuten auf den Sauger, der die Drei-Liter-Marke gut hinter sich hat…

„Ups…“

Ups? Du machst mir Spaß…

Ich weiß bis heute nicht, WAS da so geblutet hat. Es BLIEB nämlich beim Wechsel des Kopfes. Die einzementierten Teile, die einen HEP-Wechsel zum Blutbad machen können, blieben wo sie waren.

Der Aufschneider hat es also irgendwie geschafft, Narbengewebe SO bluten zu lassen, daß der Patient auf der Intensivstation (wohin ich ihn dann verfrachtet habe) als ersten HB trotz zwei EKs nur noch eine „Acht“ bot und auch noch so nachblutete, daß eine Stunde später eine „Sechs“ vorne stand und eine kleine Zahl dahinter…

Also: Hier mein „Learn from my Fail“: Wenn der Chirurg irgendwas von „Och, wird nichts Großes“ blubbert, sollte man hellhörig werden.

Wenn schon „TEP-Wechsel“ draufsteht, NUTZE die Gelegenheit, den Menschen so zu bestücken, daß er aussieht wie der Verteilerkopf in einem Achtzylinder.

Egal, was der Chirurg sagt.

11. Juni 2010 Posted by | Klinik, Learn from my Fail, Notfall, OP | , , , , | 4 Kommentare

Hypertrophie

Sozusagen das Wort zum Sonntag.

Nahdem ich letzte Woche mal wieder mit einem „Handwerker“ zusammengerappelt bin (i.e. einen Chirurgen) stell ich mir nun zum wiederholten Male die Frage, warum die eigentlich sind, wie sie sind.

Oder besser, warum sie WERDEN, wie sie sind.

Man muß da unterscheiden.

Die kleinen Assistenten sind normalerweise recht umgänglich (oder gehen gleich unter) und wissen im Normalfall recht genau, daß sie die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen haben (hab ich auch nicht). Der „kleine“ Dienstweg funzt recht zuverläßig und Hilfe wird gerne angenommen.

Mit fortgeschrittener Weiterbildung trifft man dann schon den ein oder anderen Knallkopf, der von mir nachts um drei erwartet, daß ich einen elektiven Patienten für übernächste Woche über die Narkose aufkläre.

Oder versucht, das „übliche“ Nadellegen auf Station auf mich abzuwälzen. Aber noch höflich: „Duuuu, der hat so schlechte Venen, könntest du nicht?“

Klar, kann ich, aber wenn der Patient dann Venen hat, die ich mit effektiven zwei Promille noch von der Tür aus im Wurfverfahren treffe, werd ich etwas grantig.

Manchmal sind sie auch zu höflich: „Wärst du so lieb mal auf die ITS zu kommen? Wir reanimieren hier gerade…“

Ab Facharzt wird es dann schon deutlicher. Oft (nicht immer) ist die Holzhammerabteilung ein notwendiges Übel, die man im OP schon mal anpflaumen darf. Allerdings hier noch eher selten. Fifty/Fifty würde ich sagen.

Oberärzte sind dann schon meistens ein ganz anderes Kaliber. Da werden solche Schoten gerissen wie „Unsere Gastfreundschaft ist begrenzt“ (den Kommentar: „Dann operiert eben nicht?“ hab ich mir gespart. Meine Magenschleimhaut ist mir wichtiger).

Und als „Chef“ ist es dann endgültig vorbei. Alles jetzt und sofort.

Darunter so Knaller wie „Der Patient ist nicht entspannt!einseinself!!“ Und (ungelogen!) zehn Sekunden nach Relaxierung „Jetzt wirds besser“.

Jau, cool. In Zukunft nehm ich nur noch Trac anstatt Succi, wenns schnell gehen muß. Darf ich das publizieren?

Oder der Chef, der nach Injektion von 180 Diso noch meinte den Patienten in voller Lautstärke begrüßen zu müßen und von mir kurzerhand rausgeworfen wurde. Halalala, reden wir nicht von Sonnenschein. DER war vielleicht grantig.

Drei (!!!) Tage später hat er sich quasi bei mir entschuldigt…. „In der Sache hatten sie recht“.

In der Sache? Du Futzi hast in dem Moment da genau gar nix verloren.

Wobei das nicht nur chirurgische Chefs betrifft sondern meiner Meinung (und Erfahrung) nach ALLE Chefs. Egal welche Fachrichtung.

Aber die Chrirurgen haben ab – sagen wir mal – Oberarzt fast alle etwas hypertrophe Allüren.  Von der Anästhesie laß ich mir aus Prinzip nix sagen!

Nuja, wenn ihr meint… Mich juckt ein Quick von 30 nicht wirklich. Narkose kann ich auch so machen (Tu ich dann natürlich nicht. Aber der Kommentar liegt mir da schon auf der Zunge. Da kann der arme Mensch ja nichts dafür).

Oder der OA, der VIERMal darauf hingewiesen wurde, daß sein „stiller PJler“ dem Menschen die Nase verbiegt. Oder die OÄ, der ich dreimal sagte, daß der Arm so NICHT gelagert werden kann.

Oder der Chef, der auf die Uhr zeigte, als die Einleitung mal länger dauerte (DEM hab ichs an anderer Stelle mal gegeben. Aber das in einem anderen Beitrag).

Ich weiß nicht, ob die so sein müßen, um den Job zu machen oder ob die so werden, wenn sie den Job machen. Ich tendiere zu letzterem.

30. Mai 2010 Posted by | Allerlei, OP | , , | 1 Kommentar

Buisness as usual

Heute wars ein entspannender Tag im OP. ASA I und II, das meiste Stand-By.

Auch mal wieder nett.

Und wie das immer so ist, man kommt natürlich nicht mit jedem aus.

Mit manchen Leuten hat man einfach ein gespanntes Verhältnis, kann sich von Anfang an nicht riechen. Das kann der Arzt sein, der sich benimmt wie Rotz am Stil (hatte ich heute auch, aber nicht mir gegenüber und auch eine andere Richtung), daß kann die Pflegekraft sein, die mir meinen Job erklären will und bei jeder Intubation „Paß auf die Zähne auf“ von sich gibt…

Gut, aber heute wars (trotz der Aversion) eher positiv. Denn wir beide haben es geschafft – trotz gegenseitigem „Nicht-leiden-könnens“ – Profis zu sein.

Ich muß mit der Person nicht in den Biergarten gehen und umgekehrt sie nicht mit mir. Aber wir sind Profis und bei der Arbeit geht es nicht um uns.

Also haben wir beide den Ärger heruntergeschluckt und gut zusammen gearbeitet. Natürlich machts mehr Spaß, wenn man dabei ein paar Witze reissen kann, aber so gehts auch.

Insgesamt also ein geruhsamer Tag, leider keine Anekdoten. Aber die will in dem Zusammenhang auch keiner hören…

21. Mai 2010 Posted by | OP | , , , | Hinterlasse einen Kommentar