Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Carpe diem

Ziemlich lange Funkstille. Zugegeben.

Nicht, weil ich nichts schreiben wollte, oder weil keine Zeit dafür da gewesen wäre.

Sondern einfach weil nichts da war zum Schreiben. Natürlich war mein Leben nicht ereignislos und den ein oder anderen hätten meine Urlaubsgeschichten sicher mal mindestens neidisch gemacht.

Oder was mein Privatleben so treibt interessiert sicherlich auch manche. Vielleicht. Mich vor allem.

Aber all das ist nicht Gegenstand dieses Blogs und gehört auch nicht dringend in die Öffentlichkeit.

Irgendwann wollte ich auch mal einen Jahresrückblick für 2010 verfassen, aber über „Es war ein gutes Jahr“ kam ich nicht hinaus. Mehr gab es nicht zu sagen. Den Rest interessiert vielleicht die Steuer oder den Steuerberater.

Nach wie vor tingle ich durch die Republik, hier eine Woche Notarzt, da zwei Wochen Narkosen. Und dazwischen mal eine Woche ausspannen.

Die Arbeit im OP ist ja naturgemäß meistens so spannend wie Gras beim Wachsen zuzusehen. Da ist es nur normal, wenn ich darüber nicht oder nur selten berichte.

Da gibt der Notarztdienst schon mehr her. Jedenfalls normalerweise. Nur in der letzten Zeit eben nicht. Die üblichen Krankheitsbilder in der üblichen Konstellation. Nichts, was großartig im Gedächtnis bleibt.

Natürlich ist jeder Patient auch ein Mensch, ein Schicksal. Und wird auch so behandelt.

Aber durch die Menge bleiben kaum Namen im Gedächtnis, nach ein paar Tagen ist der Herr Mayer-Müller-Schmitt mit dem STEMI und der sehr besorgten Ehefrau nicht mal mehr ein Gesicht und der Name ist längst vergessen.

Hin und wieder kommt einem eine Straßenecke bekannt vor. „War hier nicht…? Wann war das nochmal?“ oder ein unbestimmtes „Ich glaube, ich war hier schon mal…“

Gesichter huschen vorbei. Für die Menschen, die es direkt betrifft, jedesmal ein Ausnahmezustand, ein einschneidendes Ereignis.

Und für uns? Nach eine Woche sind selbst die Fälle, die ausserhalb der Normalität waren vergessen, die Gesichter verschwommen, wenn überhaupt noch da.

Es kann auch gar nicht anders sein.

Wie sagt Ferris Bueller? Manchmal sollte man anhalten und sich umsehen. Es könnte sein, daß man das Leben sonst verpasst.

Und wenn die Arbeit im Rettungsdienst eines lehrt, dann das:

Das Leben kann sehr schnell vorbei sein.

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23. März 2011 - Posted by | Uncategorized

2 Kommentare »

  1. ausnahmezustand ist genau der richtige ausdruck… wie recht du doch hast.

    Kommentar von souly | 23. März 2011 | Antwort

  2. Oh schön, hier geht es weiter. Das erfreut. Willkommen zurück!

    Man kann halt nicht immer schreiben, mal fehlen einem die Themen, mal hat man einfach keine Lust.

    Kommentar von Mr. Gaunt | 26. März 2011 | Antwort


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