Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Der Puls

Wenn ich mir recht entsinne, hatte ich dazu schon einmal etwas geschrieben.

Die erste Maßnahme im Notfall: Den eigenen Puls fühlen.

Zwei Gründe:

– DU bist nicht der Kranke hier

– Keep calm

Der erste Punkt ist nicht so hart, wie er sich anhört. Natürlich bist nicht DU der Patient. Aber DU bist der Kasper, der dem Patienten helfen soll. DENK daran. Deine Animositäten oder Launen sind in dem Moment nicht relevant. Du stehst nicht im Mittelpunkt. Da ist ein Mensch, der ein Problem hat und von dir Hilfe erwartet.

Du mußt bei niemandem Eindruck schinden, niemandem etwas beweisen.

Der zweite Punkt dient dazu, den ersten so gut wie möglich zu machen. Dein Adrenalin mag unter der Decke sein, deine Stimme mag brechen, du willst alles schnell und sofort und auf der Stelle und du willst es richtig machen.

Ich sage gerne: Machs lieber langsam und richtig als zweimal.

Das habe ich mal von einem Kollegen gelernt. Das sah so lahmarschig aus, so langsam, so bedächtig… BIS man eben genau hingesehen hat. Denn DANN merkte man, daß jeder Handgriff saß, keine überflüssige Bewegung dabei war, ruhig und besonnen ohne Hektik ohne Firlefanz einfach getan wurde, was anstand.

Dieser „lahmarschige“ Kollege war dreimal schneller als jeder andere. Sah nur nicht so aus.

Ich suche mir meine Vorbilder mit Bedacht. Und er war einer davon.

Was diese Vorbilder gemeinsam haben ist die Ruhe.

Einen davon habe ich schon einmal beschrieben.

Und alle meine Vorbilder haben noch etwas gemeinsam: Alle wußten, daß sie die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hatten.

Ich kann drei aufzählen, die ich bewußt als Vorbilder habe:

Zwei davon Anästhesie, einer Chirurgie.

Der „Fels“ und der „Lahmarsch“ aus der Anästhesie. Aus ähnlichen Gründen beide. Da kann die Kuh fliegen, aber mit Hektik gewinnst du keinen Blumentopf.

Und mein alter Oberarzt, aus der chirurgischen Vergangenheit. Erstens brachte ihn nichts aus der Ruhe und zweitens hörte er jedem zu.

Ich weiß noch, daß ein Famulant ein Zebra anbrachte. Ober schaut mich an, ich schau Ober an. Ober sagt: „Liegt hier ein Fachbuch rum?“

Wir schauen nach: JA, es ist ein Zebra. Würde aber passen. Ober sagt: „Ordnen sie die Untersuchung mal an.“

Ja, gut, wars dann nicht. Irgendwas Abstruses, aber nicht so selten, daß man es völlig ausschliessen kann. IIRC irgendeine Porphyrie.

Aber was ich mir auf Kissen gestickt habe: Egal, wer die Idee mal hatte und egal, ob derjenige ganz unten auf der Leiter steht, denk mal drüber nach.

In meiner Erfahrung haben viele Ärzte diese Krankheit: „Ich Arzt, du keine Ahnung“.

Da ist es dann wieder: Ich Arzt, Ich beweisen muß, daß Ich besser weiß als da wie du.

Was natürlich Bullenscheisse Männliche-Bovine-Exkremente ist.

Ich muß niemand beweisen, daß ich es besser weiß.

Womit wir wieder beim Anfang sind:

Der Patient steht im Mittelpunkt. Um den gehts.

Im Notfall gehts nicht um meine Profilneurose. Oder um mein Geltungsbewußtsein.

Es geht um den Patienten.

Ich bin ja nun in der „glücklichen“ Lage, nicht mir anderen Notärzten zusammen zuarbeiten. Gibt der Job einfach nicht her.

Mir kommen Geschichten zu Ohren, da wirds mir anders. Es muß da draussen Notärzte geben, die den Beruf verfehlt haben.

Es gibt Gute. Und sehr Gute. Denen ich das Wasser nicht reichen kann.

Es gibt aber auch Pfeifen. Kann man nicht anders sagen. Sorry.

Deswegen ging der Text heute auch runter wie Öl: „Wie, du bist morgen den letzten Tag da? Schade. Solche wie dich brauchen wir mehr.“

Ich habe keinen Vergleich, ich weiß nicht, wie andere Notärzte arbeiten.

Aber anscheinend mach ich irgendwas richtig.

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18. November 2010 - Posted by | Notarzt | ,

1 Kommentar »

  1. Gell, dass tut gut 🙂

    Kommentar von Hellebora | 19. November 2010 | Antwort


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