Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Nur eine kurze Frage…

Gerade schreibt man noch über fehlendes Post-Ping-Pong und schon kommt ein Post daher, bei dem man es nicht lassen kann.

Josephine hat hier ein Problem angesprochen, das jeder Arzt kennt.

Eigentlich kennt es jeder, der im weitesten Sinne als „Fachmann“ bezeichnet werden kann.

Ob das nun der Arzt ist, der Anwalt, der Schreiner oder der Klempner [1].

Sobald man sagt, was man beruflich macht, kommen fast unweigerlich die Fragen.

Solange das noch „nur“ die Familie ist (und das kann schon ausarten) geht es ja noch. Aber mich hat schonmal jemand beim Notarztdienst auf einer Versorgungsfahrt (das übliche Fastfood-Unternehmen schmeckt manchmal auch) angesprochen.

Nein, nichts Dramatisches. Nichts, wofür ich als Notarzt (oder Anästhesist) auch nur im geringsten qualifiziert wäre. Genaugenommen sogar ein eher psychosomatisches Problem. Wenn ich mich recht erinnere, ging es um allgemeine Schlappheit.

Ich hatte keine Tischkante zur Hand, aber zur Not tuts auch das Armaturenbrett. Aber wir sind ja „seriös“, wir wollen ja einen guten Eindruck hinterlassen. Also ehrlich geantwortet und ihm seinen Hausarzt anempfohlen.

Ich denke auch, man muß sich da an der eigenen Nase fassen: Wie oft habe ich schon einen befreundeten Schreiner gefragt, oder einen Installateur. Nie viel und nie etwas großes.

Aber auch die haben Zeit und Arbeit in ihre Ausbildung gesteckt, auch bei denen dauerte es lange, bis sie die Bezeichnung „Fachmann“ verdienten.

Und ich war sicher nicht der Einzige, der mit Fragen kam. Alles nur „Mal eben“ und „kannst du mir eben helfen“.

Das summiert sich.

Zum Glück brauchte ich bisher keine Anwälte. Um ehrlich zu sein, ich kenne auch keine. Ich lese zwar ein paar Blogs, aber auf die Idee, einfach mal so etwas nachzufragen via Mail, wäre ich nicht gekommen.

Aber ich meine mich an den ein oder anderen Blogpost zu erinnern, daß es da auch Anwälten nicht viel besser geht.

Vielleicht sind Ärzte und Anwälte dafür auch einfach prädestiniert.

Daß ich keine Ahnung mehr von Dermatologie habe und selbst bei verschiedenen inneren Krankheiten absolut nicht auf dem Laufenden bin, stört die Fragenden selten. „Du hast das doch mal gelernt“.

Ja, habe ich. Aber das ist erstens schon eine Weile her (ich will mir nicht wirklich überlegen, wie lange) und zweitens ist es totes Wissen. Was man nicht im Job braucht, vergisst man.

Aber man ist ja Arzt. Vielleicht ist die Geschichte von den „Halbgöttern in Weiß“ noch nicht so wirklich aus den Köpfen heraus.

Vor einer halben Ewigkeit habe ich mir mal ein MSD-Manual gekauft. Sonderedition, denn es war eine Ausgabe dieses Manuals von lange vergangenen Tagen dabei.

Wer das MSD-Manual nicht kennt, es hat in etwa die Ausmaße einer gebundenen Ausgabe des „Herr der Ringe“ (in einem Band). Wenigstens das Aktuelle. Die alte Ausgabe (als Beiwerk) hatte in etwa die Größe eines Reklam-Heftchens. Mit einer Kurzgeschichte.

Ich WEISS das einfach nicht alles. Frag mich etwas zu Urologie (was über Operationen oder akute Steine hinausgeht) und du siehst mich mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf dastehen.

Solange die Fragen nur sind „Ich hab da diesen Bobbel seit zehn Jahren. Nein, größer wird er nicht.“ antworte ich mit einer Gegenfrage: Störts? Wenn nicht, lassen wie es ist.

Sonst ist die Antwort: Gelbe Seiten: Frag jemand, der sich damit auskennt.

Das ist das Eine. Daß ich die Antworten oft schlicht nicht weis.

Das Andere ist, daß Ärzte und Anwälte IMMER solche Fragen bekommen.

Aber wir müßen uns an der eigenen Nase fassen: Wir machen das Gleiche.

Ob wir nun den Schreiner fragen oder den Installateur. Oder (bewahre!) den Anwalt. Und wir sollten uns dessen bewußt sein.

Dennoch sind medizinische Blogs keine Auskunftsabteilung und sie können nie einen tatsächlichen Arztbesuch ersetzen, wenn es ein Problem gibt.

Solange die Familie oder Freunde um Rat fragen, bekommen sie den nach bestem Wissen und Gewissen.

Aber eine kostenlose Medizinische Auskunftshotline sind wir alle nicht.

[1] Faszinierend über welche Spin-Offs man stolpert. Der Klempner oder auch Spengler hat tatsächlich nicht viel mit dem zu tun, was ich dachte. Erstens schreibt er sich anders (nicht „KlempTner“) und zweitens hat er mit „Gas-Wasser-Scheisse“ höchstens indirekt zu tun. Wieder was gelernt.

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13. August 2010 - Posted by | Allerlei | ,

3 Kommentare »

  1. Genau so isses. Kann man nicht anders sagen. Mich hat mal jemand gefragt: „Mein Bekannter hat neulich genießt und ist dann umgefallen. Was kann denn das sein?“

    Kommentar von anna | 13. August 2010 | Antwort

  2. Ich erwisch mich auch dauernd dabei 😉

    Aber wenn du meinst, es sind nur Ärzte und Juristen betroffen: Mitnichten und Mitneffen.

    „Du kennst dich doch mittie Computas aus…ich hätte da gerne mal ein Problem.“
    Alternativ:
    *RUMMS* Tür geht auf, PC fliegt auf den Schreibtisch. „Ich hol mir den in 2 Wochen wieder ab, danke das du den fertig machst, ich bin nu im Urlaub, schüssikowski“ – OHNE Absprache selbstredend.

    „Du bist doch beie Stadt..kannze mich mal sagen, wann die Müllkippe aufhat??“

    „Was kostet bei euch denn nu ne Musikstunde, mein Engel hier soll Flöte lernen. Wie du weißt datt nich? Du bist doch inner Abteilung?“

    „Ich brauch mal die Turnhalle für ein Turnier, watt kost datt denn bei euch, wenn ich die mieten tu?“

    Und das ist nur ein Ausschnitt aus dem Sammelsurium, was ich hier täglich habe. Von daher bin ich vielleicht auch ein wenig hartleibiger geworden *g*

    Kommentar von Tante Jay | 19. August 2010 | Antwort

    • Das wollte ich eigentlich damit sagen (unter anderem).
      Ist mir offenbar nicht so ganz gelungen.
      JEDER Fachmann schlägt sich damit rum.
      Das kann der befreundete Schreiner sein oder die Verwandtschaft bei der Stadt oder oder oder…
      😉

      Kommentar von Kormak | 20. August 2010 | Antwort


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