Hammer oder Spritze?

Der alltägliche Wahnsinn

Hypertrophie

Sozusagen das Wort zum Sonntag.

Nahdem ich letzte Woche mal wieder mit einem „Handwerker“ zusammengerappelt bin (i.e. einen Chirurgen) stell ich mir nun zum wiederholten Male die Frage, warum die eigentlich sind, wie sie sind.

Oder besser, warum sie WERDEN, wie sie sind.

Man muß da unterscheiden.

Die kleinen Assistenten sind normalerweise recht umgänglich (oder gehen gleich unter) und wissen im Normalfall recht genau, daß sie die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen haben (hab ich auch nicht). Der „kleine“ Dienstweg funzt recht zuverläßig und Hilfe wird gerne angenommen.

Mit fortgeschrittener Weiterbildung trifft man dann schon den ein oder anderen Knallkopf, der von mir nachts um drei erwartet, daß ich einen elektiven Patienten für übernächste Woche über die Narkose aufkläre.

Oder versucht, das „übliche“ Nadellegen auf Station auf mich abzuwälzen. Aber noch höflich: „Duuuu, der hat so schlechte Venen, könntest du nicht?“

Klar, kann ich, aber wenn der Patient dann Venen hat, die ich mit effektiven zwei Promille noch von der Tür aus im Wurfverfahren treffe, werd ich etwas grantig.

Manchmal sind sie auch zu höflich: „Wärst du so lieb mal auf die ITS zu kommen? Wir reanimieren hier gerade…“

Ab Facharzt wird es dann schon deutlicher. Oft (nicht immer) ist die Holzhammerabteilung ein notwendiges Übel, die man im OP schon mal anpflaumen darf. Allerdings hier noch eher selten. Fifty/Fifty würde ich sagen.

Oberärzte sind dann schon meistens ein ganz anderes Kaliber. Da werden solche Schoten gerissen wie „Unsere Gastfreundschaft ist begrenzt“ (den Kommentar: „Dann operiert eben nicht?“ hab ich mir gespart. Meine Magenschleimhaut ist mir wichtiger).

Und als „Chef“ ist es dann endgültig vorbei. Alles jetzt und sofort.

Darunter so Knaller wie „Der Patient ist nicht entspannt!einseinself!!“ Und (ungelogen!) zehn Sekunden nach Relaxierung „Jetzt wirds besser“.

Jau, cool. In Zukunft nehm ich nur noch Trac anstatt Succi, wenns schnell gehen muß. Darf ich das publizieren?

Oder der Chef, der nach Injektion von 180 Diso noch meinte den Patienten in voller Lautstärke begrüßen zu müßen und von mir kurzerhand rausgeworfen wurde. Halalala, reden wir nicht von Sonnenschein. DER war vielleicht grantig.

Drei (!!!) Tage später hat er sich quasi bei mir entschuldigt…. „In der Sache hatten sie recht“.

In der Sache? Du Futzi hast in dem Moment da genau gar nix verloren.

Wobei das nicht nur chirurgische Chefs betrifft sondern meiner Meinung (und Erfahrung) nach ALLE Chefs. Egal welche Fachrichtung.

Aber die Chrirurgen haben ab – sagen wir mal – Oberarzt fast alle etwas hypertrophe Allüren.  Von der Anästhesie laß ich mir aus Prinzip nix sagen!

Nuja, wenn ihr meint… Mich juckt ein Quick von 30 nicht wirklich. Narkose kann ich auch so machen (Tu ich dann natürlich nicht. Aber der Kommentar liegt mir da schon auf der Zunge. Da kann der arme Mensch ja nichts dafür).

Oder der OA, der VIERMal darauf hingewiesen wurde, daß sein „stiller PJler“ dem Menschen die Nase verbiegt. Oder die OÄ, der ich dreimal sagte, daß der Arm so NICHT gelagert werden kann.

Oder der Chef, der auf die Uhr zeigte, als die Einleitung mal länger dauerte (DEM hab ichs an anderer Stelle mal gegeben. Aber das in einem anderen Beitrag).

Ich weiß nicht, ob die so sein müßen, um den Job zu machen oder ob die so werden, wenn sie den Job machen. Ich tendiere zu letzterem.

Advertisements

30. Mai 2010 - Posted by | Allerlei, OP | , ,

1 Kommentar »

  1. Tja, genau die gleiche Frage wird sich auch auf der anderen Seite gestellt. Zumindest bei denen, die noch darüber nachdenken. Das es die ignorante Spezies auch gibt weis ich nur zu gut.
    Zum Beispiel mußte ich mich in meinem letzten Dienst doch sehr über die Anästhesistin wundern die eine PDA legte und dann laut stöhnte: ich kann jetzt keine Nadel legen, ich muß auf Intensiv, da stirbt einer.
    Absolutes „no-go“ vor der Patientin.
    Ganz charmant finde ich auch das Spielchen: „Mein Patient ist extubiert bevor die Naht fertig ist.“ Bitte welcher Menschenfreund macht denn so was? Soll das zeigen: Ich bin besser als Du weil schneller? Klar, Schnorchel raus geht schneller als ’ne Hautnaht bei einem sich im Aufwachen windenden Patienten bei dem man mit dem Nadelhalter auch noch den Bewegungen folgen muß um nebenbei zuzustechen. Ok, macht bei mir keiner mehr aber jeder kennt das aus den Anfängen.

    Und jetzt kommts: Über so was muß man reden. Und zwar freundlich und rechtzeitig……..das funktioniert tatsächlich und schwupps machts richtig Spaß. Klar, es gibt welche, die änderst Du nie; aber bei den meisten klappt es.
    Und noch was hilft: Interesse und Verständnis für das andere Fachgebiet.
    Vielleicht kapiert dann der Chirurg warum es Schmerzmittel gibt die einen halbscharig eingestellten Blutdruck zum Entgleisen bringen und der Anästhesist versteht warum es manchmal nötig ist daß der Patient beim Extubieren und die nächsten Stunden möglichst nicht hustet damit die mühsam in der Tiefe angebrachten Nähte auch einwachsen und nicht ausreißen. Ignoranz schafft Ärger und Interesse füreinander macht die Abläufe deutlich leichter. Und dann klappt es auch mit dem Schwätzchen übern Tuchrand.

    Und manchmal gibt es dann Augenblicke in denen man merkt daß der Beruf doch Spaß macht und nicht nur ein Job ist.

    In diesem Sinne: angenehmen Dienst und laß Dich mal wieder blicken.

    Kommentar von docmuellerin | 26. Juni 2010 | Antwort


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: